Bad Mergentheim

In Edelfingen Drei Amerikanerinnen zu Besuch in Deutschland

In der Heimat der Vorfahren

Edelfingen.Auf die Spuren ihrer jüdischen Vorfahren haben sich drei Amerikanerinnen anlässlich ihrer Deutschlandreise begeben.

Gretel Finkelstein, deren Mutter eine verheiratete Rotschild aus Grünsfeld war, wurde von ihren zwei erwachsenen Töchtern Debra und Sheri begleitet.

Ulrich Hornstein, ein Verwandter aus München, begleitete sie und hatte den Deutschlandaufenthalt organisiert. Er war es auch, der herausgefunden hatte, dass die gesuchten Ahnen ehemalige jüdischen Bürger von Edelfingen sein mussten.

Im Edelfinger Rathaus wurden die amerikanischen Gäste, die vom Grünsfelder Ehepaar Ködel begleitet wurden, vom ehrenamtlichen Betreuer des dortigen Archives, Werner Mies, empfangen. Er hatte sich in die Geschichte der Gäste anhand der Unterlagen des Archives eingearbeitet und als Vorfahren die Familie des ehemaligen jüdischen Bürgers und Handelsmanns Elias Bierig festgestellt. Dieser hatte mit seiner Ehefrau elf Kinder, unter ihnen die Mutter von Gretel Finkelstein, Rosa Rotschild geborene Bierig, die nach Grünsfeld geheiratet hatte und von dort aus, wie auch ihre Geschwister, in den dreißiger Jahren nach Amerika ausgewandert war.

Mit Ausnahme einer ledigen Tante konnten sich so alle Tanten und Onkels vor dem Holocaust retten. Sehr beeindruckt zeigten sich die Amerikanerinnen über die Ausführungen von Werner Mies über das jahrhundertelange überwiegend einträchtige Zusammenleben der Edelfinger mit ihren jüdischen Mitbürgern, das 1509 mit der Erlaubnis des Deutschen Ordens, sich hier niederzulassen begann, und 1941 schicksalshaft endete. Die Zahl der jüdischen Bürger hatte 1858 ihren Höchststand mit 198 erreicht und war bei ca. 1200 Einwohnern ein ansehnlicher Teil der Einwohnerschaft. 1933 lebten noch 86 jüdische Bürger in Edelfingen, die kontinuierlich weniger wurden, da die meisten Juden in den Dreißiger Jahren nach Amerika auswanderten. Die letzten elf wurden 1940/41 in die Vernichtungslager der Nazis gebracht und kamen dort um.

Sehr interessant fanden die amerikanischen Besucherinnen die Ausführungen über die 1791 erbaute Synagoge, deren Schändung in der Reichspogromnacht 1938 und der Vernichtung durch den Beschuss amerikanischer Panzer am 1. April 1945. Dieses Schicksal erfuhren an diesem Tag auch die meisten jüdischen Häuser. Deshalb gibt es leider nur wenige noch bestehende ehemals von jüdischen Bürgern bewohnte Häuser. Wie das Wohnhaus des Großvaters Elias Bierig ausgesehen und wo es gestanden hat, konnte anhand alter Fotos gezeigt werden. Das Haus ist nicht Kriegseinwirkungen zum Opfer gefallen, sondern musste Ende der 60-er Jahre des letzten Jahrhunderts dem Neubau des Edelfinger Rathauses weichen. Bei einem kleinen Ortsrundgang zeigte Werner Mies die Standorte verschiedener jüdischer Einrichtungen und Häuser, wie das jüdische Gasthaus „Zur Krone“, den Schlachthof Schloss, die Synagoge und ein Wohnhaus in der heutigen Alten Frankenstraße.

Mit vielen aufgenommen Fotos und sehr berührt vom Gesehenen und Gehörten beendeten Gretel Finkelstein und ihre Töchter ihren Besuch in Edelfingen, um mit ihrem Begleiter Ulrich Hornstein weiter nach Crailsheim zu fahren und dort nach Spuren ihrer Vorfahren großmütterlicherseits zu suchen. WM