Bad Mergentheim

Grüne Main-Tauber Im Neckar-Odenwald-Kreis über die Bio-Musterregion informiert / Zahl der Biobetriebe im Main-Tauber-Kreis liegt bei 120

Gute Bewerbung erhöht die Aussicht auf Erfolg

Main-Tauber-Kreis.Der Ort für den Informationsbesuch hätte passender nicht sein können. Die Kreistagsfraktion der Grünen Main-Tauber traf sich auf dem Ferienhof von Amelie Pfeiffer in Buchen-Bödigheim mit Kollegen aus dem benachbarten Neckar-Odenwald-Kreis, um neben dem Pferdestall und unter der Bewachung von Hofhund Hermine über eine Bewerbung als Bio-Musterregion zu sprechen, die im Main-Tauber-Kreis derzeit vorbereitet wird.

Kreisvorsitzende und Kreisrätin der Grünen Amelie Pfeiffer berichtete von dem erfolgreichen Bewerbungsverfahren im Neckar-Odenwald-Kreis. Nachdem eine erste Bewerbung gescheitert war, bediente sich der Landkreis einer professionellen Moderation zur Entwicklung des Konzepts und für die Erstellung der Bewerbungsunterlagen. Zu mehreren Workshops eingeladen waren sehr viele Akteure wie biologisch und konventionell wirtschaftende Landwirte, Vertreter des Bauernverbandes, der Landfrauen, Lebensmittelverarbeiter wie Bäcker und Metzger sowie der Lebensmitteleinzelhandel und der Naturschutz. Bei diesen Treffen seien in Gruppenarbeit Themen für die Bewerbung als Bio-Musterregion gesammelt worden, berichtete Amelie Pfeiffer. Daraus entwickelte sich die Bewerbungskonzeption. Das Wesentliche sei dabei gewesen, „dass Leute ins Gespräch miteinander kamen, die sich zuvor gar nicht kannten“.

Im Neckar-Odenwald-Kreis gebe es 61 Biobetriebe. Ihr Anteil von sechs Prozent sei vergleichsweise niedrig. Kreisrätin Gudrun Weiske, die selbst 30 Jahre lang ökologischen Weinbau im Taubertal betrieb, berichtete von derzeit 120 Bio-Betrieben im Main-Tauber-Kreis. Als Ziel wurde im Neckar-Odenwald-Kreis vereinbart, die Anzahl der Bio-Betriebe zu erhöhen.

Ein großes Problem für die Milchbauern sei dabei, so Pfeiffer, dass es keine Molkerei gibt, die ihre Milch abnimmt und zu Bioprodukten verarbeitet.

Mit der Bio-Musterregion soll erreicht werden, dass es eine regionale Biomilch gibt. Erwogen werde die Gründung einer Genossenschaft für die Milchverarbeitung. Wegen des hohen finanziellen Aufwandes sei dies jedoch schwierig. Ein weiteres Problem sei das Fehlen eines Schlachthofs für Biofleisch.

Interesse am Verkauf von regionalen Lebensmitteln habe der Lebensmitteleinzelhandel gezeigt. Da einzelne Produzenten aber oftmals gar nicht in der Lage seien, die erforderlichen Mengen zu liefern, sollen Bioprodukte mehrerer Erzeuger gebündelt werden.

In der Außer-Haus-Verpflegung in Kantinen, Schulmensen, Krankenhäusern und Gaststätten soll der Anteil biologisch erzeugter Lebensmittel auf 20 bis 30 Prozent erhöht werden. In einem Workshop ist dafür eine Webseite für die Direktvermarktung entwickelt worden.

Koordiniert wird die Umsetzung der Vorhaben von einer Person im Landwirtschaftsamt, einer Steuerungsgruppe und einem Beirat, der zweimal jährlich tagt. Es sei eine jährliche Evaluierung der Zielerreichung vorgesehen. Insgesamt stünden Projektmittel von 30 000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Lebensmittelverarbeitende Betriebe, die sich biozertifizieren lassen, bekommen einen Zuschuss vom Landkreis für ihre Zertifizierung. Die von der Bio-Musterregion ausgehenden Veränderungen kommen dem Artenschutz, der Biodiversität und dem Tierwohl zugute, meint Amelie Pfeiffer. Wesentlichen Rückenwind bekommen habe man durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Für die Biodiversität und den Artenschutz sei es wichtig, dass auch die konventionell wirtschaftenden Betriebe kleinstrukturiert bleiben.

Fraktionsvorsitzender Rainer Moritz kündigte an, dass sich seine Fraktion weiterhin mit vollem Einsatz für eine Bewerbung des Main-Tauber-Kreises um die Bio-Musterregion einsetzen werde, heißt es abschließend in einer Pressemitteilung.

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