Bad Mergentheim

Stadt Bad Mergentheim Geschäftsführende Schulleiterin und Rektorin der Lorenz-Fries-Schule verabschiedet / Neue Schulrätin im Schulamt Markdorf am Bodensee

Karin Endres hat Kurstadt „fairändert“

Die langjährige Geschäftsführende Schulleiterin Karin Endres hat viele Spuren in der Kurstadt hinterlassen. Sie wurde jetzt verabschiedet.

Bad Mergentheim. Sie hätte eigentlich einen großen Abschied verdient gehabt, da waren sich alle einig: Und doch ist mit dem besonderen Format des ersten „Bad Mergentheimer Fairänderungsgesprächs“ auch im kleinen Rahmen deutlich geworden, welche Spuren die Geschäftsführende Schulleiterin Karin Endres in der Stadt hinterlässt.

Sie leitete 14 Jahre lang die Lorenz-Fries-Schule, das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum. Sechs Jahre davon war sie zudem die Geschäftsführende Schulleiterin für die ganze Stadt und damit das Gesicht des Schulstandortes. Jetzt zieht es sie an den Bodensee, wo sie sich als Schulrätin im Staatlichen Schulamt Markdorf neuen Herausforderungen stellt.

In der kleinen Runde mit den engsten Weggefährten wurde schnell deutlich, dass Karin Endres mehr ist und in Bad Mergentheim mehr bewegt hat, als solche Funktionen allein aussagen können. Die Frau mit der Vorliebe für bunte Kleidung sei als Persönlichkeit „farbenfroh in mehrfacher Hinsicht“ und „eine wahrhaftige Fairänderin“, fasste es Iris Lange-Schmalz von der regionalen MINT-Initiative zusammen.

Verbindende Akzente

Es ist dieses Wortspiel des „fairänderns“, das man sofort mit Karin Endres verbindet. Spätestens seit sie im federführenden Tandem mit Matthias Reeken, dem Dekanatsjugendreferenten der katholischen Kirche, daraus ein groß angelegtes Schüler-Projekt für die ganze Stadt gemacht hat. Das prägte vor allem die Landes-Heimattage 2016, die durch die „Weltfairänderer“ zusätzliche frische und verbindende Akzente bekamen. Allen in bester Erinnerung geblieben ist der damalige Neujahrsempfang mit 600 Gästen in der Wandelhalle, den die Stadt komplett in die Hände der Schüler gelegt hatte – mit Erfolg. „Karin Endres steht dafür, dass Schüler über sich hinauswachsen“, sagte Matthias Reeken.

Und in gewisser Hinsicht sei sie „überall dabei gewesen“, stellte Oberbürgermeister Udo Glatthaar anerkennend fest. Als Beispiel nannte er den Volkstrauertag, bei dem sie sich mit Schüler-Gruppen einbrachte und die Veranstaltung damit „aufgewertet und in der Wahrnehmung über alle Generationen gestärkt“ habe. Und auch im Kerngeschäft einer Geschäftsführenden Schulleiterin ist viel passiert, wie Hauptamtsleiter Jürgen Friedrich aufzeigte: die Weiterentwicklung der Eduard-Mörike-Schule zur Gemeinschaftsschule, die Neustrukturierung der Kernstadt-Grundschule oder die Konzeptarbeit mit Blick auf die stark steigenden Kinderzahlen. Einfache Themen waren das nicht.

Aber mit ihrer unerschöpflich wirkenden Energie und ihrem Wesen, das sie selbst als „Frohnatur“ beschreibt, konnte sie auf vielen Ebenen wirken und ihren Ideenreichtum einbringen. Als Vertreter der Arbeitsbereiche Jugendamt und Schulsozialarbeit attestierte Werner Fritz von der Jugendhilfe Creglingen der aus dem Amt scheidenden Schulleiterin einen „eisernen Willen“, der sich auch in gewagten Projekten gezeigt hätte: „Die Frau Endres zieht das durch!“

