Bad Mergentheim

Verwaltungsausschuss Zuversicht trotz erwarteter Verluste in Höhe von rund 316 000 Euro

Forstbetriebsplan 2021 wurde einstimmig beschlossen

Einstimmig wurde der Beschlussantrag der Stadtverwaltung zur „Forstbetriebsplanung 2021“ vom Verwaltungsausschuss am Donnerstag im Dorfgemeinschaftshaus Neunkirchen angenommen.

Bad Mergentheim. Der vom Kreisforstamt aufgestellte Forstbetriebsplan 2021 war den Räten nicht neu; bereits in der August-Sitzung des Gemeinderates wurde er – damals noch in zwei Varianten – vorgelegt. Hintergrund war der aufgrund eines CDU-Antrages schon im Februar beschlossene Waldumbau, wie Oberbürgermeister Udo Glatthaar darlegte. Am 8. Oktober hat die (Waldumbau-)Projektgruppe – bestehend aus OB, Vertretern des Gemeinderates, der Kämmerei und des Forstamtes – bereits das erste Mal getagt. Deutlich wurde dabei, dass nun zeitnah eine Entscheidung über den Forstbetriebsplan 2021 folgen sollte, weshalb dieser Punkt noch auf die Tagesordnung der Donnerstags-Sitzung des Verwaltungsausschusses kam.

Die den Räten zugesandte Sitzungsvorlage enthielt den entsprechenden Text und die Zahlen. Darin wurde auch die finanzielle Folge deutlich: In 2021 wird der Stadtwald weder einen Gewinn noch eine schwarze Null, sondern einen Verlust bringen. Laut der Rechnung des Kreisforstamtes stehen Einnahmen in Höhe von 145 000 Euro Aufwendungen von 460 722 Euro entgegen. Der Verlust beläuft sich folglich auf 315 722 Euro.

Forstdirektor Karlheinz Mechler vom Kreisforstamt brauchte die Planungen nicht im Detail vorzustellen, denn sie waren den Räten bereits bekannt. Der Stadtwald liegt im Zentrum des regionalen trockenheitsbedingten Schadensschwerpunkts um Bad Mergentheim/Igersheim; der sich zunehmend nach Osten (Niederstetten und Weikersheim) ausdehnt.

Es gab 2020 große Schäden; einerseits durch Borkenkäfer an Fichten mit 8700 Festmeter (Fm), andererseits durch Trockenheit und Käfer an Buchen (800 Fm). So bestand ein wesentlicher Teil des Holzeinschlages im laufenden Jahr aus dem „Einsammeln und dem Abtransport geschädigter oder absterbender Bäume“. Zudem entstand im Frühsommer 2020 Kahlfraß durch die Raupen des Schwammspinners in einem bogenförmigen Streifen von Hachtel – Herbsthausen – Apfelbach – Rüsselhausen – Weikersheim – Schäfters-heim; das Zentrum war der Apfelbacher Wald.

Die Projektgruppe Waldumbau schlägt vor, beim Einschlag eine „Atempause“ einzulegen. So ist für 2021 nur ein „Sanierungs-und Pflegeprogramm“ vorgesehen. Planmäßig sollen (reguläre) Holzeinschläge im Rahmen von Durchforstungen in etwa 30 bis 50 Jahre alten Eichen- und Buchenmischbeständen (rund 500 Fm) und im geringen Umfang in Douglasienbeständen (rund 300 Fm) erfolgen. Alle anderen geplanten (regulären) Einschläge werden auf 2022 verschoben.

2500 Festmeter

Buchen mit Trockenschäden sollen aus Gründen der Verkehrssicherung und Werterhaltung genutzt werden (rund 1400 Fm). Allerdings verbleiben einzelne abgestorbene Bäume stehend im Bestand. Diverse abgängige ältere Eichen und Eschen (rund 300 Fm) werden ebenfalls genutzt. Was Borkenkäferschäden bei Fichten angeht, so ist zur Zeit noch nicht erkennbar, in welchem genauen Umfang sie im nächsten Jahr anfallen; das Forstamt rechnet mit ersten Erkenntnissen dazu im Frühjahr und dann im Sommer 2021, erwartet aber „mindestens 1000 Fm“. Somit beläuft sich der Gesamteinschlag 2021 im Stadtwald auf 2500 Fm zuzüglich der dann noch anfallenden Käferschäden bei Fichten.

Einen Schwerpunkt der Arbeit im Wald bildet die Pflege von Laubbaum-Jungbeständen im gesamten Stadtwald, den Durchforstungen von Douglasien im Untertal und Etzelsee sowie dem Einschlag trockengeschädigter Buchen in Edelfingen (Distrikte 2/0), Hachtel (21/6) und Untertal (29/7) und der Verkehrssicherung an Straßen und Wegen.

