Bad Mergentheim

Konzert „Venedig“ im Münster St. Johannes „Chorisma“, der Chor der Dekanate Hohenlohe und Mergentheim, das Vokalensemble Ludwigsburg sowie die Tauberfränkische Kantorei vereint

Großes feierliches Werk überzeugend präsentiert

Archivartikel

Von Peter D. Wagner

Bad Mergentheim. Ein beeindruckend stimmungsvolles, qualitativ gelungenes und begeisterndes Konzert unter dem Motto „Venedig“ präsentierten im katholischen Münster St. Johannes im Zusammenspiel drei Chöre und ein Instrumentalensemble.

Ausführende waren „Chorisma“, der Chor der Dekanate Hohenlohe und Mergentheim, das Vokalensemble Ludwigsburg, beide jeweils unter Leitung von Kirchenmusikdirektor (KMD) Michael Müller, sowie die Tauberfränkische Kantorei aus Tauberbischofsheim unter Leitung von KMD Michael Meuser. Begleitet wurde der Gesamtchor von dem Orchesterensemble „mixtura“ mit historischen Streich- und Blasinstrumenten sowie Cembalo und Orgel. Die musikalische Gesamtleitung oblag Bezirkskantor Michael Meuser.

„Chorisma“ wurde 1997 in Künzelsau als „Dekanatschor“ gegründet. Die Tauberfränkische Kantorei ist ein Projektchor, in dem sich seit über 30 Jahren jeweils ab September Chorleiter, erfahrene Sänger und C-Schüler immer wieder neu für ein größeres Musikprojekt meist mit Orchester zusammenfinden.

Venedig war im 17. Jahrhundert eine der besonders bedeutenden und wegweisenden Musikmetropolen der Welt. Claudio Monteverdi wirkte hier lange am Markus-Dom, aber auch andere heute etwas weniger bekannte Komponisten wie etwa Francesco Cavalli (geboren 1602 in Crema, gestorben 1676 in Venedig), der einer der erfolgreichsten Opernkomponisten in der Mitte des 17. Jahrhunderts war.

Im Mittelpunkt der Konzertsoiree im Münster St. Johannes stand dessen „Missa concertata“. Dieses große feierliche Werk für zwei vierstimmige Chöre und Instrumentalbegleitung komponierte Cavalli, ein Schüler Monteverdis, vermutlich 1644 für ein besonderes Kirchenhochamt im damals modernen Stil der „Seconda prattica“ der affektbetonten und zumeist monodisch strukturierten Musik.

Dabei verstand es Cavalli sehr gekonnt, die verschiedenen Affekte des „Ordinarium missae“, der regelmäßig wiederkehrenden Texte einer heiligen Messe, in Musik zu fassen. Zugleich wirkte das Stück nicht als „geistliche Oper“, sondern ging vor allem in die Tiefe der inhaltlichen Aussagen.

Schon bei den beiden Auftaktsätzen „Kyrie“ und „Gloria“ ließ der rund 80-köpfige Gesamtchor auf beeindruckende Weise den festlichen Charakter erkennen sowie mit besonders imposanter Klangfülle speziell die Passagen mit „Gloria“ und am Satzende „in gloria Dei Patris“ erklingen.

Vor den weiteren Sätzen der „Missa concertata“ mit dem „Credo“, „Sanctus“ und „Agnus Dei“ war als Zwischenpart Cavallis Motette für fünf Stimmen und Basso continuo „In convertendo“ nach Psalm 126 zu hören. Sehr gelungen gerieten bei der „Missa concertata“ zum Beispiel die ausgedehnten Chorteile und Chorsoli nebst deren vielfältige und herausfordernde Tempo- und Dynamikwechsel sowie speziell im zweiten Teil beispielsweise die sanft absteigenden Dissonanzen des „Crucifixus“ im Mittelstück des „Credo“-Abschnitts.

Im vierten Kapitel ihres „Venedig“-Konzerts präsentierten Chor und Instrumentalisten die Vertonung des Marienhymnus „Ave Maria Stella“ („Meerstern, ich dich grüße“) aus Claudio Monteverdis 1610 komponierter „Marienvesper“. Das Sakralwerk ebenfalls für achtstimmigen Chor und Orchester war zugleich Schlussteil dieser brillanten, rund 75-minütigen Musiksoiree mit einem Chorkonzert der außergewöhnlichen Art.

KMD Michael Müller hatte eingangs zur Begrüßung die zahlreichen Besucher gebeten, keinen Zwischenapplaus zu zollen, um die Nachwirkung geistlichen und besinnlichen Charakter der jeweiligen Werke nicht zu schmälern.

Viel Applaus

Der Schlussapplaus fiel dann umso anhaltender und stürmischer aus. Und diese Ovationen hatten sich Chor und Orchester für ihre Leistungen und Darbietungen bei der reichlich stimmungsvollen, qualitativ hochstehenden und begeisternden Konzertsoiree, die festlich an die musikalische Epoche des 17. Jahrhunderts in Venedig erinnerte, vollkommen verdient.

Zum Thema