Bad Mergentheim

Caritas-Krankenhaus Gute Mitarbeiter zu finden wird immer mehr zur Herausforderung / Deutlicher Wandel bei Wichtigkeit von Mitarbeiterzufriedenheit spürbar

Keine Bewerber, sondern „Umworbene“

Mit christlichen Werten wuchern wollen die kirchlichen Krankenhäuser im Land. Das wurde jetzt beim Landestreffen im Caritas-Krankenhaus deutlich.

Bad Mergentheim. Die Vertreter von 42 kirchlichen Krankenhäusern und Rehakliniken beschäftigten sich mit Möglichkeiten zeitgemäßer Personalarbeit, auch anhand praktischer Beispiele. Dabei wurde in den Fokus gerückt, dass man junge Leute mithilfe Sozialer Medien erreichen könne.

Diskutiert wurde, wie ein Perspektivwandel in der Personalarbeit hin zu einer stärkeren Orientierung an den Bedürfnissen der Bewerber und Mitarbeitenden gelingen könne. Das Treffen war vom Evangelischen Krankenhausverband und der Landesarbeitsgemeinschaft der Katholischen Krankenhäuser (LAG) in Baden-Württemberg organisiert worden. Die im Unternehmen gelebten christlichen Werte seien dabei „ein wichtiges Pfund, mit dem wir wuchern können“.

Kaum eine Arbeit sei so abhängig von engagiertem Personal wie die Behandlung und Versorgung von Patienten in einem Krankenhaus, betonte Dr. Rainer Brockhoff. Er ist Diözesancaritasdirektor im Caritasverband für die Diözese Rottenburg-Stuttgart. „Qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und leistungsbereite, zufriedene Kollegen langfristig im Unternehmen zu halten sind somit für uns zentrale Zukunftsthemen.“ Mit einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes untermauerte Moderator Alexander Winkler, SWR-Wirtschaftsredakteur, die Brisanz des Themas. Danach fehlen im Jahr 2025 ca. 112 000 Alten- und Krankenpflegekräfte in Deutschland. Größte Herausforderung bei der Personalarbeit ist es nach Darstellung von Dr. Andreas Einig, Leiter BBT-Consulting der Barmherzigen Brüder Trier, die Perspektive des Unternehmens und des Mitarbeiters bzw. Bewerbers in Passung zu bringen. Angesichts sehr verschiedener Interessen plädierte er dafür, die Personalarbeit viel stärker als bisher auf die Person als Individuum auszurichten. „Es hat sich eine Haltungsänderung vom Bewerber zum Umworbenen vollzogen, die wir annehmen müssen.“

Dies habe auch eine Haltungsänderung in Bezug auf vorhandene Mitarbeiter zur Folge. Er verwies dabei auf einen deutlichen Wandel bei der Mitarbeiterzufriedenheit. „Noch vor zehn Jahren wurden die Jobinhalte, das Gehalt und die Führung als wichtigste Punkte für die Mitarbeiterzufriedenheit genannt. Heute ist das Team, in dem man arbeitet, entscheidend.“

Gute Personalarbeit müsse daher dazu beitragen, dass ein Team gut funktioniert, dass dort ein gemeinsames Selbstverständnis gelebt werde. Andreas Einig forderte daher neue Wege in der Personalarbeit der kirchlichen Krankenhäuser. „Ein wenig Feintuning reicht nicht aus, um zufriedene Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten.“ Veränderung sei inzwischen ein Dauerzustand und Personalarbeit auch ständige Organisationsentwicklung, um überkommene hierarchische Strukturen zu überwinden. „Ständiger Dialog der Führung mit den Mitarbeitern im Team muss zum Alltag werden“, so Einig. Den Ruf nach Veränderung untermauerte auch Marc Raschke, Leiter der Unternehmenskommunikation des Klinikums Dortmund, mit einem drastischen Bild. Er nahm eine echte Axt zur Hand, die man an die bestehenden Methoden der Personalgewinnung legen müsse.

An Beispielen der vielfach ausgezeichneten Personalmarketing-Kampagnen des Klinikums Dortmund zeigte er Möglichkeiten auf, sich mit wenig Aufwand und positiven, witzigen Botschaften auf den Social-Media-Kanälen wie YouTube, Facebook, Instagram, Twitter und Tik Tok zu präsentieren. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass kirchliche Krankenhäuser gerade mit ihrer Wertekultur für Mitarbeiter und Bewerber sinn- und identitätsstiftend erlebt werden können.

„Christliche Werte sind schon ein Pfund, mit dem wir wuchern können, und wir werden auch so wahrgenommen“, betonte Andrea Birkenbach, Leiterin Personal im Marienhospital Stuttgart. „Unser traditioneller Leitsatz „Liebe sei Tat“ bedeutet Mitfühlen, Handeln, Begegnen. Diese Botschaft zielgruppenorientiert an potenzielle Bewerber zu bringen, ist nun die Herausforderung.“

Das Geld und die Bezahlung sind nach Einschätzung von Michael Decker, Kaufmännischer Direktor und Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Diakonie-Krankenhauses Freiburg, nicht allein ausschlaggebend. „Die Vergütung muss vergleichbar und fair sein, das ist die Voraussetzung. Aber wichtiger sind das Team und die Wertschätzung, die Mitarbeiter erfahren“, betonte er. „Also: wird das, was ich tue, auch gesehen?“ Beide verwiesen auf die Bedeutung, junge Menschen im Unternehmen selbst auszubilden. Dafür müsse es gelingen, dass sich Menschen etwa über Praktika näher für die Arbeit im Krankenhaus interessieren und sehen, was die Berufe dort inhaltlich bieten. „Einfach zeigen, dass diese Arbeit auch Spaß macht, das kann über Social Media gelingen“, so Decker. Hier müsse man mutiger sein, ergänzte Andrea Birkenbach.

„Mitarbeiter haben immer ein Gefühl für die Stimmigkeit von Botschaften und gelebtem Alltag“, gab Oberkirchenrat Urs Keller von der evangelischen Badischen Landeskirche zu bedenken. Der Vorsitzende des Evangelischen Krankenhausverbands Baden-Württemberg betonte: „Diese Stimmigkeit zu managen hat immer etwas mit christlichen Werten zu tun und dieser Aufgabe müssen wir uns stellen.“