Bad Mergentheim

Verkehrsversuch in der Innenstadt OB Glatthaar präsentierte Zwischenbericht

Gänsmarkt „wird angenommen“

Archivartikel

Bad Mergentheim.„Wir sind mitten in einem Prozess der Stadtentwicklung, dazu zählt auch der Bereich Verkehr für verschiedene Arten von Mobilität als auch für den ruhenden Verkehr“, bekräftigte Oberbürgermeister Udo Glatthaar bei der Jahreshauptversammlung der City-Gemeinschaft Bad Mergentheim, als er einen Zwischenbericht zum aktuellen Verkehrsversuch in der Innenstadt mit dem Titel „Mehr Raum für Lebensfreude“ vorstellte.

Probeweise umgesetzt

Der Stadtrat habe im Juni den Mut gehabt, dieses Versuchskonzept mit seinen erarbeiteten Varianten probeweise umzusetzen, das auf einer öffentlichen Veranstaltung für Bürger im April 2019 als Auftakt zur Beteiligungs- und Ideenbörse basierte. Weitere Schritte seien unter anderem die Beauftragung des Fachbüros Richter-Richard mit einem innerstädtischen Verkehrs- und Parkkonzept, umfassende Verkehrsbegehungen und Analysen im Frühjahr und Sommer 2019 sowie Informationsveranstaltungen am 27. und 28. Juli für Gänsmarkt- und Innenstadt-Händler gewesen, bevor der vom 10. August bis 31. Oktober dauernde Verkehrsversuch gestartet worden sei.

„Ein attraktiver und autofreier Gänsmarkt wirkt belebend für die gesamte Innenstadt“, ist eins der wesentlichen Ziele dieses Konzepts, zudem eine offensive Vermarktung der „Umbrella Street“ für Bad Mergentheim als Einkaufsstadt. Vom ersten Tag des Verkehrsversuchs an habe die Verwaltung Rückmeldung per E-Mail oder Telefon erbeten, betonte Glatthaar. Jeder Hinweis und jede Meinungsäußerung würden dokumentiert, auf einzelne Themen reagiere die Stadt kurzfristig mit zusätzlichen Messungen und Zählungen oder der Überwachung von Geschwindigkeiten. „Bislang wurden von etwa 60 Personen mehr als 100 Einzel-Rückmeldungen gegeben“, bilanzierte der OB als Zwischenstand.

Bisher sei keine Kritik an der gesperrten Überfahrt über den Gänsmarkt oder der Wunsch nach Rückkehr zur Kreuzungssituation geäußert worden. „Der im Vorfeld am häufigsten geäußerte Wunsch nach mehr Aufenthaltsqualität auf dem Gänsmarkt wurde umgesetzt, der Platz funktioniert und wird angenommen“, nannte Glatthaar als eine wesentliche bisherige Erkenntnis. Die Verkehrsbelastung habe sich verlagert. Weniger Autos seien in der Törkelgasse und Nonnengasse verzeichnet worden sowie eine unveränderte Verkehrsbelastung in der Mühlwehrstraße. Mehr Verkehr gebe es in der Münzgasse. Vergleichsweise viele kritische Rückmeldungen habe es zur Situation in der Holzapfelgasse gegeben. Hier habe sich der Verkehr zwar Zählungen nach nicht objektiv nachweisbar wesentlich verstärkt, allerdings erscheine es vielen Anliegern subjektiv so.

Viele kritische Rückmeldungen

Vergleichsweise viele kritische Rückmeldungen seien zur Situation in der Münzgasse eingegangen, die sich mit Messungen und Beobachtungen decken wie etwa unübersichtliche Situationen, und Anwohnerbelastungen. Eine Verkehrsberuhigung der Altstadt bleibe häufig geäußerter Wunsch.

Der reine Durchfahrtsverkehr über die Kapuzinerstraße habe nicht abgenommen. Trotz weniger Verkehr auf dem Gänsmarkt sei der Verkehr in dieser Straße fast unverändert geblieben, was auch zum hohen Verkehrsaufkommen in der Münzgasse führe, da die Fahrt durch die Kapuzinerstraße nach wie vor als attraktive Abkürzung empfunden werde.

Insofern bestehe die Idee, die Kapuzinerstraße temporär wie etwa nach Ladenschluss oder an Sonn- und Feiertagen für den KFZ-Verkehr zu sperren und zur Fußgängerzone zu machen.

„Die Testphase ist noch nicht abgeschlossen“, unterstrich Glatthaar mit dem Hinweis, dass eine Detailanalyse erst nach dem 31. Oktober dem Gemeinderat vorgelegt werde. Zugleich erteilte der OB eine stringente Absage, den Verkehrsversuch aufgrund einzelner massiver Kritiken vorzeitig zu beenden. Am kommenden Montagabend werde mit allen Gewerbetreibenden und Gastronomen ein nichtöffentlicher Gesprächsabend veranstaltet. Zudem sei ein Bürgerabend zu den Verkehrsplanungen für die Bad Mergentheimer Kernstadt vorgesehen.

Der Gemeinderat werde in seiner Sitzung Ende Oktober einen Grundsatzbeschluss fassen müssen, ob der Gänsmarkt für den Kfz-Verkehr weiterhin geschlossen bleibe oder wieder geöffnet werde. Denkbar sei darüber hinaus, dass den Winter über andere Versuchsalternativen erprobt würden. „Sollte sich die Mehrheit für dieses Konzept aussprechen, wird der Gemeinderat für das kommende Jahr einen dauerhaften Gestaltungsumbau für den Gänsmarkt beschließen“, kündigte Glatthaar an.

Diskutiert werden müsse eventuell auch, die Durchfahrt vom Mittleren zum Oberen Graben wieder zu erleichtern. Weitere Themen seien unter anderem Fußgängerüberwege über die Bahngleise beim Bahnhof sowie die Verkehrsentwicklung in den „Herrenwiesen“. „Sowohl Parkplätze in der Innenstadt erhalten als auch nur wenige Stellplätze abbauen, zugleich Verkehrsberuhigung und Platz für Fußgänger und Radfahrer in der Innenstadt“, fasste der OB als wegweisende Devise zusammen. pdw

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