Bad Mergentheim

Bürgerforum „Weindenkmale und Weinorte“ (Folge 17) / Markelsheimer Weinbau reicht weit zurück

Frost zwang zu Neuordnung

Markelsheim.Der Weinbau in Markelsheim hat eine lange Geschichte. Ihre heutige Form erhielten die Weinberge im Rahmen einer Flurbereinigung in den 1950er Jahren.

Die Geschichte des Weinbaus in Markelsheim reicht weit zurück. Eine Urkunde aus dem Jahr 1096 belegt einen Weinberg, den Bischof Emehard von Würzburg von seinem Bruder erhält.

Die Ackerfläche der Gemarkung war im Verhältnis zur Einwohnerzahl gering, Wein war lange die Haupterwerbsquelle. Die Beschreibung des Oberamts Mergentheim von 1880 berichtet: „Die mittlere Lage am Tauberberg ist die beste, (…) der Wein genießt eines bedeutenden Rufes und wird weithin versandt.“ Auf dem Tauberberg wuchsen Silvaner, Gutedel, Grobschwarz und Riesling, weiße und rote Sorten in der Regel im gemischten Satz. Sie wurden auch beim Keltern nicht getrennt und machten den Charakter des Weins in Farbe und Geschmack aus.

Ende des 19. Jahrhunderts gefährdeten Schädlinge wie die aus Amerika eingeschleppte Reblaus, Krankheiten wie der Mehltau und Fehlernten infolge von Frühjahrs- und Herbstfrösten die Zukunft des Weinbaus. Die Markelsheimer beschlossen 1898, eine Weingärtnergenossenschaft zu gründen. Mit dem Ziel, den Wein wirtschaftlicher auszubauen und besser zu vermarkten, erstellten sie eine Kelterhalle mit zwei großen Gewölbekellern. Die traditionelle Auslieferung im Holzfass an die Gasthäuser wurde in den 1920er Jahren durch eine Neuerung, den Verkauf in Flaschen an Privatkunden ergänzt. Nach der Kelter- und Kellererweiterung 1951 erfolgte die Vermarktung ausschließlich in Flaschen.

Die Frostkatastrophe vom Frühjahr 1953 bedeutete das Ende des Weinbaus in Bad Mergentheim. In Markelsheim waren auf den 80 Hektar alle gerade austreibenden Reben erfroren. Die Weingärtner erkannten, dass eine sinnvolle Frostabwehr durch Heizen oder durch Beregnung erst nach einer Flurbereinigung, dem Ausbau der Wege und der grundlegenden Neuanpflanzung möglich war.

Die meist überalterten Rebstöcke brachten selbst in den besten Jahren nur noch einen Ertrag von 40 Litern je Ar. Das auf zweieinhalb Millionen veranschlagte Projekt wurde trotz einiger Bedenken umgesetzt, 1955 wurde mit der Umlegung begonnen. Bei der Neuanpflanzung vermied man durch einen Pflanzplan gemischte Sätze, die Steillage des Probstbergs wurde mit Silvaner und Riesling bepflanzt, der Mönchsberg mit der für Markelsheim neuen Sorte Müller-Thurgau.

Den ersten Wein von der Umlegungsfläche kelterte die Genossenschaft 1958. kw