Bad Mergentheim

Lüge und Wahrheit

Archivartikel

Von unserem Redaktionsmitglied

Was halten Sie von Donald Trump? Womöglich eher wenig - und damit dürften Sie in Deutschland nicht alleine sein. Umso interessanter ist es, auf jemanden zu treffen, der den amerikanischen Präsidenten gut findet. So kam ich vor kurzem bei einem Lehrgang mit einer jungen Journalistin ins Gespräch, die sich als Trump-Versteher geoutet hat - was sie aber in ihrer Redaktion lieber für sich behält. Klar, früher habe er ein paar dumme Dinge getan und gesagt, aber er habe sich dafür entschuldigt. Außerdem könnten sich Menschen ändern.

Die junge Frau hatte auch in Bezug auf andere Themen eine vom Mainstream abweichende Meinung. So sympathisiert sie zum Beispiel mit bestimmten Positionen der AfD und ist gegen die "Ehe für alle". Für sie, Mitglied einer evangelischen Freikirche, verheiratet und schwanger, ist die Ehe eine Sache zwischen Mann und Frau.

Unter jungen Akademikern ist diese Frau die Ausnahme. Ein gutes Beispiel dafür lieferte ein anderer Teilnehmer des Lehrgangs. Über manche Dinge könne man diskutieren, aber ein vernünftiger Mensch könne heute nicht mehr gegen die "Ehe für alle" sein, so seine Meinung. Dass Angela Merkel dagegen gestimmt hatte, fand er voll daneben. Dabei hat er anscheinend übersehen, dass die Bundeskanzlerin mit ihrer Meinung nicht alleine war. Denn im Bundestag stimmten immerhin 226 der 693 Abgeordneten gegen die völlige rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare. Ich möchte hier keine Lanze für Trump oder die AfD brechen. Aber die Konformität der so genannten "Eliten" in Bezug auf bestimmte Themen erscheint mir manchmal beängstigend. Die Toleranz jener angeblich so liberal eingestellten Zeitgenossen endet oft schnell, wenn das Gegenüber konträre Meinungen vertritt.

Überzeugungen sind gut. Trotzdem sollten sie immer auch hinterfragt werden. Denn wenn jeder auf seiner Position beharrt, dem Gegner zugleich die Vernunft abspricht, spaltet das die Gesellschaft. Zu sehen ist das am Beispiel der Pegida-Demonstrationen, wo der Vorwurf der "Lügenpresse" gang und gäbe ist. Eine Lüge würde aber implizieren, dass der Autor etwas anderes schreibt, als das, was er für die Wahrheit hält. Das Problem ist vielmehr, dass heute nicht nur die "Populisten" von Pegida glauben, ihre Ansichten entsprächen einer unverrückbaren Wahrheit. Denn leider spielen Fakten auch in manchen akademischen Kreisen eine immer geringere Rolle. Von daher täte es wohl jedem gut, sich von Zeit zu Zeit mit Leuten zu unterhalten, die eine konträre Meinung vertreten - auch wenn es Überwindung kostet. Und das gilt für beide Seiten.