Bad Mergentheim

Caritas-Krankenhaus Dr. Ulrich Schlembach neuer Ärztlicher Direktor / Institution im Spannungsfeld zwischen ärztlichen Pflichten und wirtschaftlichen Faktoren

Klinik-Leitung ist „Sisyphos-Aufgabe“

Bad Mergentheim.Dr. Ulrich Schlembach, Chefarzt der Caritas-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, wurde vom BBT-Regionalleiter (Barmherzige Brüder Trier) Thomas Wigant als Ärztlicher Direktor eingeführt. Er löst Prof. Dr. Christoph Eingartner ab, der dieses Amt insgesamt zwölf Jahre bekleidete.

Zur Einführungsfeier verriet der Hausobere des Caritas-Krankenhauses, Dr. Oliver Schmidt, dass es Dr. Schlembach nicht leicht gefallen sei, diese verantwortungsvolle, spannende und zeitintensive Aufgabe anzunehmen. Dr. Christoph Eingartner hingegen freute sich darüber, sich künftig wieder mehr der Arbeit in seiner Abteilung zuwenden zu können. Wigant war glücklich, den Staffelstab in gute Hände zu übergeben. Dr. Schlembach und sein Stellvertreter, Dr. Matthias Buttmann, gehören nun zum Kreis der Ärztlichen Direktoren der BBT-Gruppe Tauberfranken-Hohenlohe, die 25 Einrichtungen mit derzeit vier Krankenhäusern in Bad Mergentheim, Tauberbischofsheim, (noch) Künzelsau und Öhringen betreibt, circa 3000 Beschäftigte und einen Einzugsbereich von Wertheim im Norden bis Pfedelbach im Süden hat. Am Caritas-Krankenhaus werden derzeit zwölf Fachabteilungen, acht zertifizierte Zentren und 24 Ambulanzen betrieben. In Tauberbischofsheim gibt es drei und in Öhringen sechs Fachabteilungen. Diese gelte es, wo es sinnvoll ist, zu vernetzen. Kritisch ging Wigant mit der derzeitigen Gesundheitspolitik um, die zwar verspreche, für die Pflege mehr Geld zur Verfügung zu stellen, dieses aber an anderer Stelle wieder hole. Auch sei die Frage zu stellen, ob ein Krankenhaus, das sich in einem Spannungsfeld zwischen gesellschaftspolitischer, sozialpolitischer, ethischer und wirtschaftlicher Verantwortung befindet, immer wie ein wirtschaftliches Unternehmen handeln kann. Schon der frühere Bundespräsident Johannes Rau hatte beim 107. Ärztetag festgestellt, dass Gesundheit ein hohes Gut sei, aber keine Ware. Zum Schluss erinnerte Wigant an den Grundsatz des Gründers der BBT-Gruppe, Peter Friedhofen: „Wir dienen den Kranken und helfen den Bedürftigen.“ Dr. Schlembach ging auf die Gründe ein, warum er das Amt angenommen hat. Für ihn sei eine Traumposition Realität geworden, die allerdings auch eine wahre Sisyphos-Aufgabe sei. Die medizinische Landschaft entwickle sich stets weiter: Etwa werden neue Zentren gebildet oder neue Wirkstoffe erfunden. Dazu kämen Aufgaben wie das Selbstkostendeckungsprinzip, Fallpauschalen, DRG-System, qualitätsgesteuerte Finanzierung und mehr. Innerhalb der Klinik müsse die Balance zwischen den verschiedenen Interessen gehalten werden. Zur Rolle des Ärztlichen Direktors frage er sich, „ob er vorwiegend Verantwortlicher für die Einhaltung von Hygienevorschriften ist, Klassensprecher für die Chefärzte, Mahner für alle Ärzte oder Erfüllungsgehilfe eines Managements, welches das wirtschaftliche Überleben einer Klinik sichern muss“? Die Antworten suchte Dr. Schlembach im „Genfer Gelöbnis“ des Weltärztebundes. Darin ist unter anderem festgelegt, dass ein Mediziner im Dienst der Menschlichkeit steht, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Patienten oberstes Gebot ist. Außerdem: Den ärztlichen Beruf nach bestem Gewissen mit Würde und im Einklang mit guter medizinischer Praxis auszuüben. Zum Abschluss stellte der Ärztliche Direktor fest, dass das Caritas-Krankenhaus keine Insel der Glückseligen sei – aber eine gute Ausgangsposition habe, um weiter erfolgreich für die Region da zu sein. Es seien zwar einige Hausaufgaben zu lösen, die sich durch den Wandel der Rahmenbedingungen ergeben hätten. Doch seien die mit einer handlungsfähigen Leitung lösbar. Er dankte seinem Vorgänger Prof. Dr. Christoph Eingartner für die herausragende Arbeit in den vergangenen zwölf Jahren und bat alle seine Kollegen um ihre Unterstützung. Eingartner wiederum bedankte sich für das gute Miteinander während seiner Zeit als Ärztlicher Direktor.