Bad Mergentheim

Virtuelle Ortsverbandssitzung der Grünen Bad Mergentheim Wasserstoffstudie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt vorgestellt

Gute Chancen im Schwerlastverkehr, bei Zügen und Flugzeugen

Bad Mergentheim.In einem Impulsreferat zu Beginn der virtuellen Ortsverbandssitzung der Grünen Bad Mergentheim stellte Ortsverbandsvorstand Dr. Jonas Grzesiak die Wasserstoffstudie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) vor. Sie hat die Möglichkeiten und Grenzen dieses Energieträgers untersucht.

„Es handelt sich nicht um eine primäre, sondern um eine sekundäre Energiequelle“, stellte der Referent einleitend fest, bei der je nach Nachhaltigkeit des Herstellungsverfahrens zwischen grauem, blauem und grünem Wasserstoff unterschieden wird. Aktuell stammten 95 Prozent der Produktion aus fossilen Energieträgern und sind damit grauer Wasserstoff, nur fünf Prozent würden CO2-neutral hergestellt, sind also grüner Wasserstoff. Die Elektrolyse sei dabei zwar eine etablierte Technik, jedoch gebe es auch hier noch weiteren Forschungsbedarf, um höhere Effizienzen zu erreichen.

In Mitteleuropa wird es laut der Studie nicht möglich sein, grünen Wasserstoff nachhaltig und ökonomisch zu produzieren, weil zum Beispiel Photovoltaikanlagen in Deutschland nur auf etwa 1000 Volllaststunden pro Jahr kämen, obwohl mindestens das doppelte nötig sei, so Grzesiak. Dies müsse deshalb im globalen Süden geschehen. Dabei stelle sich unter anderem das Problem, den Wasserstoff in den Norden zu transportieren. Auf die damit verknüpften sozialen Aspekte, die sich durch verfestigende Abhängigkeitsstrukturen ergeben können, würde in der DLR-Studie nicht eingegangen, auch wenn die Autoren auf kritische Punkte der Technologie, wie die Abhängigkeit von seltenen Metallen und vom Grundstoff Wasser, eingingen.

Die Möglichkeiten, Privat-Pkw zum Beispiel mit einer Brennstoffzelle mit grünem Wasserstoff zu betreiben, beurteilt Dr. Grzesiak skeptisch. So würde bei Pkw weniger Kohlendioxid emittiert, wenn man diese auf Batteriebasis betreibe und auch der Gesamtenergieaufwand sei niedriger.

Bessere Chancen für den Wasserstoff sieht die Studie im Schwerlastverkehr, bei Zügen und Flugzeugen. Außerdem werde schon jetzt sehr viel Wasserstoff von der Industrie verbraucht, etwa bei der Ammoniaksynthese, um daraus Kunstdünger zu produzieren. Besonders in der Stahlproduktion kann Wasserstoff zur CO2-Ausstoßreduzierung beitragen. Einen der wichtigsten Aspekte sehe die Studie in der Möglichkeit, mit Wasserstoff die unterschiedlichen Sektoren der Energieerzeugung und Energieverbraucher zu koppeln und so eine weitere Dezentralisierung zu ermöglichen.

Trotz der Möglichkeiten der Wasserstofftechnologie glaubt Dr. Grzesiak nicht, dass es gelingen wird, damit CO2-neutral zu werden. „Gewisse Kohlendioxidemissionen wird es weiter geben“, ist er überzeugt. Für den Klimaschutz müsse auch der Lebensstil geändert werden. Die Menschen müssten sich fragen, ob sie auf die eine oder andere Flugreise oder Kreuzfahrt auch verzichten können.

In seinem anschließenden Bericht aus dem Gemeinderat bedauerte Stadtrat Philipp Lutzmann, dass es seiner Fraktion nicht gelungen ist, zur Verbesserung der Bürgerbeteiligung bei kommunalen Entscheidungen den Einsatz der Open-Source-Software Consul durchzusetzen. Mit der mehrheitlichen Ablehnung des Grünen-Antrags habe der Gemeinderat eine große Chance verpasst.

Jugendgemeinderätin und Ortsverbandsvorsitzende Teresa Rosenitsch berichtete, dass der Jugendgemeinderat einen Dirt-Bike-Park angeregt hat. Bei der Stadtverwaltung sei man damit auf offene Ohren gestoßen. Enttäuscht zeigte sie sich dagegen darüber, dass der Antrag, in Bad Mergentheim den Klimanotstand auszurufen, im Jugendgemeinderat keine Mehrheit gefunden hat.

Zum Thema