Bad Mergentheim

Gemeinderat Wohnbebauung auf ehemaligem Limot-Areal auf dem Eisenberg geplant / Bauvoranfrage nach Empörung der Anwohner zurückgezogen / OB: „Alle Seiten sind jetzt sensibilisiert“

Heftige Kritik: „Völlig überdimensioniertes Wohnbauprojekt“

Bad Mergentheim.Heftige Kritik und bohrende Nachfragen musste sich am Donnerstagabend die Bad Mergentheimer Stadtverwaltung von Anwohnern des Eisenbergs anhören.

In der Bürgerfragestunde beklagten sie ein geplantes, „völlig überdimensioniertes Wohnbauprojekt“ auf dem ehemaligen Limot-Betriebsgelände zwischen Unterer/Oberer Wart und dem Eisenbergweg. Oberbürgermeister und Stadtbaudirektor versuchten zu beschwichtigen – dies gelang ihnen jedoch kaum.

„Verantwortung der Stadt“

Helmut Eisele brachte den Stein ins Rollen, nachdem er ans Bürger-Mikrofon getreten war. „Acht Wohnblocks mit 58 Wohneinheiten und einer großen Tiefgarage sind da geplant. Das ist völlig überdimensioniert! Die Verkehrsprobleme sind jetzt schon absehbar, weil die Zugangsstraßen vor Ort viel zu eng sind“, schimpfte Eisele und ärgerte sich sehr, dass die Stadtverwaltung dieses Megaprojekt bislang wohl habe laufen lassen und nicht von sich aus gestoppt habe.

„Was ist mit der Sorgfaltspflicht für die Bürger am Eisenberg? Was ist mit der dortigen Wohn- und Lebensqualität? Wo ist hier die Verantwortung der Stadt für die Anwohner?“, wunderte sich Helmut Eisele und bekam später noch Schützenhilfe von einem weiteren Anwohner: Dieter van Dyck, der sich tief in die Materie und die vorhandenen Pläne, wie sie den Anrainern bekannt gemacht wurden, eingearbeitet hatte. Dieter van Dyck zweifelte das bisherige Verfahren der Stadt an und schüttelte den Kopf, dass die Verwaltung nicht längst die Notbremse gezogen habe. Er sprach zudem von einer schlechten Kommunikation.

Oberbürgermeister Udo Glatthaar versuchte zu beruhigen, schaffte dies aber nicht wirklich. Der Stadt sei ein komplexes Wohnungsbauvorhaben eines auswärtigen Investors bekannt, nachdem die Firma Limot Lüftungstechnik ihr neues Areal im Gewerbegebiet „Braunstall“ bezogen und den bisherigen Standort am Eisenberg aufgegeben und verkauft habe. Auf eine im Rathaus eingegangene Bauvoranfrage sei die Bürgerbeteiligung in Form eines Briefs an die direkten Anwohner in Gang gesetzt worden. Nach kritischen Einwänden sei die Bauvoranfrage zurückgezogen worden, so Glatthaar: „Und jetzt bin ich selbst gespannt, was der Investor als nächstes vorlegt.“

Verkehrschaos?

Helmut Eisele meinte, dass vor Ort nur zehn bis zwölf Wohneinheiten sinnvoll seien, aber keine 58! Und er warnte vor einem Verkehrschaos. OB Glatthaar entgegnete, dass ein Investor auch wirtschaftlich planen müsse und er deshalb von mehr als zwölf Wohneinheiten vor Ort ausgehe.

„Entscheidend ist die Stadt! Was will die Stadt?“, ließ Eisele nicht locker. Glatthaar dazu: „Ja, es wird eine Wohnbebauung geben“ und die Stadt werde ihren Einfluss im Rahmen der geltenden Gesetze nutzen. Stadtbaudirektor Bernd Straub wies die Behauptung aus den Reihen der Bürger zurück, dass es Absprachen mit dem Investor gegeben habe und er betonte ganz klar, dass es sich bislang nur um eine Bauvoranfrage gehandelt habe: „Der Investor hat das Recht eine Bauvoranfrage zu stellen.“

OB Glatthaar fügte an, dass nun alle Seiten sensibilisiert seien und es unbedingt eine Anwohner-Informationsveranstaltung durch den Investor, gerne im Beisein der Stadtverwaltung, geben müsse.

Als Investor tritt eine „Projektgesellschaft Obere Wart Bad Mergentheim UG“ mit Sitz in Rotthalmünster im niederbayerischen Landkreis Passau auf. Laut Handelsregister, Stand 2018, wird ein Geschäftsführer Christoph Spohn aus Saarbrücken genannt und einige Monate später ein weiterer Geschäftsführer aus Rotthalmünster. Mit beiden versuchte unsere Redaktion am Freitag telefonisch Kontakt aufzunehmen und eine Stellungnahme einzuholen. Dies gelang zunächst nicht.

Christoph Spohn von der Firma „Tevcon – Terra Value Consulting“ GmbH aus Saarbrücken meldete sich aber am Nachmittag schriftlich zu Wort. Die Redaktion hatte ihm zusätzlich die folgenden Fragen per E-Mail geschickt: Was plant Ihre Gesellschaft in Bad Mergentheim? Wie viele Wohnungen sollen entstehen? Was soll vor Ort investiert werden? Was sagen Sie zur Kritik der Anwohner, dass das Projekt mit 58 Wohneinheiten überdimensioniert sei? Sie haben Ihre Bauvoranfrage laut Stadtverwaltung wieder zurückgezogen. Warum? Wie geht es jetzt weiter?

Darauf antwortete Spohn wie folgt: „Zunächst vielen Dank für Ihre E-Mail und die Anfrage – in Abstimmung mit der Verwaltung der Stadt Bad Mergentheim werden wir die beteiligten Anwohner und Interessierte zu dem geplanten Vorhaben, zeitnah zu einer Informationsveranstaltung einladen, um das Projekt inhaltlich vorzustellen und im Rahmen dieser Veranstaltung auf die Anregungen und Wünsche der Beteiligten einzugehen.

Nach diesem Termin werden wir uns über die weitere Vorgehensweise mit der Verwaltung der Stadt Bad Mergentheim abstimmen, und Ihnen auch gerne weitere Informationen zur Verfügung stellen.“

Weitere Auskünfte wurden der Redaktion nicht gegeben.

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