Bad Mergentheim

Caritas-Krankenhaus Überwachungsgeräte mit Computern vernetzt / EKG-Signal von Patienten wird nun kontinuierlich gespeichert und direkt über Nacht ausgewertet

Innovation reduziert Schlaganfall-Risiko

Archivartikel

Das Caritas-Krankenhaus wartet mit einer besonderen Innovation auf. Durch sie kann das Schlaganfall-Risiko erheblich vermindert werden.

Bad mergentheim. Die Schlaganfall-Patienten im Caritas-Krankenhaus profitieren jetzt von einer medizin-technischen Innovation: Auf der Stroke Unit wurden die Überwachungsgeräte so mit Computern vernetzt, dass das EKG-Signal von Patienten nun kontinuierlich gespeichert und direkt über Nacht speziell ausgewertet wird. Damit kann ein Vorhofflimmern schnell und zuverlässig erkannt und dann gleich die entsprechende Therapie eingeleitet werden.

„Vorhofflimmern ist einer der häufigsten und gefährlichsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall. So haben Menschen mit Vorhofflimmern ein bis zu 20-fach erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden“, erläutert Privatdozent Dr. Mathias Buttmann, Chefarzt der Klinik für Neurologie. „Dabei kann Vorhofflimmern entweder länger anhalten oder wiederholt nur für Minuten anfallsartig auftreten und dazwischen wieder verschwinden. Gerade dieses paroxysmale Vorhofflimmern lässt sich normalerweise nur mit einem zeitaufwendigem Langzeit-EKG diagnostisch sichern.“ Auf der Stroke Unit sei es jedoch wichtig, rasch und möglichst zuverlässig die Ursache für einen Schlaganfall zu finden, um dann möglichst gleich eine entsprechende Therapie einleiten zu können und so einen erneuten Schlaganfall zu verhindern. Mit dem neuen Screening-Verfahren ist es nun möglich, während der gesamten Dauer der Überwachung auf der Schlaganfallstation ein EKG abzuleiten und eine schnelle spezielle Auswertung zu erhalten. „Die Daten werden pseudonymisiert von einem externen Großrechner über Nacht ausgewertet und noch in der Nacht wird ein automatisierter Analysereport erstellt“, beschreibt Thomas Voit, Leiter Medizintechnik, das Vorgehen. Der Report teilt nicht nur mit, ob ein Vorhofflimmern erkannt wurde, sondern bereits ein erhöhtes Risiko hierfür wird durch einen speziellen Algorithmus erkannt. Das kann dann wichtige weitere Herzdiagnostik nach sich ziehen.

Die EKG-Spur mit auffälligen Abschnitten wird an den Report angehängt, so dass der behandelnde Arzt das Ergebnis der Computeranalyse überprüfen kann. Studien zeigen allerdings, dass die computergesteuerte Auswertung ebenso zuverlässig ist wie bei einem erfahrenen Kardiologen. „Die verlängerte Ableitungszeit gegenüber unserem Standard-Langzeit-EKG, die sehr schnelle Auswertung und die Erkennung eines besonderen Risikos, auch wenn gar kein Vorhofflimmern festgestellt wurde, sind für die weitere Abklärung und Behandlung unserer Patienten entscheidende Vorteile“, unterstreicht PD Dr. Buttmann.

„Liegt ein paroxysmales Vorhofflimmern vor, können wir oft umgehend mit einer gezielten Therapie beginnen und so das Risiko für einen möglichen frühen erneuten Schlaganfall erheblich senken – ein großer Vorteil für die betroffenen Patienten.“

Außerdem entlaste das Verfahren die Kardiologen im Haus, die nun weniger Langzeit-EKGs befunden müssen. ckbm

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