Bad Mergentheim

Heute ist Internationaler Tag gegen Drogenmissbrauch Suchthilfe rettet Leben / „Einsatz schon über dem Limit“

In Krisenzeiten wichtiger denn je

Die Corona-Pandemie verschärft auch das Leben mit einer Suchterkrankung. Anlässlich des „Internationalen Tags gegen Drogenmissbrauch“ macht das Diakonische Werk darauf aufmerksam.

Bad Mergentheim. „Wir müssen die Suchtproblematik im Corona-Umfeld als Vorerkrankung sehen“, betont Diplom-Sozialpädagogin (FH) Gaby Schiller-Abendschein. Egal ob Alkohol, illegale Drogen, Medikamente oder Glücksspiel – in Krisenzeiten gehörten die Betroffenen zur Hochrisikogruppe und seien besonders gefährdet.

Für Menschen mit einer Suchterkrankung sei eine Infektion mit dem Corona-Virus lebensgefährlich. Schwerwiegend seien auch krisenbedingte Rückfälle, die kontrolliertes Verhalten nahezu unmöglich machten. So gefährdeten die Suchtkranken nicht nur sich selbst, sondern auch ihr Umfeld. Die Sucht- und Drogenhilfe des Diakonischen Werks im Main-Tauber-Kreis beuge physischen, psychischen und sozialen Gefährdungen vor, sie begleite, berate und behandele Betroffene und Angehörige. Für den südlichen Main-Tauber-Kreis zuständig ist die Beratungsstelle in Bad Mergentheim, Härterichstraße 18.

Suchtkranke Menschen seien oft aufgrund ihrer prekären physischen, psychischen und sozialen Situation nicht in der Lage, die notwendigen Hygieneschutzmaßnahmen umzusetzen, so die Beraterin. Das berge die Gefahr in sich, Infektionsketten auszulösen.

Eine extrem große Belastung sei auch die Kontaktsperre während des coronabedingten Lockdowns gewesen. „Einsamkeit, die Angst vor einer Coronainfektion und Existenzängste führen zu Rückfällen. Dies ist eine enorm riskante Lebenssituation in dieser Zeit der Pandemie – und zwar für drogenkonsumierende Menschen und deren Umfeld. Die Suchthilfe ist da für Viele ein Rettungsanker“, stellt die Leiterin der Bad Mergentheimer Beratungsstelle der Diakonie, Diplom-Sozialpädagogin (FH) Barbara Veeh, fest. „Deshalb sind wir sehr froh, dass wir in den letzten Wochen die Suchtberatungsstellen als Krisenanlaufstellen weitgehend aufrechterhalten konnten“. Die steigenden Zahlen von Menschen, die sich zurzeit hier meldeten, bestätigt dies. Doch für die Suchthilfe war das ein Kraftakt in jeder Hinsicht – personell, logistisch, finanziell und letztlich auch menschlich.

Auch die von der Diakonie betreuten Selbsthilfegruppen für Suchtkranke oder deren Angehörige tun derzeit ihr Bestes, um sich gegenseitig zu stützen und Isolation zu überwinden. Das sei nicht leicht, so Gaby Schiller-Abendschein. Ein Telefonat oder eine Skype-Schalte milderten zwar den Leidensdruck, ersetzten aber nicht die persönliche Begegnung in der Gruppe. Kein Wunder, dass Rückfällen da zunähmen.

Große Sorgen machen sich die Fachkräfte auch um die Kinder, die in suchtbelasteten Familien leben. Deren ohnehin belastete Lebenssituation verschärfe sich durch die Isolation erheblich bis hin zu traumatischen Situationen. „Überall wo es möglich ist, versuchen wir den Kontakt zu halten. Das Kindeswohl liegt uns sehr am Herzen“, fasst Gaby Schiller-Abendschein die Lage zusammen. Die Pandemie sei wie ein Brennglas, unter dem die gesellschaftlich wichtigen Aufgaben, die sonst fast im Verborgenen wirkten, deutlich hervorträten – auch und gerade die Hilfen im Suchtbereich.

Doch „unsere Suchthilfe arbeitet mit den zur Verfügung stehenden Mitteln jetzt schon über dem Limit. Wir werden auf allen Ebenen dafür kämpfen, dass wir diese gefährdeten und behandlungsbedürftigen Personengruppen weiterhin angemessen beraten, begleiten und behandeln können“, erklärt Barbara Veeh abschließend.

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