Bad Mergentheim

Kreislandfrauen und Kreisbauernverband Traditionelles Erntedankfest in der Wandelhalle gefeiert / Erntekrone ging an Kurdirektorin Löbbecke und ihr Team

„Maßlosigkeit und Gier“ kritisiert

Archivartikel

Mit einem bunten und zugleich besinnlichen Programm wurde in der Wandelhalle Erntedank gefeiert.

Bad Mergentheim. Mit einer traditionellen großen Feier in der sehr gut besuchten Bad Mergentheimer Wandelhalle beging am Sonntagnachmittag der Landfrauenverband und der Bauernverband des Main-Tauber-Kreises in Kooperation mit der Kurverwaltung Bad Mergentheim das Erntedankfest.

Eröffnet wurde die Festveranstaltung musikalisch durch den KreisLandfrauenchor unter Leitung von Margret Stier. Nach der Begrüßung durch Reinhard Friedrich, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, betonte Bürgermeisterstellvertreterin Manuela Zahn, das Erntedankfest stelle kritische Fragen an die heutige Form der Nahrungsmittelproduktion, Verwertung, Nachhaltigkeit, weltweiten sozialen Gerechtigkeit sowie eigenen Umgang mit Lebensmitteln und Ressourcen. „Ohne Ihren Idealismus und Einsatz wäre unser Wohlbefinden auf einem viel niedrigeren Niveau“, meinte Manuela Zahn mit Dank an die Landwirtschaft und speziell auch an die Landfrauen gerichtet.

Kurdirektorin Katrin Löbbecke dankte allen Organisatoren und Akteuren für ihr Engagement. „Wenn wir heute das Erntedankfest feiern, muss unser Dank aus dem Denken und Nachdenken kommen. Einmal im Jahr bewusst alles in Frage stellen – unser Leben, unsere Lebensweise und was uns sonst so selbstverständlich erscheint“, mahnte sie an. „Wohin hat uns dieser eigenmächtige Umgang mit der Welt, mit ihren Kräften und Gesetzmäßigkeiten geführt?“, „was hat uns dieser sinnlose Raubbau an der Natur gebracht, unsere Maßlosigkeit und Gier?“ nannte die Kurdirektorin exemplarisch die Fragen, denen sich die Menschen stellen müssten.

„Keinesfalls altbacken“

„Erntedank ist ein gutes Stück Heimat und keinesfalls haus- oder altbacken, sondern ein Grund, dankbar zu sein“, unterstrich Christoph Schauder, Erster Landesbeamter des Main-Tauber-Kreises. Die Landwirtschaft könne und werde neben vielen anderen Bereichen ihren Beitrag dazu leisten, existenzielle Fragen der Zukunft zu lösen.

Mit einer Auswahl deutscher und internationaler Lieder bot der Gesangsverein Liederkranz Vorbachzimmern gemeinsam mit seinem jungen Chor „InTakt“ unter der Leitung von Franziska Hammel vor und nach der Festrede von Pfarrer Herrmann Witter (siehe weiteren Bericht), Studienleiter der Evangelischen Akademie Baden, musikalisch beste Unterhaltung.

In einem Rückblick auf die Ernte 2019 erinnerte Reinhard Friedrich unter anderem an einen kühlen und nassen Mai, so dass man bei allen Kulturen trotz Hitze im Juni und Juli zumindest in Baden-Württemberg eine gute Durchschnittsernte eingebringen habe können.

„Viele Bauernfamilien haben auf ihren Feldern Mahnkreuze als stillen Protest gegen einen gesellschaftlichen Wandel aufgestellt, der die Verantwortung für den Klimawandel sowie einen Rückgang der Insektenbestände und Artenvielfalt fast ausschließlich an die Landwirtschaft adressiert“, berichtete der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes.

Zugleich dankte er zum Beispiel Kirchen, Landfrauen- und Imkerverbänden sowie vielen Politikern und dem Landkreistag für ihre Stellungnahmen, die davon abraten, das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ zu unterschreiben.

„Große Bereitschaft“

„Um gemäß Forderungen von Fachleuten Lebensräume für die Insektenvielfalt zu schaffen, haben die Bauern im Main-Tauber-Kreis auf über 3000 Hektar Blühflächen für die Insekten angelegt“, so Friedrich. „Es gibt also eine große Bereitschaft der Landwirte, sinnvolle Maßnahmen umzusetzen“. Zudem habe der Bauernverband in zehn Punkten ausgearbeitet, wie Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam gehen könnten. Dabei seien jedoch auch beispielsweise die öffentliche Hand, der Handel und die Verbraucher gefordert. Zugleich war der Vorsitzende dafür, den Antrag des Bauernverbandes mit einer Unterschrift bis zum 17. Oktober zu unterstützen.

In übereinstimmendem Tenor äußerte sich auch die Landfrauenvorsitzende Margret Beck.

Für die Unterstützung des Kreislandfrauen- und Kreisbauernverbandes seit Jahrzehnten durch die Kurverwaltung insbesondere beim Erntedankfest und beim Regionalen Bauernmarkt im Kurpark wurde die traditionelle Erntekrone an Kurdirektorin Katrin Löbbecke sowie deren Team vergeben. Gefertigt wurde die Krone von den Landfrauen aus Hachtel unter der Leitung von Silke Albrecht, Ruth Pflüger und Marianne Schmitt. Ein weiterer kultureller Höhepunkt war die Darbietung der Mörike-Biedermeier-Tanzgruppe Wermutshausen in historischen Gewändern. Ein gemeinsam gesungenes irisches Segenslied bildete den Abschluss des Programms, bevor bei Bewirtung durch die Wachbacher Landfrauen ausklang.

Im Rahmen des Erntedankfestes präsentierte sich der Landfrauenverband zudem mit einer Stellungnahme zum Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Biene“ .

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