Bad Mergentheim

Schwäbischer Albverein Ortsgruppe Bad Mergentheim begeht 125-Jahr-Jubiläum / Blick in die Geschichte

Gemeinsam große Freude am Wandern

In diesem Jahr blickt die Bad Mergentheimer Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins (SAV) zurück auf ihr 125-jähriges Bestehen. Am Sonntag wird groß gefeiert.

Bad Mergentheim. Im Frühjahr 1892, nur vier Jahre nach Gründung des SAV-Hauptvereins in Plochingen, entschlossen sich vier Bad Mergentheimer Männer des hiesigen Verschönerungsvereins diesem SAV-Verbund beizutreten und gründeten eine Bad Mergentheimer Ortsgruppe.

Erster Vorstand, damals Vertrauensmann genannt, war Oberpräzeptor Dr. Greiner, Oberlehrer an der Lateinschule (nachzulesen in "Blätter des Schwäbischen Albvereins" Nr. 5/1892). Kurz danach wurde Reallehrer Professor Hildenbrand neuer Vertrauensmann des nunmehr neunköpfigen Vereins. Zu den weiteren Mitgliedern zählten: Präzeptor Babel, Major Johann Christian Bruckmann, Premierleutnant Dursy, Finanzamtmann Dr. Clauß, Anwalt Hezel, Amtmann Keller, Kaufmann Ottmar Stahl und Weinhändler Ludwig Wrede.

Am 21. Februar 1904 wurde in Öhringen als Zusammenschluss von SAV-Ortsgruppen der Region der Burgberg-Verband gegründet, benannt nach dem Burgberg in Frankenhardt-Oberspeltach. Man beschloss, sich diesem anzuschließen. Aufgrund einer Verbandsumlage hatte dies für die Ortsgruppenmitglieder eine Erhöhung des jährlichen Mitgliedsbeitrages um zehn Pfennig von zwei Mark 20 Pfennig auf zwei Mark 30 Pfennig zur Folge.

Zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 2004 wurde dieser in Burgberg-Tauber-Gau umbenannt, der sich mit 18 Ortsgruppen über die Landkreise Schwäbisch Hall und den Main-Tauber-Kreises erstreckt. Zu den "Tauber-Ortsgruppen" zählen Bad Mergentheim, Creglingen, Niederstetten und Weikersheim.

Bereits im Jahre 1905 legte der SAV zusammen mit dem Verschönerungsverein im Oberen Bürgerwald den Forstmeister-Prinz-Weg nach Herbsthausen an. Forstmeister Karl Prinz war SAV-Mitglied und 25 Jahre beim Königlichen Forstamt in Mergentheim tätig. Kurz danach, 1910, wurde im Unteren Bürgerwald ein weiteres Gemeinschaftsprojekt ersonnen, das Badwegle - aufgrund der Wegmarkierung durch ein blaues querliegendes Hufeisen auch Hufeisenweg genannt. Allerdings konnte dies erst im Februar 1913 von den Kurgästen und Stadtbürgern genutzt werden.

Am 20. April 1910 erschien in der Tauber-Zeitung ein Bericht über ein neu angelegtes und beachtenswertes Protokollbuch der Ortsgruppe, das bis 1939 fortgeführt wurde. Berichtet wird hierin unter anderem über eine geplante Wanderung am 19. September 1920 von Laudenbach nach Creglingen: Das schöne Wetter hatte umgeschlagen und da es nach Regen aussah, beschloss der eingeteilte Wanderführer an besagtem Morgen im Bett zu bleiben. Hierfür gab es vom Vertrauensmann eine scharfe Rüge. Denn dieser hatte erfahren, dass der Wanderführer am Vorabend seinen Gaststättenbesuch sehr ausgedehnt hatte und zudem geäußert haben soll: "Gott sei Dank, dass es regnet". - Die Wanderung wurde trotz des schlechten Wetters durchgeführt.

In den Gründerjahren war der SAV eine reine Männerdomäne. Man(n) musste sich damals beruflich auszeichnen, um als Mitglied in den SAV aufgenommen zu werden. Heute ist das glücklicherweise anders: Jeder, unabhängig von Alter, Beruf und Geschlecht kann Mitglied werden.

Im Wanderjahresprogramm 1913/14 hieß es dann interessanterweise "Damen sind stets willkommen". In einer Wanderausschreibung der Tauber-Zeitung vom 1. Mai 1915 war zu lesen: "Das Ziel ist das schöne Gollachtal. Die Wegstrecke ist so bemessen, dass auch Frauenfuß sie bewältigen kann."

Bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts war man der Natur sehr verbunden. So wurde über Oberst Oskar von Biela berichtet: "Die hiesige Singvogelwelt hatte damals einen großen begeisterten Gönner, den Oberst Oskar von Biela. Er ging jeden Tag mehrmals in den Schlosspark und hörte oft stundenlang seinen gefiederten Freunden zu, weshalb er auch den Beinamen "Der Vögelhorcher" bekam.

