Bad Mergentheim

Ab diesen Sonntag Evangelische Kirche erlaubt wieder die Feier des Abendmahls

Gottesdienst: „Glauben wieder mit allen Sinnen leben“

Archivartikel

Von Peter Keßler

Main-Tauber-Kreis. Evangelische Christen dürfen im Gottesdienst wieder Abendmahl feiern. Die württembergische Landeskirche erlaubt das ab diesem Sonntag. In Baden gelten ähnliche Regelungen.

„Eine sehr erfreuliche Entwicklung“, nannte das die Weikersheimer Dekanin Renate Meixner. Schließlich „ist der Glaube eben nicht nur eine geistig-spirituelle Angelegenheit, sondern soll auch mit allen Sinnen, also mit Leib und Seele, gelebt und gefeiert werden“.

Dafür sei die Feier des Abendmahls, das Teilen von Brot und Wein bzw. Traubensaft „ganz wesentlich“. Das ist auch der Kirchenleitung in Stuttgart bewusst.

Das coronabedingte Verbot von Abendmahlfeiern, so schrieb sie noch Anfang des Monats, sei „für viele Menschen schmerzlich und bedeutet oft auch eine geistliche Not“. Jetzt also ist das erst einmal Geschichte. Allerdings, so die Dekanin, „Vorsicht und Achtsamkeit sind natürlich geboten und die Bereitschaft, etwas anders als vielleicht gewohnt das Abendmahl zu feiern“.

Grundsätzlich, so der württembergische Oberkirchenrat, sei zunächst bei der Abendmahlsfeier nur eine „Wandelkommunion“ möglich. Das ist die vorwiegend aus der katholischen Kirche bekannte Form, bei der die Feiernden einzeln zum Altar treten – in einer Warteschlange mit den geforderten zwei Metern Mindestabstand. Auf dem Weg gelte es, sich die Hände zu desinfizieren. Ein Einbahnstraßensystem in den Gängen, mit Richtungspfeilen gekennzeichnet, ist vorgesehen, damit sich Menschen nicht begegnen müssen.

Schlusskreise, wo sich die Teilnehmer an den Händen fassen, sind ebenso wenig möglich wie ein Friedensgruß. Pfarrer und Prädikanten sowie weitere an der Austeilung beteiligte Personen tragen Mund-Nasen-Schutz und verwenden Einmalhandschuhe oder eine Zange, damit die Hostie bzw. das verwendete Brot nicht mit der bloßen Hand angefasst werden. Wein oder Traubensaft werden nur aus original verschlossenen Flaschen gereicht. Vorgeschrieben sind Einzelkelche.

Auf Spendeworte und ein „Amen“ des Empfangenden wird „verzichtet“. Der Abendmahlsgast stellt den leer getrunkenen Kelch selbst auf einem Tisch ab und geht dann an seinen Platz zurück. Erst wenn alle versorgt sind, spricht der Liturg das Entlasswort mit anschließendem Gebet und Vaterunser. Um unangebrachte Besorgnis zu vermeiden, soll nach dem Wunsch der Kirchenleitung die Gemeinde in geeigneter Form darüber informiert werden, dass „bei der Vorbereitung höchste hygienische Vorsichtsmaßnahmen herrschen“.

Es sei zwar „wissenschaftlich noch nicht hinreichend untersucht, welche Ausbreitungsbedingungen das Virus bei der Abendmahlfeier haben könnte“. Doch mit den genannten Einschränkungen erscheine eine Wiederaufnahme „verantwortlich“. Zudem „ist bisher auch aus der römisch-katholischen Kirche kein Übertragungsfall bekannt, der mit einer Eucharistiefeier zu tun haben könnte“. Es bleibt außerdem bei der Empfehlung, Gottesdienste nur in verkürzter Form (etwa eine starke halbe Stunde) zu feiern.

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