Bad Mergentheim

Politischer Stadtrundgang Verbesserungsideen für provisorische, neue Straßenführung erörtert / Holzapfelgasse bleibt Sorgenkind / „Verkehr in Altstadt kaum abgenommen“

Grüne plädieren für Autoverbot auf Deutschordenplatz

Archivartikel

Bad Mergentheim.In wenigen Feldern der Politik prallen die unterschiedlichen Wünsche und Interessen so stark aufeinander wie in der Verkehrspolitik. Es allen recht zu machen, ist unmöglich. Ziel muss es sein, einen tragfähigen Kompromiss zu finden. Der Ortsverband der Grünen hat die neue, temporär gültige Verkehrsführung in der Bad Mergentheimer Innenstadt zum Anlass genommen, auf einem verkehrspolitischen Stadtrundgang seine Verbesserungsideen direkt vor Ort vorzustellen und mit den rund 20 Teilnehmenden zu diskutieren.

Auf einem von Stadträtin Silke Stahnke verteilten Flyer hatte eine Arbeitsgruppe des Ortsverbands stichpunktartig die wichtigsten Vorschläge für einen klimaschonenden und stadtverträglichen Verkehr zusammengefasst.

Viele Fremdnummernschilder

Auffallend war, dass unter den vielen Autos, die den Weg über den Deutschordensplatz als Abkürzung in die Herrenwiesenstraße wählen, auch etliche Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen waren. Das ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass sie von ihren Navigationsgeräten auf diese Route geführt werden, weil sie etwas kürzer ist als die Strecke über den Mittleren und Unteren Graben. Die Grünen wollen das ändern. Sie schlagen vor, die Überfahrt über den Deutschordenplatz grundsätzlich zu unterbinden. Alle Ziele in der Stadt, darunter auch der Parkplatz beim Schloss, bleiben dennoch mit dem Pkw erreichbar. Um die Route attraktiver zu machen, können sich die Grünen einen Ringverkehr im Oberer Graben, der Wachbacher und der Würzburger Straße vorstellen. Mit Einbahnverkehr in diesen Straßen gewinne man auch Platz für Fahrradspuren.

Auf ihrem Rundgang traf die Gruppe in der Münzgasse auf eine empörte Anwohnerin, die sich heftig über den starken Autoverkehr in der Münzgasse beschwerte. Durch die neue Verkehrsführung habe der Verkehr dort ganz enorm zugenommen, berichtete sie. Auch sie wäre dafür, die Abkürzungsstrecke über den Deutschordensplatz zu blockieren.

Bei einem Zwischenstopp auf dem Gänsmarkt konnte Stadt- und Kreisrat Rainer Moritz berichten, dass der Platz von den Menschen stark genutzt wird, seit er autofrei ist. Umsatzeinbrüche in seinem Geschäft habe er dadurch keine erlebt. Bis zum Parkhaus beim Bahnhof sei es auch nicht weit. Ein Teilnehmer sprach sich dafür aus, den Fußweg vom Parkhaus in die Innenstadt attraktiver zu gestalten, damit die Möglichkeit, dort zu parken und zu Fuß in die Stadt zu gehen, besser angenommen wird.

Der Rundgang wurde auf der Unteren Mauergasse fortgesetzt, die ebenso wie die Obere Mauergasse zu einer Fahrradstraße werden soll. Konflikte zwischen dem Auto- und dem Fahrradverkehr werden dabei an den Kreuzungen erwartet. Hier muss deutlich auf die Vorfahrtsberechtigung der Fahrradstraße hingewiesen werden. „Farbe allein genügt dafür nicht“, meinte Ordnungsamtsleiter Christian Völkel dazu. „Wegen der Verkehrssicherheit muss an kreuzenden Hauptzufahren in die Altstadt eventuell auf die Vorfahrt der Fahrradstraße verzichtet werden“, gab er zu bedenken. Eine besondere Gefahrenstelle sei die Kreuzung Holzapfelgasse/Unterer Graben. Der vorfahrtsberechtigte Untere Graben sei von der Holzapfelgasse aus schwer einsehbar. Da sei es kein Wunder, dass diese Kreuzung als Unfallschwerpunkt gelte. Tempo 30 auf dem Unteren Graben könnte diese Gefahrenstelle entschärfen, meinen die Grünen.

Gefährliche Kreisel

Ordnungsamtschef Völkel berichtete weiter, dass die Kreisverkehre an den Hauptstraßen der Kernstadt Unfallschwerpunkte und vor allem für Fahrradfahrende gefährlich seien. Stadtrat Hubert Schmieg führt dies auf Überholvorgänge im Kreisverkehr zurück. Er empfahl allen Radlern, im Kreiel so zu fahren, dass Überholen unmöglich ist.

Scharfe Kritik übten einige Mitglieder an der mit Millionenaufwand sanierten Holzapfelgasse und Ochsengasse. Die Aufteilung der Verkehrsfläche in gepflasterte Geh- und Parkflächen einerseits und asphaltierte Fahrspuren andererseits passe in keiner Weise zur Ausschilderung als verkehrsberuhigte Zone.

Ortsverbandsvorsitzender Corvin Schmid bedauerte, dass Fahrradfahrende in der Ochsengasse seit dem Umbau nicht mehr wie früher entgegen der Einbahnstraßenrichtung fahren dürfen. Ordnungsamtsleiter Völkel versprach, die Freigabe für Radfahrer nicht nur an dieser Einbahnstraße zu prüfen. Mit ihrem Vorschlag, einheitlich gestaltete Mischflächen für alle Verkehrsarten zu schaffen und die Entwässerungsrinne in die Mitte zu verlegen, konnten sich die Grünen laut Stadtrat Thomas Tuschhoff im Gemeinderat leider nicht durchsetzen. Er bedauerte zudem, dass seine Fraktion keine Mehrheit für den Vorschlag bekam, einen nachhaltigen Verkehrsentwicklungsplan in Auftrag zu geben. Nach den Vorgaben der Europäischen Union hätte der Plan messbare Ziele für die Reduktion der Treibhausgase im Verkehrsbereich festsetzen und Maßnahmen vorschlagen sollen, wie diese in Zusammenarbeit mit den Umlandgemeinden erreicht werden können, aus denen der viele Ziel- und Quellverkehr nach Bad Mergentheim kommt.

Als Fazit des Rundgangs kann festgehalten werden, dass der Verkehr in der Altstadt kaum abgenommen hat. Ein großes Interesse an einer attraktiveren Gestaltung und Lebensqualität in der Innenstadt besteht. Gleichzeitig wollen alle möglichst zügig vorankommen. Vor allem die geplagten Anwohner wünschen sich weniger Durchgangsverkehr. Die Fußgänger, Tagesgäste und Urlauber begrüßen die Verkehrsberuhigung am Gänsmarkt und möchten schon jetzt, dass sie bleibt. grue

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