Bad Mergentheim

Freundeskreis der Mobilen Dienste Vortrag von Manuela Zahn zur Deutschen Einheit

„Machen Sie Urlaub in den neuen Bundesländern“

Bad Mergentheim.Reden und Zuhören bilden Verständnis – gerade zwischen Ost und West. Das betonte Kreis- und Stadträtin Manuela Zahn, die auch erste Bürgermeister-Stellvertreterin ist, in einem beachtenswerten Vortrag zum „Tag der deutschen Einheit“ im Johann-Benedikt-Bembé-Stift.

Ein Jubeltag sei dieser Tag, stellte die Referentin bei einer Veranstaltung des Freundeskreises der Mobilen Dienste vor rund 150 Zuhörern fest – vor 30 Jahren sei die Mauer zwischen Ost und West verschwunden.

Der Bevölkerung der DDR sei es laut Zahn im Vergleich zu Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg genau umgekehrt gegangen – zu den wirtschaftlichen Problemen seien der Verlust der Freiheit und des freien Wortes gekommen. So seien „die Bürger in der DDR die eigentlichen Verlierer des Krieges“ gewesen. Sie seien „gegängelt und gequält“ worden – der Volksaufstand 1953 sei mit Waffen niedergeschlagen worden. Überall in Europa, wo Sozialismus und Kommunismus regiert hätten, habe Gewalt, Angst, Tod und Verderben geherrscht.

Sehr mutig seien da die Menschen gewesen, die 1989 im Interesse des Grundrechts auf Freiheit friedlich gegen System und Staat DDR protestiert hätten und das trotz akuter Gefahr von Gewalt und Gefängnis. Dank und größte Hochachtung gebühre all denen, die die Entwicklung hin zur Wiedervereinigung gewaltfrei erreicht hätten.

Auch heute bestehe trotz der Anhebung von Löhnen und Renten noch „ein finanzieller Unterschied zwischen Ost und West“. Dass da „Unverständnis und Groll“ herrsche, könne man verstehen. Man habe die Einheit gewollt und „wir wollten für sie sorgen und ihnen helfen“. Darum müsse man sich auch für die Verwirklichung der inneren Einheit einsetzen und dementsprechend politische Entscheidungen treffen.

Dass sich 57 Prozent der Menschen in den neuen Bundesländern als Bürger zweiter Klasse fühlten und gegenüber den so genannten Westlern nicht genügend beachtet und gewürdigt fühlten, „das darf nicht sein“. Angesichts ihres jahrzehntelangen Leiden und ihrer Leistungen, die sie auch für die Erringung der Wiedervereinigung erbracht hätten, „wäre es eine Schande für Deutschland, wenn diese Zahl so stehen bleiben müsste“. Statt innerer Einheit käme es dann zu einem „politischen und geistigen Auseinanderdriften“.

Wenn man die gewaltigen Kosten für zukunftsfähige Industrien und die Ansiedlung öffentlicher Institutionen bedenke, dann, so Manuela Zahn, sei es wohl keine gute Idee, gerade jetzt den Solidaritätszuschlag abzuschaffen. Zudem habe man in den letzten drei Jahrzehnten viel zu wenig miteinander geredet. Sonst hätte man gemerkt: „Die Bürger der DDR sind nicht weniger gescheit als wir. Sie haben das geleistet, was ihnen das politische und das wirtschaftliche System erlaubte“. Doch „noch besteht die Chance, das nachzuholen“. Kommunikation und Verständnis könnten dazu beitragen, den entstandenen politischen Radikalismus einzudämmen.

„Machen Sie Urlaub in den neuen Bundesländern!“ war der Schlussappell der Referentin. Man werde dort interessante Menschen treffen, die von ihrer Heimat Hochinteressantes berichten könnten. Und „Reden und Zuhören bilden Verständnis“. peka

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