Bad Mergentheim

Leserbrief Zu „Was Auszubildende wissen sollten“ (FN, 16. April)

Grundsätzliches zu beachten

Zu diesem FN-Artikel möchte ich einige Anmerkungen machen. Grundsätzlich ist es so, dass ein Auszubildender nicht arbeitet sondern lernt, so auch zum Beispiel das Arbeiten. Deshalb schließt er auch keinen Arbeitsvertrag sondern einen Ausbildungsvertrag . Er lernt also nicht bei einem Arbeitgeber sondern bei seinem Ausbilder. Und deshalb erhält ein Azubi auch keinen Lohn sondern eine Ausbildungsbeihilfe, so heißt diese Zahlung richtig.

Die offizielle Anlaufstelle für alle Fragen zur Ausbildung ist deshalb immer zuerst der Ausbilder, die Eltern beziehungsweise die gesetzlichen Vertreter und danach erst die Institutionen in der Reihenfolge IHK, Berufsberatung, etc.

Da Azubi‘s keinen Arbeitsvertrag abschließen ,wie zum Beispiel im Artikel erwähnt, können auch keine ausbildungsfremden Arbeiten verlangt werden. Gleichwohl liegt es im Ermessen des Ausbilders in Ausnahmefällen ausbildungsfremde Elemente im Rahmen der Ausbildung aufs Programm zu setzen, diese zu kontrollieren und in Bezug zur Ausbildung zu setzen.

Ein Ausbildungsvertrag kann im übrigen von beiden Seiten einseitig nicht (!), im gegenseitigen Einverständnis sehr wohl gekündigt werden. Falls das Ausbildungsziel, warum auch immer, droht nicht erreicht zu werden, kann nicht nur der Auszubildende, sondern auch der Ausbilder eine Verlängerung beantragen. Tut der Ausbilder dies wird er regelmäßig von der IHK abgeschmettert, weil diese glaubt, dies vom grünen Tisch besser beurteilen zu können. Dem Ausbilder der drei Jahre lang alleinverantwortlich für die Ausbildung ist und dies auch durch unzählige Vorschriften belegen muss, wird in wesentlichen Punkten ein Stimmrecht verweigert.

Es ist ärgerlich, dass nicht nur in Tageszeitungen, sondern auch in so genannten Fachpublikationen, selbst denen der IHK, immer wieder im Zusammenhang mit Auszubildenden von Arbeitszeiten, Arbeitsverträgen, Arbeitsrechten, Arbeitslohn, etc. geschrieben wird. Da braucht man sich nicht wundern, wenn Ausbilder das Ausbilden sein lassen.

Diejenigen, die es schaffen den hohen Anforderungen deutscher Handwerker gerecht zu werden, sind schon deshalb weltweit begehrt, weil sie unter anderem auch das Arbeiten erlernt haben.

Heinrich Koch, Weikersheim

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