Bad Mergentheim

„Hin-und-Her-Show“ Hiesiger Künstler produziert in rumänischem Auftrag / Bunte und lehrreiche Welt für Kinder geschaffen

Lothar Lempp auf internationalem „Flug“

Archivartikel

Die Zutaten: Ein wenig Wissensvermittlung, lustige Figuren, etwas zum Basteln und zum Weiterdenken. Der Protagonist: Lothar Lempp. Seine Mission: Kinderherzen höher schlagen lassen.

Bad Mergentheim. Eigentlich kann Lothar Lempp das Wort „Corona-Krise“ schon längst nicht mehr hören. Und doch: Es war die Krise, die ihn auf eine neue Entdeckungsreise schickte. Im Auftrag des Deutsch-Rumänischen Kulturvereins Brasov produziert Lempp gerade die dritte Folge der „Hin-und-Her-Show“.

Hin und her? Genau: Im Podcast von Deutschland nach Rumänien und von Rumänien per Livechat, E-Mail oder Brief nach Deutschland – interaktiv, wenn die Technik mitspielt, international auf jeden Fall.

Die Anfang April eingegangene Anfrage aus Rumänien kam Lothar Lempp gerade recht: Nachdem das Jahr für den Bad Mergentheimer Kreativkünstler gut angefangen hatte und Lempp im Januar, als sich mit seinem Kaleidoskopwagen bei der Kulturbörse Freiburg etliche Termine angebahnt hatten – einer hätte sogar bis nach Barcelona geführt – kam die Corona-Vollbremsung. Es hagelte Absagen von Kindergärten, Büchereien, Firmen und Festivals.

Balance im Lockdown

Nun lässt sich Lempp nicht leicht ins Bockshorn jagen und kommt auch kaum in die Versuchung, aus Langeweile depressiv zu werden: Kaleidoskopbau, die Gestaltung neuer Figuren, die Entwicklung neuer Projekte und eine Familie, die sich mit Vergnügen auf seine teils höchst skurrilen Ideen einlässt, balancieren auch einen Corona-Lockdown aus.

Dennoch: Die Bitte des Deutschen Kulturzentrums Kronstadt, so der einstige Name der 250 000 Einwohner zählenden, im frühen 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden gegründeten Siebenbürgischen Stadt von Brasov, zumindest mit einem Video einen Beitrag für die deutschsprachigen Kinder anzubieten, passte in den durch die Pandemie luftig gewordenen Zeitplan. Doch einfach die Aufnahme eines Stücks zu senden, kam für Lempp nicht in Frage. Viel zu gut erinnerte er sich an den Auftritt im Mai 2018, als die Kronstädter Kinder begeistert „Mama Muh“ Tipps gaben, wie sie auf den Baum hinaufkommen könne, und bestens in Erinnerung war auch der dortige Theatertechnik-Workshop mit Erzieherinnen und Lehrkräften. Lempp schlug eine Kindershow per Livechat vor und machte sich ans Werk. Die Zutaten: Ein wenig Wissensvermittlung, lustige Figuren, etwas zum Basteln und einiges zum Weiterdenken. Vorbilder gibt’s, etwa „Die Sendung mit der Maus“ oder die „Muppet-Show“.

Lempp, spezialisiert auf Clowns-, Figuren- und Objekttheater, entwarf den Sockenplaneten – perfekt auch als Bastelvorlage – dazu einen quietschbunten und einen „seriösen“ Professor, die unterstützen sollen bei Fragen wie „wie weit ist’s bis zum Mond“ und „wie groß ist der eigentlich?“ oder „was lässt sich mit verdrehten Sachen anfangen?“. Es ist ein kunterbuntes Allerlei, das Ende Mai Premiere feierte, am 10. Juli in der zweiten Folge lief und am 24. Juli mit Folge drei ein vorläufiges Ende haben könnte, wenn sich nicht Sponsoren finden, die die interaktive Podcastkunst für Kinder und Freunde skurriler Mensch- und Puppengeschichten weiter fördern.

„Sockaria“ in Gefahr

Bislang ist vielversprechend, was sich so tut auf dem Planet der Socken, wo Pflanzen statt Licht und Wasser Krach als Nährstoff brauchen, Sockenmonster Kinder kriegen und der „dröhnige Stulp“ die Ureinwohner von „Sockaria“ zwar verschluckt, aber nicht verdaut.

Lempp bietet in Außenaufnahmen-Einspielern köstlich artistische Clownerie, lässt Wolf, Schaf, Huhn und Schwein zu Wort kommen, mutmaßlich auch Banane, Apfel und Salat, und bedient nebenbei retrofuturistische Wünsche. Zur Realisierung hat er das Wohnzimmer mit Beschlag belegt, wo er dank Green Screen als „Superlothar“ fliegen kann, den Garten als Außenstudio, noch dazu – aber das kennt die Familie schon – die Werkstatt im Keller und das Ton- und Schnittstudio unterm Dach. Und natürlich hat er auch Ehefrau Ulrike und Tochter Maren als Schau- und Puppenspielduo engagiert, den Traum-o-mat erfunden, Musik gemacht, die Hin-und-Her-Show-Pendeluhr gebastelt, das blaue Greifaugenmonster ausgebrütet, die Slow Motion-Filme gedreht – und bei all dem mindestens genau so viel Spaß gehabt wie die kleinen und großen Zuschauer, die die Hin-und-Her-Show in Deutschland, Rumänien und eigentlich überall auf Youtube oder Facebook genießen können. Reinschauen lohnt sich, Finden ist einfach: Die Endgeräte wissen schon Bescheid, wenn man nur „Hin-und-Her-Show“ eingibt.

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