Das tat sie in Bad Mergentheim immer als leidenschaftliche Pädagogin, die fachlich höchste Anerkennung genießt. Gonde Seiler-Clark vom Staatlichen Schulamt Künzelsau attestierte ihrer Rektorin, dass diese „auf den verschiedensten Ebenen sehr gute Arbeit geleistet“ hat. Viele interessante, oft auch kontroverse Diskussionen seien geführt worden – „mit Ergebnissen, die für beide Seiten tragfähig waren“. Was Karin Endres dabei antreibt, wurde aus vielen Wortbeiträgen des Abschieds-Nachmittages deutlich. Ihr geht es um Chancen für alle Kinder – und dabei wollte sie gleichwohl nie, dass man die Lorenz-Fries-Schule oder deren Schüler „in Watte packt“. Im Wort „fairändern“ steht eben ganz vorne das Wort „fair“.

Das bekräftigte sie zum Abschied noch einmal: „Es ist schade, dass wir nicht immer passgenaue Lösungen für alle Schüler in unseren Systemen haben. Jedes Kind, das aus dem Raster fällt, ist eines zu viel – und da kann ich nicht zusehen.“ Deshalb hat sie sich reingehängt – für das Thema Schulsozialarbeit, für ein Projekt wie die „Lerngruppe auf Zeit“ oder für die MINT-Region. Zuletzt war sie daran beteiligt, dass die Lorenz-Fries-Schule als eine der ersten im Land einen fertigen Medienentwicklungsplan und damit eine beispielgebende Digital-Strategie hat.

Die Leitung der Schule übernimmt nun kommissarisch Volker Lueg, der bereits Teil des Kollegiums ist. „Die Schüler fit für das Leben machen und ihnen Alltagskompetenzen vermitteln“ – diesen Leitgedanken von Karin Endres will er fortführen. Und in Volker Lueg zeigt sich auch die herzliche und Menschen gewinnende Seite seiner Vorgängerin: „Sie war es, die mich letztlich nach Bad Mergentheim geholt hat.“

Viel Lob der Eltern

Die Elternbeirats-Vorsitzende der Lorenz-Fries-Schule, Eva Maria Demel, schickte eine schriftliche Grußbotschaft – und legte ein Bild von Pipi Langstrumpf bei. Mit der teile Karin Endres nämlich so manche Eigenschaft: Stärke, Warmherzigkeit und Mut etwa, aber auch die Eigenschaft, bisweilen ein „lustiger“, vielleicht sogar ein bisschen „verrückter“ Mensch zu sein. „Danke für alles, was Sie für unsere Kinder getan haben“, ließen die Eltern ausrichten. „Es war immer deutlich zu spüren, dass Sie Ihren Beruf lieben.“

Karin Endres selbst nimmt gute Erinnerungen an ihre Zeit im Taubertal mit: „Bad Mergentheim war als Stadt gewinnbringend. Welch ein Glück ich doch hatte!“ Sie schilderte dabei in aller Offenheit, bei manchen Themen und Entscheidungen durchaus erst einmal gezweifelt zu haben.

Aber auf einer ihrer legendären „Mindmaps“ hielt sie noch einmal für alle fest: „Gemeinsam schaffen wir das!“ Sie gehe „stolz und dankbar“ und sie trage alle Erlebnisse und all die Menschen, die sie so eng begleitet hätten „in meinem Herzen mit mir“.

So hatte das erste Bad Mergentheimer Fairänderungsgespräch am Ende zwei Ergebnisse: Dass man mit Motivation, Herz und Tatkraft so einiges bewegen und erreichen kann - für Bad Mergentheim und darüber hinaus. Und dass Karin Endres Bad Mergentheim buchstäblich „fairändert“ hat, weil dank ihr viel Bleibendes erarbeitet und erreicht wurde. Die allerbesten Wünsche nahm sie aus der Runde mit in Richtung Bodensee – und vor Ort bleibt die Erkenntnis, dass sie fehlen wird.

Die Leiterin des städtischen Bildungsamtes, Kornelia Perleth, brachte es so auf den Punkt: „Ich werde alles an ihr vermissen.“ stv

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