Bad Mergentheim

Valentinstag Misteln sind Halbschmarotzer und wachsen zwischen Himmel und Erde / Sie galten schon in früher Zeit als Glücksbringer und sind heute noch beliebt

Kuss unter ihren Zweigen bringt Glück

Wenn Verliebte sich unter einem Mistelzweig küssen, soll ihnen eine glückliche Zukunft beschert werden. Am besten mal am morgigen Valentinstag ausprobieren.

Bad Mergentheim. Sie erscheinen in dieser grauen, blattlosen, an Grün mangelnden Jahreszeit wie ein Lichtblick und ein Hoffnungsschimmer. Und was an ihnen auch so interessant und anziehend ist, das ist ihre Form. Von Anfang an scheinen sie einen Plan zu haben, den Plan, nicht nur sich auszudehnen und zu wachsen, sondern runde Formen anzunehmen, um im besten Fall zu einer Kugel zu werden, um dadurch besser gegen den Wind geschützt zu sein, der sie sonst aus ihrer Verankerung reißen könnte.

Während im Winter um sie herum alles wie abgestorben wirkt, geradeso, als würden die Büsche und Bäume keine Zukunft haben, keine Wiederauferstehung erleben, machen sie den Eindruck, als würde es ihnen ziemlich gut gehen, als würde in den kalten Monaten kein Mangel an Licht und Wärme herrschen, als wäre auch der Winter für sie eine erträgliche Lebenszeit.

Ihre Blätter sind in dieser Zeit nicht so frisch und grün wie im Sommer. Aber sie mühen sich, Farbe zu bekennen. Sie wirken wie Lebende unter Toten, möchte man meinen. Und sie haben einen schönen Namen.

Misteln wachsen zwischen Himmel und Erde. Sie sind bodenlos. Sie haben keine Bodenhaftung, keine Wurzeln, die ins Erdreich sich strecken. Es mag fast so sein, dass sie von Luft und der bewundernden Liebe von uns Menschen leben. Aber in Wirklichkeit sind sie Schmarotzer, genauer gesagt Halbschmarotzer, weil sie mit ihren voll ausgebildeten grünen Blättern Fotosynthese betreiben, also mit Licht energiearme Stoffe in energiereiche umwandeln, wie Fachleute erklären, und was Nichtfachleute kaum verstehen.

Wie auch immer, sie ernähren sich von den Gaben ihrer Wirtsbäume und schlürfen mit Genuss das Wasser und die Nährstoffe, welche ihnen mehr oder weniger freiwillig überlassen werden.

Dafür besitzen sie spezielle Saugorgane, umgebildete Wurzeln. Mit diesen Organen heften sie sich wie Kletten an Äste und treiben einen Keil in das hölzerne Wirtsgewebe, um es „auszusaugen“. Im Extremfall, so die Befürchtung von Naturschützern, könne der Wirt sogar absterben.

Aber Misteln haben auch ihr Gutes. Denken wir doch einfach mal an Asterix und seine Kumpane. Ohne die Misteln im Zaubertrank des Druiden Miraculix würde das „Gesöff“ nicht die unglaublichen Kräfte verleihen, die notwendig sind, um gallische Dörfer gegen die Römer zu verteidigen.

Oder denken wir an Verliebte. Wenn sie sich unter einem Mistelzweig küssen, wird ihnen eine glückliche Zukunft beschert, verspricht ein britisch-französischer Brauch. Und in den USA gehört es zu den Weihnachtsbräuchen, sich unter einem in der Wohnung aufgehängten Mistelzweig zu küssen, um das Glück auf die eigene Bahn zu lenken. Misteln galten schon bei den Galliern und Germanen als Glücksbringer und Zeichen der Götter. Wer Lust hat, kann ihre magische Kraft ja Mal am Valentinstag ausprobieren.

Glücksbringer für die Misteln sind übrigens die Vögel. Sie fressen deren Beeren und scheiden die Samen, die selbst nach der Verdauung noch keimfähig sind, aus und platzieren sie auf Ästen, wo sie sich zu neuem Leben entfalten.

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