Bad Mergentheim

Neujahrsempfang der Stadt Bad Mergentheim Am Sonntag, 12. Januar, ab 15 Uhr im Kursaal / Gastrednerin Muhterem Aras ist seit Mai 2016 Landtagspräsidentin

„Hohen Wert der freiheitlichen Gesellschaft hervorheben“

Bad Mergentheim/Stuttgart.Landtagspräsidentin Muhterem Aras ist Gastrednerin beim Neujahrsempfang der Stadt Bad Mergentheim am kommenden Sonntag, 12. Januar. Unserer Zeitung stand sie für ein schriftliches Kurz-Interview zur Verfügung.

Muhterem Aras wurde in Elmaagaç in der Türkei geboren und kam im Alter von zwölf Jahren nach Deutschland. Hier studierte sie Wirtschaftswissenschaften und eröffnete 2000 eine Steuerberatungskanzlei in Stuttgart. 2011 wurde sie erstmals für Bündnis 90/Die Grünen in den baden-württembergischen Landtag gewählt, seit Mai 2016 ist sie dessen Präsidentin.

Positionsbestimmung

Der öffentliche Neujahrsempfang beginnt um 15 Uhr, Saalöffnung ist bereits eine halbe Stunde vorher. Nach einer Positionsbestimmung zum Jahresauftakt durch Oberbürgermeister Udo Glatthaar wird die Gastrednerin einen Impulsvortrag zum Thema „Heimat in Vielfalt“ halten.

Musikalisch umrahmt wird der Nachmittag von der städtischen Jugendmusikschule. Auch die historischen Garden wirken mit. Im Anschluss gibt es Gelegenheit für Begegnung und Austausch.

Sehr geehrte Frau Aras, welche Gedanken verbinden Sie mit dem Lieblichen Taubertal und der Kurstadt Bad Mergentheim?

Muhterem Aras: Ich war zweimal als Landtagspräsidentin in der Region im Rahmen meiner Schulbesuche: In Bad Mergentheim habe ich mit Schülerinnen und Schülern der Realschule St. Bernhard diskutiert und in Tauberbischofsheim war ich in der Gewerblichen Schule. Umso mehr freue ich mich auf diesen Besuch, wo ich auf Bürgerinnen und Bürger aus allen gesellschaftlichen Bereichen treffe.

Mit dem Taubertal verbinde ich das Attribut lieblich, Sie haben ja selbst den Werbespruch zitiert. Ansonsten denke ich an Radfahren im Sommer oder gutes Essen und Wein.

Von der „Solymar“-Therme habe ich nur Gutes gehört und mir fest vorgenommen, diese einmal zu besuchen.

Ein mangelndes Verständnis von (Landes-)Politikern für die Sorgen der „einfachen Bürger“ wird immer wieder thematisiert. Was müssen Abgeordnete tun, um die vielzitierte Bürgernähe auch wirklich zu leben?

Aras: Es gibt nicht den einen Weg, diese herzustellen: Die einen sitzen noch im Gemeinderat, wo sie viel mitbekommen von ihrer Stadt, andere sind in Sportvereinen. Ich zum Beispiel bin in vielen Fördervereinen, ich gehe auf Stadtteilfeste, zu Jubiläen, ich habe auch eine Patenschaft für „Schule ohne Rassismus“ übernommen, die ich durch regelmäßige Besuche und Telefonate mit Leben fülle.

Ich will aber grundsätzlich eine Lanze brechen für meine Kolleginnen und Kollegen: Sie müssen nicht nur nahe an den Themen vor Ort sein, sie haben sich gleichzeitig in die schwierigsten Sachverhalte einzuarbeiten – von der Grünstreifenrichtlinie über Finanzhilfen bis zum Polizeirecht. Wir brauchen beides: Bürgernähe und Expertise.

Sie setzen sich laut öffentlichen Äußerungen stark für Investitionen im Bildungsbereich ein. Was sagen Sie zum Bildungsangebot im Ländlichen Raum und speziell zur Außenstelle der Dualen Hochschule Mosbach im Schloss Bad Mergentheim?

Aras: Selbstverständlich stehe ich dafür ein, dass überall die gleichen Abschlüsse gemacht werden können und bei der Bildungsinfrastruktur nicht Stadt gegen Land ausgespielt wird.

Ausreichend Investitionen wünsche ich mir vor allem im Bereich der Demokratiebildung, um gerade bei der jüngeren Generation das Bewusstsein für den hohen Wert unserer freiheitlichen Gesellschaft zu schärfen.

Der Landtag – und dafür bin ich sehr dankbar – hat zum Beispiel eine Erhöhung der Mittel für die Landeszentrale für politische Bildung (LpB) beschlossen und unternimmt selbst vieles, ich nenne nur den Jugendlandtag oder den Kindergipfel.

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