Bad Mergentheim

Antiquitäten Roy Trotz viel Arbeit „hat es immer Spaß gemacht“ / Im Taubergrund heimisch geworden / Ein spannender Beruf, bei dem man auf Menschen zugehen muss

Geschäft nach 30 Jahren geschlossen

Archivartikel

Bad Mergentheim.Drei Jahrzehnte bildete das Antiquitätengeschäft Roy einen Fixpunkt in der Mühlwehrstraße. Nun haben Elke und Andreas Roy ihr Geschäft geschlossen und gehen in den wohlverdienten Ruhestand.

Für den einen sind Antiquitäten begehrte Sammlerstücke, für andere hingegen nur „altes Glump“. Und überhaupt, was sind denn Antiquitäten? „Möbel, zum Beispiel aus dem Biedermeier oder Bauhaus, Einrichtungsgegenstände, Schmuck, Porzellan, Keramik, Glas, Bilder, Drucke, Gemälde, Skulpturen oder auch Militaria, alles rund 100 Jahre alt und älter“, erklärt Andreas Roy. Und muss sich gleich korrigieren, denn: „Es gibt auch Sammlerstücke, die jünger sind – beispielsweise bestimmte Radiogeräte aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts.“ Überhaupt, so ergänzt er, „gesammelt wird eigentlich alles, es gibt viele Interessengebiete“.

Antiquitäten sowie der An- und Verkauf damit, „das ist ein weites Feld“, weiß Roy. Er muss es wissen, denn drei Jahrzehnte war er in dieser Branche tätig. Beim Blick in den Laden in der Mühlwehrstraße 16 fällt auf, dass von fast allen von ihm genannten Beispielen etwas zu finden ist. „Es sind nur noch Reste, wir wollten ja altersbedingt schließen.“ Das Geschäft aufzugeben, „das ist uns nicht leicht gefallen. Es ist ja mit viel Herzblut verbunden. Aber wir fanden keinen Käufer, und vom Alter her wird es einfach Zeit.“ Dem 77-Jährigen – seine Frau ist 70 Jahre jung – sind die Jahre nicht anzusehen. Und Roy blickt zufrieden zurück: „Trotz der vielen Arbeit und dem schwierigen Beginn hatten wir eine angenehme Zeit. Uns hat es immer Spaß gemacht.“ Der geplante Ausverkauf bis Ende Januar fällt flach, wegen des Corona-Lockdowns.

Ins Taubertal gekommen ist die vierköpfige Familie im bewegten Jahr 1989 aus der damaligen DDR. „Noch mit Ausreiseantrag, also vor dem Mauerfall am 9. November“, betont Roy. „Die Lebensumstände, das politische System, es war einfach unerträglich. Wir wollten nur noch raus.“ Der gelernte Schlosser war Schwimmmeister im Freibad in Kahla bei Jena, und in Lauda fand er eine neue Betätigung in diesem Metier. Doch der Sinn stand nach mehr, und so wurden die Roys schon 1990 selbstständige Geschäftsleute in Sachen Antiquitäten. Für kurze Zeit hatten sie einen Laden in Lauda, schnell aber eröffneten sie ihr Geschäft in der Mühlwehrstraße 16 in Bad Mergentheim – „eine Entscheidung, die wir nie bereut haben“.

Im Laufe der Jahre fanden sich viele Stammkunden, und dank des großen Bekanntenkreises waren die Roys immer gut unterrichtet, wo sich Gelegenheiten ergaben. „Antiquitäten fallen ja nicht vom Himmel, die muss man suchen und finden. Dabei muss man auf die Leute zugehen“, erläutert Roy. Und er macht deutlich, dass es noch viele bislang unentdeckte Schätze zu heben gibt. „Es liegt noch Vieles unbeachtet auf Speichern, in Kellern, Schuppen und Scheunen“, sagt Roy.

Die Familie ist, wie Andreas Roy betont, im Taubergrund „glücklich geworden. Wir fanden uns schnell zurecht.“ Mit seiner Frau Elke lebt er im eigenen Haus in Oberschüpf, aber „in Bad Mergentheim sind wir gerne, kennen uns gut aus und haben viele Bekannte“. Somit werden die vielen Mergentheimern vertrauten Roys auch weiterhin in der Stadt zu sehen sein.

Was geschieht mit den noch vorhandenen Restbeständen? „Einige Stücke sind reserviert, einen Teil bekommen unsere Kinder, den Rest lagere ich erst einmal privat ein“, sagt Andreas Roy.

Zum Thema