Bad Mergentheim

Junges Kammerorchester Tauber-Franken Konzert in der Schlosskirche / Repertoire reichte vom 18. Jahrhundert bis in die moderne Neuzeit

In die Herzen der Besucher gespielt

Werke vom 18. Jahrhundert bis in die moderne Neuzeit gab das Junge Kammerorchester zum Besten.

Bad Mergentheim. Ein erneut äußerst stimmungsvolles Konzert präsentierte das Junge Kammerorchester Tauber-Franken in der sehr gut besuchten Schlosskirche.

Das Orchester ist ein künstlerischer Verein, dessen Ziel insbesondere die Förderung begabter Nachwuchstalente der Landkreise Main-Tauber, Heilbronn und Ludwigsburg ist. Zu diesem Zweck veranstaltet und fördert der Verein Orchesterfreizeiten. Zudem arbeitet er mit Einrichtungen, Orchestern und Solisten aus der Region zusammen.

Das 2016 gegründete Junge Kammerorchester (JKO) Tauber-Franken hat seinen Ursprung in einer Projektidee der beiden Streicherpädagogen Kirsten-Imke Jensen-Huang und Andreas Berge. Nach außerordentlich erfolgreichen Proben und der mit Ovationen gefeierten Premiere versammeln sich seither jährlich gegen Ende der Sommerferien besonderes talentierte Nachwuchsmusiker für acht Tage, um jeweils ein Programm einzustudieren und aufzuführen. Auch heuer präsentierte das insgesamt rund 30-köpfige Streichorchester – darunter zahlreiche Talente aus dem Mittleren Taubertal – mit 12- bis 21-Jährigen an Violine, Bratsche, Cello oder Kontrabass ein sehr anspruchsvolles und abwechslungsreiches Repertoire. Die Regie oblag wieder dem Leiter der Musikschule Lauffen am Neckar, Thomas Conrad, der in ebenfalls bewährter Manier von einem Dozententeam mit Kirsten-Imke Jensen-Huang und Andreas Berge (Violine) sowie Manja Huber (Bratsche) und Oliver Krüger (Cello) unterstützt wurde. Bei der Konzertsoiree in der Schlosskirche, die erneut in Kooperation mit etwa der Evangelischen Kirchengemeinde und der Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal erfolgte, standen unter dem Titel „Strings meet Clarinet“ Werke von Komponisten des 18. Jahrhunderts bis hin zur modernen Neuzeit auf dem Programm. Besonders stimmungsvoll eröffnet wurde die diesjährige Soiree mit den drei Sätzen des „Divertimento F-Dur KV 138“, das zu den wohl populärsten Kompositionen des jungen Mozarts zählt. In eine nordische Klangfarbenwelt entführte das JKO nebst Dirigent Conrad und das Dozententeam die vielzähligen Zuhörer bei dem „Impromptu“ für Streichorchester von Jean Sibelius. Die abwechslungsreiche und bezaubernde Klangreise begann am Anfang sehr ruhig, beinhaltete einen bewegten Mittelteil im 6/4-Takt und mündete in einen wieder ruhigen Schlussteil. Nicht minder abwechslungsreich und bezaubernd war die „Suite for Clarinet and String Orchestra“. Als Solistin brillierte bei diesem neuzeitlichen Werk die 2002 in Heilbronn geborene Klarinettistin Laura Müller, unter anderem Trägerin eines zweiten Bundespreises in der Kategorie „Klarinette“ beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ 2018.

Ein weiterer absolut stimmungsvoller Höhepunkt war im zweiten Abschnitt der Konzertsoiree die Serenade in E-Dur für Streichorchester von Antonín Dvorák, einem der herausragend schönen und inspirierenden Werke des tschechischen Komponisten. Besonders wirkten der getragene vierte und damit vorletzte Satz „Larghetto“ sowie der Schlusssatz, in dem er als Finale die Themen der vorhergehenden Sätze auf schier geniale Weise zusammengeführt hat, bis ganz am Ende das Motiv des ersten Satzes wiederkehrt.

Zum einen gab das JKO im Zusammenspiel mit Conrads sehr einfühlsamer und exakt dirigistischer Leitung mit beeindruckender Präzision, Tonsicherheit und Dynamik bis hin zum leisesten Pianissimo die unterschiedlichen Farben sowie Charaktere der ausgewählten Stücke wieder. Zum Zweiten gelang es dem Ensemble einhergehend, zudem mit deutlich erkennbarer emotionaler Spielfreude als auch mit einem abwechslungsreichen und kurzweiligen Repertoirepalette, auf eine bezaubernde Musikreise mitzunehmen. Dies würdigte das Publikum am Ende des offiziellen Programms mit minutenlangen und teilweise stehenden Ovationen in durchaus angemessener Weise. Das Orchester bedankte sich mit „Swamp Thang“ von Richard Meyer als mitreißende Zugabe.

„Die Berührung zwischen Gott und der Seele ist die Musik“, zitierte Tobias Endres am Schluss Bettina von Arnim. „Von dieser Berührung habt Ihr uns heute mit Eurer Musik etwas spüren lassen. Dieses Berührtsein ist jetzt noch ganz greifbar, schwingt und klingt nach sowie wird uns sicher noch lange begleiten und tragen“, betonte Endres an das JKO Tauber-Franken gerichtet, dem er zugleich im Namen des Vereins für sein enormes Engagement dankte.

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