Bad Mergentheim

Digitalisierung der Bad Mergentheimer Schulen Lehrkräfte haben sich fortgebildet / Neue Bildschirm-Tafeln angeschafft und installiert / OB lobt bisherigen Prozess

Hunderte Laptops und Tablets besorgt

Archivartikel

Die Digitalisierung der Bad Mergentheimer Schulen schreitet voran. Die Stadt vermeldet die Beschaffung hunderter Laptops, Tablets und neuer Bildschirm-Tafeln.

Bad Mergentheim. Die Stadt Bad Mergentheim als Schulträgerin und die einzelnen Bildungseinrichtungen haben laut einer Pressemitteilung in den vergangenen Wochen den Digitalisierungsprozess sowohl unter technischen als auch inhaltlichen Aspekten ein großes Stück vorangebracht.

Für über 170 000 Euro aus dem Sofortausstattungsprogramm von Bund und Land hatte die Stadt Bad Mergentheim möglichst schnell eine Beschaffungsstrategie für alle Grundschulen und weiterführenden Schulen zu erstellen. Ziel der Initiative war es, vor allem jenen Schülern, die weder Laptop noch Tablet haben, ein mobiles Endgerät zur Verfügung zu stellen. So sollen auch soziale Ungleichheiten abgemildert werden.

Bei den mobilen Endgeräten wurden – abgestimmt auf die jeweiligen pädagogischen Konzepte – 135 Tablets und 215 Laptops bestellt und zum Teil auch schon an einige der neun Schulen in Kernstadt und Teilorten ausgegeben. „Nach dem Übergang in den Fernunterricht im Oktober hat die Verwaltung schnell reagiert, unsere Notebooks zügig konfiguriert – und wir konnten sie nach der Anlieferung noch am selben Tag an die ersten Schüler verleihen“, berichtet der Schulleiter des Deutschorden-Gymnasiums, Christian Schlegl.

Die Kopernikus-Realschule gehört zu den Schulen, bei denen die Lieferung in Kürze ansteht. „Bisher kann unsere Schule auf Tablets zurückgreifen, die die Firma Ecom-Instruments gestiftet hat. Derzeit wird noch das W-LAN-Netz ausgebaut und optimiert“, so Schulleiter Heiko Knebel zum aktuellen Stand.

In den Sommerferien ist dieser Ausbau des WLANs bereits in den Grundschul-Gebäuden Stuppach und Neunkirchen erfolgt, wo das Verlegen der Kabelarbeiten und das Installieren der Hotspots nun weitgehend abgeschlossen sind. Im Deutschorden-Gymnasium (DOG) laufen die entsprechenden Arbeiten gerade auf Hochtouren.

Denn auch die technische Rahmen-Infrastruktur muss stimmen. So wurde beispielsweise im Gymnasium bereits ein leistungsfähiger Server installiert, mit dem die Schule unabhängiger werden möchte: „Wir beobachten, dass bei zunehmendem Wechsel vom Präsenz- in den Fernunterricht die Videokonferenzen aufgrund der Kapazitäten von Servern und Datenleitungen schwieriger werden“, sagt Christian Schlegl.

Auch die Eduard-Mörike-Schule arbeitet bereits mit einem leistungsstarken neuen Server, in der Kopernikus-Realschule ist die Anschaffung in Planung. Für die weiteren Schulen wird dies in Abstimmung mit dem Digitalisierungsbeauftragten der Stadtverwaltung, Giuseppe Tarantini, geprüft.

Eigene WLAN-Hotspots

Ein wichtiges Symbol für die Digitalisierung des Unterrichts sind neben den mobilen Endgeräten die großen, interaktiven Monitor-Tafeln. Sie ermöglichen Fernunterricht, sind so vernetzt, dass die Lehrkräfte ihre Inhalte jederzeit abrufen können und generieren sogar eigene WLAN-Hotspots. Von den Tafeln hat die Kopernikus-Realschule schon 35 Stück in ihren Klassen- und Fachräumen installiert, wie Schulleiter Heiko Knebel ausführt. Dies sei inzwischen überall dort geschehen, „wo es der Platz zugelassen hat“. Im Gymnasium wurden bereits sechs solcher Tafeln eingebaut, weitere werden folgen. Allein 18 Tafeln sind für den städtischen Haushalt 2021 für das DOG angemeldet.

Auch die Grundschulen werden mit den interaktiven Tafeln oder Projektionstechnik ausgestattet. „Hier sind wir im zu Ende gehenden Jahr schon auf einem guten Stand angekommen und haben damit die Grundlage geschaffen, um 2021 im nächsten Schritt noch mal aufzusatteln“, berichtet Guiseppe Tarantini über die weiteren Pläne für die Grundschulen.

