Bad Mergentheim

Buchvorstellung Geschichtswerkstatt stellte ihren neuen Band mit 37 Lebensbildern aus der Zeit vor 1809 vor / Spannende Biografien zeichnen ein Bild der Deutschordenszeit

„Fundament, auf dem wir heute stehen“

Archivartikel

Im Bürgersaal des Kulturforums präsentierte die Geschichtswerkstatt ihr neues Buch mit dem Titel „Geschichte(n) aus Bad Mergentheim, 37 Lebensbilder aus der Zeit vor 1809“.

Bad Mergentheim. Einen Mangel an Engagement und Fleiß kann man der Geschichtswerkstatt Bad Mergentheim wahrlich nicht vorwerfen. Vor vier Jahren wurde der Verein am 28. Oktober 2015 im Stadtarchiv gegründet und legt nun schon sein fünftes Buch vor. Da kann man nur sagen: Hut ab!

Die Reihe „Geschichte(n) aus Bad Mergentheim“ wurde mit einem Band über das frühere Gesundheitswesen eröffnet. Dann folgte die Breitenbachsche Chronik, die bis zum Ende der hiesigen Deutschordenszeit reicht. Lebensbilder aus der Zeit von 1809 bis 1914 und im Folgeband aus der Zeit von 1914 bis in unsere jüngste Vergangenheit hinein folgten. Und jetzt „37 Lebensbilder aus der Zeit vor 1809“, so der Titel des fünften Bandes, der zugleich ein Beitrag zum Jubiläum „800 Jahre Deutscher Orden in Bad Mergentheim“ ist, wie Dr. Christoph Bittel, Vorsitzender der Geschichtswerkstatt, bei der Buchvorstellung betonte.

Die im Umfang recht unterschiedlichen Beiträge stützen sich nicht nur auf Quellen im Stadtarchiv Bad Mergentheim, sondern auch auf Recherchen im Staatsarchiv Ludwigsburg, im Diözesanarchiv Rottenburg-Stuttgart und in vielen anderen Archiven, wobei nicht nur Vereinsmitglieder, sondern auch Autoren außerhalb des Vereins mitgearbeitet haben.

Bittel dankte allen, die an dem Zustandekommen des 284 Seiten starken Werkes mitgewirkt haben. Im Besonderen natürlich den ehrenamtlichen Autoren, Holger Schmitt für die kostenlose Anfertigung von Fotos, Christine Schmidt, Stadtarchivarin und Schriftführerin der Geschichtswerkstatt, für die Redaktion und Zusammenstellung des Bandes in Zusammenarbeit mit den Autoren und der Druckerei, sowie Jana Piepenburg für die Endkorrekturen und die abschließende Layouterstellung.

Für Christine Schmidt ist das Buch auch eine Art Nachschlagewerk, um über Baumeister, Ärzte, Kunsthandwerker und Deutschordensbeamte mehr zu erfahren, denn „diese Personen haben das Leben in Mergentheim in ihrer Wirkungszeit beeinflusst und bereichert“.

Prägende Zeit

In seinem im Buch abgedruckten Grußwort freut sich Oberbürgermeister Udo Glatthaar darüber, dass „unsere Geschichtswerkstatt“ zum Jubiläum des Deutschen Ordens diesen Sammelband mit „spannenden Biografien“ aus der Zeit vom 15. bis ins frühe 19. Jahrhundert vorgelegt hat, also aus jener Zeit, in der „Mergentheim die Residenz dieses für uns so prägenden Ordens war“.

In dem Band gebe es viel zu entdecken und es lohne sich, „an all diese Personen zu erinnern. An ihre Schicksale und Errungenschaften, mitunter auch an ihr Scheitern. All das bildet das historische Fundament, auf dem wir heute stehen“, so der OB.

Christoph Bittel und Christine Schmidt stellten abwechselnd in knapper Form die 37 geschilderten Lebensläufe vor, die in dem reich bebilderten Band präsentiert werden. Unter ihnen drei Generationen der Orgelbauerfamilie Ehrlich; die Schullehrerin, Fassmalerin und Vergolderin Anna Margaretha Grimbach; der Physiker und Mediziner Ernestus Hettenbach, der 1610 am ersten wissenschaftlich dokumentierten Kaiserschnitt in der Medizingeschichte teilgenommen hat; der Kanzler des Deutschen Ordens in Mergentheim, Leonhard Kirchheimer, der an die Macht des Bösen, die Möglichkeit der Zauberei und die Existenz der Hexengesellschaft als eine sektenartige Gruppierung glaubte. Sixtus Kolbenschlag hat ein Traktat gegen die Pest geschrieben, Johann Caspar Winkhler hat als Hofschreiner für die neu erbaute Schlosskirche das heute noch vorhandene Chorgestühl, Sakristeischränke, Bilderrahmen, Fußböden und Türen gefertigt. Johann Friedrich Mayer war Pfarrer, Visionär und reformierte die Landwirtschaft.

Das Buch mit Mergentheimer Biografien aus fünf Jahrhunderten kann an folgenden Verkaufsstellen erworben werden: Stadtarchiv, Tourist-Information, Buchhandlung Moritz und Lux sowie Buchhandlung Rupprecht.

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