Bad Mergentheim

Bahá’í in Bad Mergentheim Gemeinde feierte 200. Geburtstag ihres Religionswegbereiters / Bewegung mit weltweitem Zulauf

Geschichte der Bahá’í begann im 19. Jahrhundert in Persien

Archivartikel

Bad Mergentheim.Die Bahá’í-Gemeinde in Bad Mergentheim beging jetzt den 200. Geburtstag des Religionswegbereiters Báb.

Die Bahá’í-Religion gilt als die jüngste eigenständige Weltreligion und baut auf den Schriften deren späteren Stifters Bahá’u’lláh auf. Seine zentrale Botschaft lautet, dass die Erde ein einziges Land und alle Menschen deren Bürger seien.

Die Geschichte der Bahá’í begann im 19. Jahrhundert in Persien, dem damaligen Iran, in einer von religiös fanatischer Orthodoxie sowie Unterdrückung, Korruption und Ungerechtigkeiten geprägten Gesellschaft. In der Stadt Shiras erhob 1844 der am 28. Oktober 1819 geborene persische Kaufmannssohn den Anspruch, Wegbereiter einer neuen Weltreligion zu sein und nannte sich „Der Báb“ (arabisch; „das Tor“).

Er verfasste eine Vielzahl von Schriften , von denen viele auf einen kommenden göttlichen Lehrer hinwiesen. Einhergehend brach er durch seine damals radikalen Ideen und Forderungen mit alten Traditionen, indem er unter anderem für vorurteilsfreie Wahrheitssuche, Förderung von Bildung für alle und von Wissenschaft sowie zur Gleichstellung der Geschlechter eintrat als auch die Rolle des Klerus in Frage stellte.

Zudem kündete er das Kommen des in allen Religionen Verheißenen an – eines universellen Erziehers, dessen Lehren die Menschheit befähigen, globalen Frieden und Einheit dauerhaft zu errichten, nämlich Bahá’u’lláh (zu Deutsch „Herrlichkeit Gottes“).

Dem Báb blieb jedoch nur kurze Zeit, seinen Glauben zu lehren. Er wurde verfolgt, eingekerkert und im Jahr 1850 durch ein Erschießungskommando auf einem Platz in Täbris öffentlich hingerichtet.

Die Nachricht über seine Hinrichtung verbreite sich rasch nach Europa, wo die Lehren des Báb, sein Wirken und die grausame Verfolgung seiner Anhänger öffentliches Aufsehen erregte. Seine fortschrittlichen und für damalige Zeit revolutionären Lehren und Botschaften führten trotz Unterdrückungsversuchen innerhalb weniger Jahre zunächst in Persien sowie zunehmend auch in Europa bzw. weltweit zu einer Bewegung mit großem Zulauf.

Heute ist sein Mausoleum und Schrein ein einzigartiger Anziehungspunkt inmitten von terrassenförmig angelegten Gärten im Bahá’í-Weltzentrum im israelischen Haifa. Die Bad Mergentheimer Bahá’í-Gemeinde beging den 200. Geburtstag des Báb unter anderem mit einer Andachtsversammlung mit Texten und Gebeten sowie dem Film „Dawn of the Light – Anbruch des Lichts“.

Derzeit folgen weltweit über sechs Millionen Bahá’í, davon knapp 6000 in Deutschland, den Visionen Bahá’u’lláhs.

Sie bieten vielfältige Aktivitäten an, dazu zählen insbesondere Andachtsversammlungen, in denen Gebete und Texte aus Heiligen Schriften gelesen werden, Studienkreise, die Menschen dabei unterstützen möchten, sich für mehr Zusammenhalt des eigenen Umfeldes einzusetzen, Tätigkeiten für Kinder und Jugendliche sowie regelmäßige Veranstaltungen zur Förderung der Harmonie und Einheit der Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur.

Das kontinentale Haus der Andacht der Bahá’í für Europa befindet sich in Hofheim-Langenhain in der Nähe von Frankfurt am Main/Hessen.

Aktuelle Aktivitäten der örtlichen Bahá’í-Gemeinde sind interreligiöse und interkulturelle Kinderklassen und monatliche Gesprächskreise sowie regelmäßige Andachten.

Renommiertester Bahá’í in Bad Mergentheim war der Bankier, Mäzen und Ehrenbürger Konsul Karl Ludwig Albert Schwarz, auf dessen Einladung Abdul-Baha’, Sohn des Bahá’u’lláh, in der Kurstadt weilte.

Seit über zehn Jahren befindet sich im Kurpark hinter dem Kursaal ein Gedenkstein als Erinnerung an den Besuch Abdul-Baha’s in Bad Mergentheim. pdw

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