Bad Mergentheim

Kultur in der Kurstadt Kammermusikalische Reihe für 2021 abgesagt / Vorstand des Museumsvereins begründet den Schritt mit der aktuellen Infektionslage

Kein Museumskonzert im nächsten Jahr

Archivartikel

Das neue Programm der Museumskonzerte las sich auch für das kommende Jahr wie das „Who is Who“ der internationalen Kammermusikszene. Nun wurde die Reihe abgesagt.

Bad Mergentheim.International bekannte Solo-Künstler gaben sich in den vergangenen Jahren bei den Museumskonzerten in der Kurstadt immer wieder die Ehre: Fünf Konzerte zwischen Februar und Dezember boten im intimen Rahmen des Roten Saals im Deutschordensschloss neben abwechslungsreichen kammermusikalischen Leckerbissen auch Stars der deutschen und internationalen Klassik-Musikszene.

Weltweit bekannte Musiker

Zusammengestellt wurde die Konzertreihe vom künstlerischen Leiter Christoph Böhmke, der stets eine spannende Mischung zwischen etablierten Künstlern und aufstrebenden Talenten anbot. Böhmke, erfahrener Kulturmanager und Leiter des „stARTfestivals“ der Bayer AG, das ab April 2021 an den großen Bayer-Standorten in Leverkusen, Wuppertal, Berlin und Bitterfeld stattfinden wird, führt die Reihe seit 2012 erfolgreich: Weltweit bekannte Musiker, wie das Isabell von Keulen Ensemble oder das Danish String Quartet engagierte Böhmke für die Museumskonzerte. Daneben waren junge, erfolgreiche Solo-Künstler wie Julian Steckel oder der Echo-Preisträger Alexander Krichel bereits zu Gast.

Und auch für das kommende Jahr hatte er bereits ein hochkarätiges Programm zusammengestellt: Neben der Sopranistin Christiane Karg sollte unter anderem auch die Bad Mergentheimer Harfenistin Luise Enzian in der Kurstadt auftreten.

Doch jetzt kam alles anders: Der Vorstand des Museumsvereins, der für die Durchführung der Reihe verantwortlich ist, sagte nun das kommende Konzertjahr komplett ab, obwohl seit 27. Dezember landauf landab mit den Impfungen gegen das Corona-Virus begonnen wurde und spätestens im Frühsommer mit einer langsam hochfahrenden Normalität zu rechnen ist. Der Vorsitzende des Museumsvereins Gernot-Uwe Dziallas begründet den Schritt gegenüber unserer Zeitung folgendermaßen: „Nach reiflichen Überlegungen haben wir uns dazu durchgerungen, 2021 keine Konzertreihe und somit auch kein Abonnement anzubieten. Wir bedauern dies sehr, aber die momentane Infektionslage lässt es eher unwahrscheinlich erscheinen, dass wir in absehbarer Zeit Veranstaltungen in größerem Rahmen durchführen können.“

Konzerte im Kooperationsvertrag

Jedoch, so Dziallas weiter, wolle der Verein auch im Jahr 2021 wieder Konzerte mit hoher Qualität anbieten, sobald es die Pandemie zulässt. Auch wolle man damit den Verpflichtungen gerecht werden, Museumskonzerte im Schloss anzubieten, die im Kooperationsvertrag mit der Organisation Staatliche Schlösser und Gärten verankert sind. Gernot-Uwe Dziallas weiter: „Wir wünschen uns, dass dieser Umstand im kommenden Jahr so früh wie möglich eintritt“.

„Die Entscheidung des Vorstands ist nachvollziehbar, Planungssicherheit ist wünschenswert“, so der künstlerische Leiter der Museumskonzerte, Christoph Böhmke gegenüber unserer Zeitung. „Dennoch, eine Sicherheit gibt es nicht und wer danach fragt oder sein Handeln danach ausrichtet, verkennt, dass viele Menschen in unserer Gesellschaft von einer solchen Sicherheit nur träumen können – und damit meine ich nicht nur die freischaffenden Künstlerinnen und Künstler“. Wenn Kunst Statthalter der Utopie sei, dann müssten Institutionen, die gesetzlich betraut wurden, den kulturellen Bildungsauftrag zu erfüllen, entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. Die Politik habe hier mit dem finanziellen Hilfspaket einen wichtigen Beitrag geleistet. Christoph Böhmke weiter: „Alle übrigen Akteure sollten sich nun fragen, welche Hilfe sie selbst leisten können – nicht nur finanziell. Auch der Verein und die Reihe der Museumskonzerte kann tatkräftige Unterstützer, Macher und Ermöglicher immer gebrauchen. Ich hätte mir gewünscht, dass wir an den geplanten Konzerten festhalten, Perspektiven schaffen und gemeinsam an dieser Utopie arbeiten“. Die Bayer AG habe ganz selbstverständlich das eigene Theater als Impfzentrum zur Verfügung gestellt und „ich suche nun nach Ausweichspielstätten für unsere Veranstaltungen, an denen wir festhalten – auch wenn nicht klar ist, wie und ob diese stattfinden werden. Immer mit der Vorgabe: machen, was möglich ist.“

Runder Tisch für die Kultur

Hinsichtlich der langfristigen Perspektive brauche es nach Meinung des Kulturmanagers Böhmke einen runden Tisch mit den Entscheidungsträgern aus Kommunalpolitik, der Schlösser-Verwaltung sowie der Kurverwaltung, um zu klären, wie die kulturelle Lebenswirklichkeit mit Corona in der Kurstadt Bad Mergentheim aussehen solle.

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