Bad Mergentheim

Tag der Suizidprävention am Donnerstag, 10. September Kooperation von „Trees of Memory“ mit den beiden Kirchengemeinden / Veranstaltungen in der Kurstadt

Hilfe für Bedrängte und Angehörige

Archivartikel

Suizid ist ein schwieriges Thema. Darum ist es wichtig, das Gespräch zu suchen und zu führen. Anlässlich des Welttages der Suizidprävention am 10. September gibt es mehrere Veranstaltungen.

Bad Mergentheim/Main-Tauber-Kreis. Und plötzlich ist er oder sie nicht mehr da. Ja, der Karl oder auch die Maria (die Namen sind willkürlich gewählt) waren psychisch erkrankt, sie hatten Probleme, vielleicht sogar richtige Schwierigkeiten. Aber dass es so schlimm war, das war doch nicht abzusehen. Für die Betroffenen war es so unerträglich, dass sie nur noch einen Ausweg sahen: Suizid, gemeinhin Selbstmord genannt. Damit beginnen dann die Probleme für die Angehörigen.

Was sich theoretisch anhört, ist für viele, ja zu viele Menschen traurige Realität. Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland rund 10 000 Menschen das Leben, weitere versuchen es. In Deutschland sterben mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten und illegale Drogen. Weit mehr als 100 000 Menschen erleiden jedes Jahr den Verlust eines nahestehenden Menschen durch Suizid, sagt die Boxbergerin Iris Pfister vom Verein „Trees of Memory“. Im Verein wirkt sie als „persönliche Anlaufstelle“ für Angehörige und bietet Beratung und Hilfestellung für Angehörige von Suizidopfern.

„Wir wirken als erste Anlaufstelle“, sagt Pfister, die Mitglied eines umfangreichen Netzwerkes ist, das mittlerweile in zwölf Regionen in Deutschland präsent ist – Boxberg ist eine davon. „Die Vereinsmitglieder stehen betroffenen Angehörigen für erste persönliche und vertrauliche Gespräche über die Trauer und den Verlust zur Verfügung.“ Gemeinsam werde geklärt, welche Hilfe in der schwierigen, ersten und vor allem ja ganz individuell empfundenen Situation angebracht ist.

Klar sei: Nach einem Suizid „fühlen sich die Hinterbliebenen oft völlig hilflos, und das soziale Umfeld scheint regelrecht zusammenzuschmelzen“. Nach aller Erfahrung „brauchen die Betroffenen in dieser Krisensituation eine aktive Unterstützung“. Wer sich, so Pfister weiter, „plötzlich inmitten eines Albtraumes wiederfindet“, mit Schmerz und Verlust kämpfe, sei oftmals nicht in der Lage, sich selbst zu helfen und passende Ansprechpartner, also beispielsweise Selbsthilfegruppen oder Therapeuten, zu finden. Da biete der Verein „Trees of Memory“ dann Hilfestellung und Unterstützung.

Ja, es brauche „viele Schritte“, und intensive Gespräche“, weiß Pfister, die selbst Ansprechpartnerin für die hiesige Region ist. Hilfe anzubieten, das sei die eine Sache, und ihr Verein sei da nicht alleine. Neben den Kirchen gebe es zahlreiche Vereine und Institutionen. „Wichtig ist, dass das Angebot möglichst niederschwellig ist.“ Überdies gelte es, nicht erst im Nachhinein, sondern – wo immer möglich – präventiv tätig zu werden.

Oftmals gebe es „leise Hinweise“, die man aber erkennen müsse. „Das ist nicht immer leicht.“ Sie rät deshalb, „aufmerksam zu sein“, auch wenn sie weiß, dass dies eben nicht immer gelinge. Doch wenn man es schaffe, sich „einzulassen auf die Sorgen und Probleme der Bedrängten, ein Klima des Vertrauens zu schaffen und schlussendlich Perspektiven aufzuzeigen“, dann „spürt man richtig, dass die Gelegenheit zum Gespräch positiv aufgenommen wird“.

„Ja“, betont Pfister, „man kann helfen, auch im Verbund mit Familie, Lebens- oder Ehepartnern und Freunden“. Und sie macht deutlich, dass „die Prävention nicht nur die Suizid-Gefährdeten selbst, sondern auch deren Umfeld erreichen muss“.

Suizid ist ein globales Problem: Etwa 800 000 Menschen nehmen sich weltweit jährlich das Leben, erklärt die Welt-Gesundheitsorganisation (WHO). Das heißt: Alle 40 Sekunden tötet sich auf unserer Welt ein Mensch selbst. Der Welttag der Suizidprävention wurde von der International Association for Suizide Prevention (IASP) und der Welt-Gesundheitsorganisation WHO das erste Mal für den 10. September 2003 ausgerufen. Seither macht die WHO weltweit an diesem Tag darauf aufmerksam, dass Suizid zu den häufigsten Todesarten zählt.

Für Iris Pfister von „Trees of Memory“ war es wichtig, den Welttag der Suizidprävention „aus aus dem Kalender herauszuholen und hinein in die Öffentlichkeit zu bringen“ – mit Aktionen in der Badestadt. Hier könne man nämlich nicht nur die Einwohner selbst, sondern auch viele Gäste und Besucher erreichen. Pfister suchte und fand Mitmacher, nämlich die evangelische und die Katholische Kirchengemeinde Bad Mergentheim.

„Wir haben ja gemeinsame Interessen“, sagen dann auch der evangelische Pfarrer Matthias Widmayer sowie Pastoralreferent Jens Jörgensmann und die Ehrenamtskoordinatorin Schwester Maria Regina Ernst von der katholischen Kirchengemeinde. Die Vertreter der beiden Kirchengemeinden verweisen beim letzten Vorbereitungstreffen im Gespräch mit unserer Zeitung auch auf das umfangreiche kirchliche Hilfs- und Beratungsangebot, das der Verein „Trees of Memory“ ergänze.

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