Doch Digitalisierung in Schulen bedeutet nicht nur „Hardware“. Deshalb haben sich die Bildungseinrichtungen für den Einsatz der interaktiven Tafeln vorbereitet. Im Deutschorden-Gymnasium beispielsweise haben die Lehrkräfte den Umgang mit den Tafeln eigenständig erarbeitet und in mehreren schulinternen Fortbildungen thematisiert. Zudem gab es in allen Schulen eine technische Einführung durch die Herstellerfirma. Seit Beginn des laufenden Schuljahres werden die Tafeln in Realschule, Gymnasium und einzelnen Grundschulen bereits im Unterricht eingesetzt.

Die großen Bildschirm-Tafeln werden aus dem „Digital-Pakt Schule 2019-2024“ des Bundes finanziert. Giuseppe Tarantini erläutert: „Der Stadt Bad Mergentheim stehen hier rund 770 000 Euro zur Verfügung, vorausgesetzt sie stellt weitere 230 000 Euro aus eigenen Mitteln bereit. Diese Summe wird aber in jedem Fall von uns ausgegeben werden müssen, denn überall wo nötig investieren wir ergänzend in die Ausstattung und technische Infrastruktur der Schulgebäude.“

Die Digital-Strategie, die jeder Schul-Ausstattung zugrunde liegt, ist der so genannte „Medienentwicklungsplan“ einer Einrichtung. Als erste hatte in Bad Mergentheim die Lorenz-Fries-Schule einen solchen bereits im März vorgelegt. So früh, dass ihn das Land zur Referenz für andere erklärte. Die weiteren Schulen im Stadtgebiet folgten in den zurückliegenden Monaten. Eine Ausnahme bildet nur noch die Grundschule Edelfingen, was mit dem laufenden Schul-Neubau und dem temporären Umzug in eine Container-Anlage zusammenhängt.

Neun Schulen, elf Gebäude

Oberbürgermeister Udo Glatthaar ist stolz auf das in Bad Mergentheim bisher Erreichte: „Als großer Bildungsstandort mit neun Schulen in elf Gebäuden in eigener Trägerschaft sind die Digitalisierungs-Strategien eines unserer zentralen Arbeitsfelder. Das unterstreichen wir auch damit, dass wir vor kurzem eine umfassende IT-Konzeption für die Schulen beauftragt haben, die in etwa drei Monaten vorliegen wird. Damit schaffen wir die Grundlage, um die Digitalisierung der Bildung dauerhaft und mit einer klaren Richtschnur in der Stadtpolitik und in der Verwaltungsarbeit zu verankern.“

Einen besonderen Dank spricht Udo Glatthaar schon jetzt allen Schulen aus, die sich mit den pädagogischen und technischen Herausforderungen mit großem Einsatz der Schulleitungen und Lehrkräfte stellen würden. „Wir haben bei den Medienentwicklungsplänen, bei baulichen Fragen wie auch der Geräteausstattung eine gute Vernetzung erlebt – und trotzdem bekommt jede Schule genau die Digital-Ausstattung, die sie für die individuellen Bedürfnisse ihrer Schüler benötigt“, so der OB. Der Schulstandort Bad Mergentheim insgesamt stehe in diesem Prozess sehr gut da.

Einer von den Schulleitungen in den vergangenen Wochen rückgemeldeten Thematik will die Stadtverwaltung noch näher nachgehen. So würden aufgrund zu langsamer Internet-Verbindungen in den Teilorten einige Schüler nicht störungsfrei an Videokonferenzen teilnehmen können.

Probleme melden

„Der Main-Tauber-Kreis nimmt beim Breitbandausbau mittlerweile eine Spitzenstellung in Baden-Württemberg ein. Die Versorgung in Bad Mergentheim ist hier nochmals einen Schritt weiter. 99 Prozent der Haushalte in der Kurstadt sind mit mindestens 50 Mbit pro Sekunde versorgt“, sagt dazu Wirtschaftsförderer Marcel Stephan. Derzeit gebe es nur noch in wenigen Aussiedlerhöfen keine entsprechenden Anschlüsse, diese würden im kommenden Jahr an das schnelle Glasfaser-Netz angebunden. Eltern, die Probleme damit haben, an eine schnelle Internetverbindung zu kommen, sollen sich bei der Wirtschaftsförderung der Stadt melden unter Telefon 07931 / 57-8005. stv

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