Bad Mergentheim

FDP Bad Mergentheim Ortsverband tagte digital

„Manche Jahresgehälter sind nicht angemessen“

Archivartikel

Bad Mergentheim.Der Jahresrückblick des Ortsverbandes der FDP fand notgedrungen ohne traditionelles Gans-Essen, dafür aber mit digitaler Videotechnik statt. Es zeigt sich, dass die moderne Technik über vieles hinweghelfen kann – aber eben nicht über alles.

Der Ortsvorsitzende Professor Tittor begrüßte die Videokonferenzteilnehmer und übergab das Wort Hans Bauer, der die wenigen Ereignisse des Jahres 2020 mit Hilfe einer Power-Point-Präsentation darstellte und dabei über einige liberale Projekte referierte. So erläuterte er das Projekt „Bürgergeld“, das aus Sicht der FDP ein wichtiger Baustein zum Bürokratieabbau sein könnte.

Bauer ging dabei auf die Änderungen in der Berufswelt der vergangenen Jahrzehnte ein und stellte fest, dass die Politik auf diese Veränderungen nur recht unzulänglich reagiert hat, wohl weil diese Änderungen „schleichend“ erfolgten und so nicht richtig wahrgenommen wurden. Neben den vielen „Scheinselbständigen“ entstand unbemerkt ein Heer von „Solo-Selbstständigen“, die, wie sich in der Corona-Pandemie zeigte, besonders verletzlich sind. Insbesondere im Bereich der Kultur ist diese Gruppe stark angestiegen aber auch im Bereich der „unternehmensnahen Dienstleistung“. Auf der anderen Seite ist die Zahl der klassischen „Arbeiter“ drastisch gesunken.

Ob unser soziales Sicherungssystem dieser Entwicklung gefolgt ist, müsse bezweifelt werden. Die Gefahr einer Ungleichheit zerstöre das Fundament unseres Wohlstandes.

Die Balance zwischen politischer Sicherheit, wirtschaftlicher Teilhabe und persönlicher Freiheit dürfe nicht aus dem Gleichgewicht geraten, denn dies könne eine offene Gesellschaft zerstören. Kritisch angemerkt wurde in der Diskussion, dass der Staat – nicht zuletzt im Rahmen der Corona-Rettungsmaßnahmen immer mehr Beteiligungen an Unternehmen eingehe – das sei Gift für eine marktwirtschaftliche Ordnung.

Diskutiert wurde auch über die zunehmend sich öffnende Schere zwischen „arm“ und „reich“. Eine Gesellschaft müsse Einkommens- und Vermögensunterschiede aushalten, solange diese Verhältnisse nicht zementiert seien und nicht überdehnt würden und nachvollziehbar seien. Bei manchen „Jahresgehältern“ im Sport oder im Bereich der Managergehälter dürften die Angemessenheitsverhältnisse überschritten sein. Auch die großen Vermögen dürften nicht in den Himmel wachsen und dazu führen, dass Teile der Gesellschaft sich „abheben“. fdp

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