Bad Mergentheim

70. Geburtstag am morgigen Sonntag Inge Basel feiert mit „ihrer“ Senioren-Wohngemeinschaft und vielen Freunden / SPD-Stadträtin, die kein Blatt vor den Mund nimmt

„Für mich ist hier ein Traum in Erfüllung gegangen“

Bad Mergentheim.Fröhlich, streitbar und engagiert – so kennt man Inge Basel in Bad Mergentheim. Die SPD-Stadträtin, die kein Blatt vor den Mund nimmt, wird am morgigen Sonntag 70.

Inge Basel gründete 1998 die erste selbstbestimmte Senioren-Wohngemeinschaft in Baden-Württemberg und es gibt sie noch heute; im Bad Mergentheimer Weberdorf. „Für mich persönlich ist hier ein Traum in Erfüllung gegangen“, strahlt Inge Basel: „Mein Älterwerden kann ich mit anderen gemeinsam erleben. Ich halte das für wichtig und wünsche mir, dass das auch anderswo ausgebaut wird. Das familiäre Umfeld hilft sehr dagegen, dass man nicht in der Masse woanders übersehen wird – und hier hat man auch Zeit füreinander.“

Das Licht der Welt erblickte sie in Erfurt, weil die Mutter gerade dort war. Inge Basel wuchs in Stuttgart und Freudenstadt auf, wo der amerikanische Vater stationiert war.

Vier ältere Brüder sorgten beim einzigen Mädel für frühes spielerisches Training in Sachen Kämpfertum, erzählte sie bereits vor einigen Jahren unserer Zeitung. Eine herrliche Kindheit sei es gewesen, frei, ohne allzu viele Vorschriften.

Eine ihrer Freundschaften führte die damals 18-Jährige als staatlich examinierte Kinderpflegerin nach Bad Mergentheim. Doch in ihrem Beruf fand sie keine Anstellung, so dass sie als Schwesternhelferin ins Rochus-Krankenhaus in der Wachbacher Straße ging.

Sie wechselte später auf eine Arbeitsstelle in Frankfurt, doch diese stellte sie nicht zufrieden, so dass sie zügig ins Taubertal zurückkehrte und für einen ambulanten Dienst tätig wurde. Eine Heirat und die Geburt der beiden Kinder folgten.

So, wie Inge Basel mit Begeisterung, Leib und Seele Mutter war, war sie auch mit Begeisterung bei ihren Pflegeaufgaben, berichtete sie dieser Zeitung. Und sie erlebte, wie schwierig die Situation für pflegende Angehörige ist, die fast keinen Freiraum mehr haben. Es müsse doch etwas anderes geben, etwas zwischen Heim und Selbstaufgabe, überlegte sie, und entwickelte ihre Idee der Kurzzeitpflege, um Angehörigen zumindest etwas Freiheit zu ermöglichen. Damals waren in den Heimen kaum Zimmer für die kurzzeitige Pflege zu bekommen.

Inge Basel entschied sich 1998 eine Senioren-Wohngemeinschaft, anfangs – wie genannt – auf Basis einer Kurzzeitpflege, aufzubauen. Sie kaufte das Haus in der Kolbstraße 30, machte es seniorengerecht und bot zunächst Platz für fünf Bewohner mit ihr zusammen unter einem Dach. Ihr Angebot kam an – doch etliche ihrer nur übergangsweise zur Kurzzeitpflege ins Haus gekommenen Bewohner wollten schlicht nicht mehr nach Hause, andere wurden zu „Stammgästen“, die immer wieder wochenweise zu Inge Basel umzogen, wenn die Angehörigen eine Auszeit brauchten.

„Das Besondere unserer WG ist, wir bieten Sicherheit, sind mit zehn Bewohnern überschaubar, also familiär strukturiert, und vor allem bezahlbar. Die Mitsprache der Bewohner in allen Dingen des täglichen Lebens ist normal und selbstverständlich“, so Inge Basel, die heute Vermieterin ist, während die Senioren-WG eigenes Personal beschäftigt, das in vielerlei Hinsicht helfend zur Seite steht. Die zehn Bewohner sind zwischen 70 und 90 Jahren alt. Und über allem wacht Dackel-Mischling „Paul“. Mit ihm spazieren zu gehen, gehört genauso zu den Hobbys von Inge Basel wie Stricken („zur Entspannung“) und die Pflege der Hausgemeinschaft.

Aber auch politisch ist Inge Basel noch aktiv. Sie gehört seit 2012 der SPD an und sitzt im Gemeinderat. Dort ist sie bekannt für kurze und knappe, aber direkte Statements. Dass sie einst in den Rat gewählt worden war, erfuhr sie beim Spaziergang mit den Enkelkindern. Nachdem sie von SPD-Mitgliedern auf eine mögliche Kandidatur angesprochen worden war, hatte sie zwar zugesagt, sich aber weiter nicht gekümmert.

Enthaltungen sind ihre Sache nicht: Sie ist für oder gegen Entscheidungen, sich rauszuhalten, ist grundsätzlich nicht ihre Art. Bei der Kommunalwahl im Mai tritt sie wieder an, hofft aber auch, dass junge Stadträte den Einzug ins Gremium schaffen.

„Es ist ein schönes Amt, aber auch ein Ehrenamt, dass Zeit benötigt“, sagt Basel, die vor allem soziale Themen voranbringen will und sich stark an den wilden Müllablagerungen in der Kurstadt stört. . .

Den guten Wünschen der Familie (inklusive zwei Enkeln), von Freunden und Wegbegleitern schließt sich die Redaktion unserer Zeitung gerne an. ibra/sabix