Die Zeit des "Dritten Reiches" ging auch am SAV nicht spurlos vorbei. Der Wandergruß "Frisch auf" wurde um den Zusatz "und Heil Hitler" ergänzt. Der Vertrauensmann wurde nicht mehr von den Mitgliedern gewählt, sondern linientreu bestimmt. Man traf sich nicht mehr zum Wandern, sondern es wurde zum "Abmarsch" aufgerufen. Mit dem Ausbruch des Krieges kam das Vereinsleben zum Erliegen, auch in der Nachkriegszeit war wie bei vielen anderen Vereinen Stillstand angesagt.

Aber im Jahre 1969 zählte die Ortsgruppe wieder stattliche 180 Mitglieder, das Amt des Vertrauensmanns wurde durch Robert Weiland ausgefüllt. Durch seine zahlreichen Recherchen in der Tauber-Zeitung hat er sich große Verdienste für den Verein erworben. Die Erkenntnisse hat er in seiner Chronik des SAV niedergeschrieben, aus welcher Teile dieser Abhandlung entnommen sind. Für seine Aktivitäten erhielt er 2002 das Ehrenschild des Schwäbischen Albvereins.

1976 ergab sich etwas Neues in der Ortsgruppe: Eine Jugendgruppe wurde gegründet und von Käthe Klose betreut; zehn Liederbücher wurden ihr zur Verfügung gestellt. Leider wurde die Jugendgruppe wegen fehlender Mitglieder 1988 wieder aufgelöst.

Im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums am 10. Mai 1992 wurde der SAV-Ortsgruppe die Joseph-von-Eichendorff-Plakette verliehen, gestiftet durch den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Die Plakette wird an Wander- und Gebirgsvereine verliehen, welche sich in besonderer Weise um Pflege und Förderung des Wanderns, des Heimatgedankens und des Umweltbewusstseins verdient gemacht haben und mindestens 100 Jahre bestehen.

In der Jahreshauptversammlung vom 22. Januar 1994 wurde erstmals nach 100 Jahren eine Frau an die Spitze der Ortsgruppe gewählt. Elfriede Hofmann übernahm nach 25 Jahren von Robert Weiland das Amt des Vertrauensmannes bzw. der Vertrauensfrau. Elfriede Hofmann bekleidete dieses Amt über 13 Jahre bis es 2007 an eine weitere Vertrauensfrau, Karin Löhr, überging, welche dann an der Spitze des 120 Mitglieder aufweisenden Vereins stand.

2003 gründeten die Familien Anzmann und Kutschera erstmals eine Familiengruppe, welche bald regen Zuspruch fand. Die Familiengruppe übernahm im April 2012 eine Biberpatenschaft für die am Nassauer Bach bei Schäftersheim sowie im Aschbachsee bei Herrenzimmern lebenden Biber.

Seit 2010 gibt es Gesundheitswandern mit Helmut Fischer: Nicht "Kilometer machen" ist angesagt, sondern Kräftigung, Entspannung und eine Steigerung des Wohlbefindens stehen im Mittelpunkt.

Im Rahmen der Hauptversammlung vom 27. Februar 2016 gab die damalige Vertrauensfrau Karin Löhr die Führung der Ortsgruppe nach insgesamt 22 Jahren "Frauenherrschaft" wieder in Männerhand ab. Als kommissarischer Vorstand wurden Helmut Fischer, Burkhard Kutschera sowie Stefan Sambeth gewählt.

Während der Heimattage Baden-Württemberg präsentierte sich die Ortsgruppe am 8. Mai 2016 bei der Erlebnismeile mit einem Informationsstand. Im Rahmen der Aktion "Heimat-vor-Ort" waren Mitglieder des SAV als Wanderführer tätig und brachten interessierte Bürger in geführten Wanderungen nach Herbsthausen, Neunkirchen, Wachbach sowie Löffelstelzen.

Die verschiedenen Einzelwegzeichen wurden durch Wegewart Helmut Fischer zu einem Kombi-Wegzeichen zusammengefasst und an den von der Ortsgruppe betreuten Wanderwegen angebracht. Passend hierzu erschien nach Abschluss der Tätigkeit am 27. Juni 2017 in den Fränkischen Nachrichten und in der Tauber-Zeitung ein Bericht mit dem Titel "600 neue Schilder für Wanderfreunde". Auf Initiative von Helga Metzner wurde zudem im Sommer ein Seniorenstammtisch gegründet, der sich an alle Senioren richtet, vor allem aber diejenigen, die an den regulären Seniorenwanderungen donnerstags nicht mehr teilnehmen können. Stefan Sambeth