Bad Mergentheim

Herbstcamp im „Kasten“ Besonderes Ferienangebot / 16 Teilnehmer von zehn bis 14 Jahren

Gemeinsam lernen, spielen und basteln

Archivartikel

Im Sommer 2018 fand das erste „Sommercamp“ im „Kasten“ statt, und alle, die damals dabei waren, hatten eine ganz besondere Woche. Nun läuft das „Herbstcamp“ – und wieder gibt es viel zu erleben.

Bad Mergentheim. Seit Montag läuft das „Herbstcamp“ 2019 im Kasten, und für die vier Mädchen und zwölf Jungs ist noch bis zum heutigen Samstag „volles Programm“, wie der Initiator und Projektleiter Nicolaj P. Imhof im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert. Die Zielgruppe, Kinder im Alter von zehn bis 14, stammen allesamt aus Familien, die sich keinen Urlaub leisten können. Und sie haben Lernschwierigkeiten, zum Teil leiden sie auch an AD(H)S. Neben Imhof sind in dieser Woche die Sozialpädagogin Natascha Volk, der KBS-Lehrer Phillip Halbmann, die Physiotherapie-Azubi Pia Schwarz, die FSJ-lerin Lorena Thauer sowie die Schüler Lars Schneider (DOG) und Tobias Redlingshöfer (Berufskolleg) gefordert; die beiden Schüler sind „Kästler“ und leben im bischöflichen Studieninternat „Maria Hilf“, so der offizielle Name dieser Einrichtung.

Viele Partner

Das Herbstcamp wird getragen vom Kreisjugendring, als Sponsoren dieser besonderen Ferienwoche sind neben dem Studieninternat auch das Kreis-Jugendamt, der „Round Table“ Tauberbischofsheim, das Gesundsheitsamt (Aktionskreis Sucht- und Gewaltprävention) sowie das Schulamt Künzelsau tätig – eine „breite Basis“, wie Imhof deutlich macht.

Damit es nicht an den Kosten scheitert, sind die Beiträge pro Teilnehmer bewusst gering angesetzt – 85 Euro für einzelne Teilnehmer, Geschwister zahlen 50 Euro. Und da das Kreis-Jugendamt und der Kreisjugendring Zuschüsse gewähren, sinken die Teilnehmergebühren auf 35 Euro, das Geschwisterkind ist dann frei.

„Wir wollen ein niederschwelliges Angebot, und wir haben das bei drei Elternabenden an den kooperierenden Schulen (Lorenz-Fries-Schule und Eduard-Mörike-Schule in Bad Mergentheim sowie der Kraft-zu-Hohenlohe-Schule in Weikersheim im Voraus abgeklärt und das Programm und die Ziele der Woche vorgestellt“, sagt Imhof.

Was sollen die Kids mitnehmen? „Wir wollen angewandte und interdisziplinäre Fachkompetenzen fördern – in Naturwissenschaften, Deutsch, Englisch, Kunst, Werken, Sport und Musik.“ Was sich sehr schulisch anhört, ist es aber nicht, denn es geht um viel mehr: Ausflüge planen, gemeinsam einkaufen und kochen, Nachtwanderungen, Orientierung im Wald, einander helfen sowie künstlerische und handwerkliche Projekte stehen auf der Agenda, dazu auch Klettern und Schwimmen. „Wir wollen den Kindern deutlich machen, dass sie etwas können, ihr Selbstvertrauen soll ebenso gestärkt werden wie ihr Selbstwertgefühl.“ Um individuelle schulische Lücken zu schließen, sollen sie mit spielereischen und erlebnispädagogischen Ansätzen Hilfestellung bekommen. „ja, die Kinder sollen sich etwas zutrauen, und auch die Gemeinschaft und der Teamgeist sollen gestärkt werden“, verdeutlicht Imhof.

Dass die Camp-Idee ankommt, zeigt sich beim Besuch des Reporters an mehreren Beispielen. Auf dem großen Clipboard stehen die verschiedenen Angebote, und die Kinder tragen sich ein – jeder nach seinen oder ihren Interessen. Und dann wird mit Hingabe gewerkelt oder – beim Vorbereiten des Lunchpaketes für den nachmittäglichen Ausflug, auch geschnipselt – Tomaten, Paprika und Gurken werden zerkleinert, im Anschluss geht das Küchenteam geneinsam einkaufen. Derweil hat sich eine andere Gruppe für den Bau einer Rakete entschieden. Und einer der Jungs war schon beim Sommercamp im vergangenen Jahr dabei und hat seine Rakete von damals mitgebracht.

Auch die Macke in der Spitze ist wichtig, er weiß noch genau, wohin das Projektil geflogen ist und sich die Einbuchtung in der Spitze holte. Nachdem mehrfach gestartet wird, wissen die Kids, dass das Projekt keine Fantasie ist – die Rakete – hergestellt aus einer Mineralwasserflasche und Karton – fliegt wirklich. Und so werden mit viel Elan die Seitenflügel ausgeschnitten und aufgeklebt, und natürlich wird auch eine Spitze gebastelt. Dass dabei auch Fehler erlaubt sind, ist selbstverständlich – die Kinder finden die nötigen Lösungen zumeist selbst, sonst reicht ein einfacher Tipp der Betreuer, und schon geht’s weiter.

Eine andere Gruppe ist mit der Herstellung eines Kerzenständers beschäftigt – ein Holzbrett hat der Betreuer schon zugesägt, jetzt müssen die Kinder schleifen, feilen und bohren – getreu dem Motto „weg vom Klassenzimmer, hin zur Realität“ und „vom Problem zur Sache“ wird nicht nur der Umgang mit Werkzeugen geübt, sondern auch deren Handhabung bei verschiedenen Aufgaben. Und die Kids, das ist zu sehen, lernen schnell und erkennen, dass sie mehr können, als sie selbst noch vor wenigen Minuten gedacht haben. Kein Wunder, dass Imhof von einer „Woche mit Langzeitwirkung“ spricht.

Ein ganz besonderes Schmankerl hat sich der Projektleiter bis zum Schluss des Reporterbesuches aufgehoben. „Ein 14-Jähriger, der beim Sommercamp 2018 dabei war, hat angefragt, ob er beim nächsten Mal als Helfer mitmachen kann.“ Auch das ist eine Langzeitwirkung, freut sich Imhof.

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