Bad Mergentheim

Internationaler Hebammentag Erika Gazzera arbeitet mit zwei weiteren italienischen Kolleginnen seit mehreren Monaten im Kreißsaal des Caritas-Krankenhauses

Für den Traumjob die Heimat verlassen

Archivartikel

Für ihren Traumberuf ist sie von Italien nach Bad Mergentheim gezogen: Erika Gazzera arbeitet als Hebamme im Caritas-Krankenhaus.

Bad Mergentheim. Am 5. Mai ist Internationaler Hebammentag. Seit 1991 wird er in mehr als 50 Ländern begangen, um an die gesellschaftliche Bedeutung von Hebammen zu erinnern. Erika Gazzera ist für ihren Traumjob von Italien nach Deutschland gekommen. Sie und zwei weitere junge Italienerinnen arbeiten seit mehreren Monaten als Hebammen im Kreißsaal des Caritas-Krankenhauses Bad Mergentheim.

Mehr als 800 Kilometer sind es von Cuneo, einer 50 000-Einwohner-Stadt in Piemont am Fuße der Meeralpen, nach Tauberfranken. Eine weite Reise, wenn Erika Gazzera ihre Familie besuchen will.

Seit einigen Monaten ist Bad Mergentheim die neue Heimat der 23-Jährigen. „Ich wollte nach meinem Studium unbedingt in meinem Beruf als Hebamme arbeiten. Jetzt bin ich sehr froh, dass ich hier eine Stelle gefunden habe“, erzählt sie mit Begeisterung.

Erika Gazzera ist eine von drei italienischen Hebammen, die seit vergangenem Jahr in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim arbeiten. „Schon während des Studiums habe ich mir überlegt, nach Deutschland zu gehen“, erzählt Erika Gazzera, die bis 2018 in Turin studierte. Denn sie wollte unbedingt Arbeitserfahrung im Ausland sammeln; außerdem ist es schwierig, in Italien eine Anstellung als Hebamme zu finden. Dass die Wahl dann auf Deutschland fiel, hat mit einer Freundin zu tun. Diese habe sie auf die Idee gebracht, und Kommilitoninnen aus früheren Jahrgängen würden bereits hier arbeiten, berichtet sie.

Von den Stellenangeboten, die die Agentur in Italien anbot, entschied sich Erika Gazzera für das Caritas-Krankenhaus. „Die Geburtsklinik ist ziemlich groß, und ich kann hier viel lernen“, erzählt sie. In den Kreißsälen des Caritas-Krankenhauses erblicken mehr als 1100 Kinder jährlich das Licht der Welt. Zum Team gehören zwölf Hebammen, die in Voll- oder Teilzeit arbeiten. „Was unsere Geburtsarbeit auszeichnet, ist die enge Zusammenarbeit mit der Kinderklinik gleich nebenan. Dadurch ist es uns möglich, auch Risikoschwangerschaften zu betreuen“, sagt Oberärztin Sylvia Schößler, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Zu Risikofaktoren zählen Frühgeburten, Zwillingsschwangerschaften oder Bluthochdruck bei Schwangeren.

Im Januar 2019 hatte Erika Gazzera ihr Vorstellungsgespräch, im Sommer begann die Arbeit. In der Zwischenzeit hatte sie in Italien einen Deutschkurs absolviert. „Ich habe schon in der Schule Deutsch gelernt, aber das war vor mehreren Jahren“, erzählt sie. Trotz ihrer Vorkenntnisse braucht das Erlernen der fremden Sprache Zeit. Gazzera und die beiden anderen Hebammen aus Italien arbeiteten daher die ersten Monate in Teilzeit und belegten nebenbei einen Sprachkurs. „Seit ich jeden Tag spreche, geht es gut mit dem Deutsch“, sagt die junge Italienerin mit einem Lachen. Auf der Station arbeitet Erika Gazzera immer mit einer erfahrenen Hebamme zusammen. Die Arbeit sei sehr abwechslungsreich, erzählt die junge Hebamme. Bevor es in den Kreißsaal gehe, helfe sie den Schwangeren, sich zu entspannen. „Wir nutzen Aromatherapie und Massage oder lassen ein warmes Bad ein“, so Gazzera weiter. Ernst werde es dann im Kreißsaal, wo die Geburtsbetreuung erfolgt. Außerdem kümmere sie sich um die werdenden Mütter, die ambulant kommen, etwa zu einer Untersuchung.

„Der Zusammenhalt im Team ist super. Wir können offen mit den anderen Hebammen und den Ärzten sprechen“, schildert Erika Gazzera ihre Eindrücke. Manchmal komme es auf das Sprechen aber auch gar nicht so sehr an, sagt sie. Kommunikation gehe im Kreißsaal auch ohne Worte. „Wir müssen uns nonverbal verstehen. Das heißt im Klartext: Ich zwinkere der Hebamme zu, schaue sie an oder zeige auf etwas und die Hebamme weiß Bescheid“, sagt Oberärztin Schößler. Gerade in kritischen Situationen müssten sich Ärzte und Hebammen aufeinander verlassen können.

Mittlerweile arbeiten die jungen Italienerinnen Vollzeit als Hebammen – die Anerkennung ihrer Abschlüsse dauerte mehrere Monate, solange haben sie als Hebammen-Assistentinnen gearbeitet. Peggy Bürkle ist mehr als zufrieden: „Wir sind sehr froh, dass sie zu unserem Team gehören. Sie bringen reichlich positive Energie, viel Freude an der Arbeit und Elan mit.“

Auch Erika Gazzera ist glücklich, dass sie den Schritt nach Deutschland gewagt hat: „Die Arbeit gefällt mir sehr gut.“ Sie sei Hebamme geworden, weil sie Frauen bei der Geburt betreuen möchte und die Aufgabe als sehr erfüllend empfindet. „Der schönste Moment ist, wenn das Baby endlich da ist. Es liegt auf dem Bauch der Mama, die Eltern umarmen das Kind, lächeln oder weinen. Das ist einfach wunderbar.“ ckbm

Zum Thema