Der angestrebte Waldumbau hat das Ziel, neue, klimastabile Waldbestände zu begründen. Dies soll entweder durch Pflanzung oder aus der Förderung von natürlicher Verjüngung geeigneter Baumarten geschehen. Die Sitzungsvorlage zählte Baumarten auf, die mit trockeneren Verhältnissen gut zurechtkommen: Feld- und Spitzahorn, Kirschen, Elsbeere, Speierling, Walnuss, Baumhasel, Esskastanien, Tulpenbaum, Robinie, Weißtanne, Douglasien, Hybridlärchen, Schwarzkiefern und Zedern. Gegebenenfalls kommen weitere fremdländische Baumarten aus Amerika und Asien in Frage, wobei das Forstamt ausdrücklich darauf hinweist, dass hierbei Vorsicht geboten ist. Grund: Außer einzelnen Erfahrungen liegen noch keine wissenschaftlich abgesicherte Ergebnisse vor.

Grundsätzlich sinnvoll sei es, zur Risikostreuung nur Mischungen vorzusehen. Es muss aber sichergestellt sein, dass diese durch wiederkehrende Pflegemaßnahmen erhalten bleiben. Nach bisher gemachten Erfahrungen haben sich Eichen mit Mischbaumarten und Douglasien mit eingemischten Begleitbaumarten auf größeren Flächen bewährt. Wegen der Produktionsdauer von 60 (Douglasien) bis 160 Jahren (Eichen) ist das Risiko bei stark ändernden Ausgangsbedingungen allerdings relativ hoch. Der Forstverwaltung seien aber keine risikoärmeren Alternativen bekannt.

Nachbesserung und Ergänzung

Im Forstbetriebsplan 2012 sind deshalb Nachbesserung und Ergänzung von Kulturen aus 2020 vorgesehen, dazu soll Wild-(Verbiss)-Schutz für etwa 10 000 Jungbäume erfolgen. Außerdem ist das Ausmähen der in den Vorjahren begründeten Kulturen vorgesehen. Die anstehenden Pflegemaßnahmen der Jungbestände erfolgt durch die städtische Forstwirtgruppe (Fortswirtsmeister Christoph Schmidt zusammen mit den Forstwirten Jannik Hahn und Niels Gress). Sie werden, wie in der Sitzungsvorlage dargelegt, die jungen Bestände systematisch durchmustern sowie Sicherungs- und Regulierungsmaßnahmen in den Laubwaldjungbeständen durchführen.

Strittig diskutiert wurde der vorgelegte Forstwirtschaftsplan 2021 im Verwaltungsausschuss nicht; es gab nur einige Fragen und Anregungen. Hubert Schmieg (Grüne) stellte fest, dass „wir mit hohem Aufwand Wildschadensschutz betreiben müssen“. Ziel müsse es aber sein, „dass die Bäume, besonders die wertvollen Arten, auch ohne solche Maßnahmen hochkommen“.

Hariolf Scherer (CDU) verwies darauf, dass der durch das Willinger Tal führende Weg auf rund 1,5 Kilometern asphaltiert sei. „Da läuft das Regenwasser sofort über die Gräben ab.“ Sinnvoll sei es, den Asphalt zu entfernen und den Weg zu schottern sowie in den Gräben Vertiefungen anzulegen, damit der Regen nicht gleich ablaufe, sondern versickern könne und damit „im Wald verbleibt“. Im Haushalt stünden 10 000 Euro für Wegebaumaßnahmen zur Verfügung, das Geld wäre hier sinnvoll eingesetzt, sagte Scherer. Was den Wildschutz (Verbissschutz) angehe, verwies er auf die Vereinbarung in den Jagdpachtverträgen. Dort sei geregelt, dass den Pächtern das Material gestellt werde, das Aufstellen der Zäune sei dann Sache der Pächter. „Wer nicht handelt, bekommt dann eine Rechnung vom Forst.“

Andreas Lehr (CDU) betonte, dass jetzt der von der CDU beantragte Waldumbau angegangen werde. Für den langfristigen Erfolg sei es wichtig, dass die Arbeitsplätze im Wald „weiterhin attraktiv sein müssen. Das betrifft auch die Bezahlung.“ Schließlich bekomme und behalte man gutes Personal „nur dann, wenn die Bedingungen stimmen“.

Der Verwaltungsausschuss beschloss den Forstbetriebsplan 2021 einstimmig.

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