Bad Mergentheim

Nachruf Pater Aurelian Weiß OSB ist gestorben / In Löffelstelzen aufgewachsen

Fleißiger Arbeiter im Weinberg des Herrn

Archivartikel

Löffelstelzen/Münsterschwarzach.Am Abend des 12. Juni 2020 verstarb in der Krankenabteilung des Klosters Münsterschwarzach Pater Aurelian (Alfons) Weiß OSB im Alter von fast 92 Jahren. Sein Weg und Wesen waren stark geprägt von der Heimatverbundenheit mit dem Ort Löffelstelzen/Bad Mergentheim. Dort am 26. Oktober 1928 geboren, wuchs er als Erstgeborener mit weiteren zehn Geschwistern auf. Vater Alois und Mutter Katharina betrieben eine Landwirtschaft und auch einen Weinberg. Neun der elf Kinder gingen in einen kirchlichen Beruf oder in eine Ordensgemeinschaft.

Wie Pater Aurelian in seinem Lebenslauf zur Abiturzeit schrieb, ist er vom Großvater erzogen worden. Die Eltern waren mit dem Aufbau des Hofes sehr gebunden. 1935 wurde Alfons, so sein Taufname, eingeschult. Weil der Großvater den Jungen im gewissenhaften Lernen sehr begleitete, konnte er 1940 nach Bad Mergentheim in die Oberschule wechseln. Aber nach vier Jahren unterbrach der Krieg die Ausbildung. Jetzt musste der Jugendliche zum Schanzen an den Westwall, Nähe Straßburg. Nachdem der Vater überdies zum Volkssturm verpflichtet wurde, übernahm Alfons, der Älteste, die Sorge um die elterliche Landwirtschaft. Nach Kriegsende gelang der Schulfortgang in Mergentheim nicht mehr. Alfons kam durch die Vermittlung des Onkels, Pater Heribert Ruf, an das Gymnasium in Würzburg. Im Studienkolleg St. Benedikt wohnend, näherte er sich der Abtei.

1950 bestand er das Abitur. Am 7. September 1950 war der Eintritt in die Abtei Münsterschwarzach. Der Novize erhielt den Klosternamen Aurelian. Frater Aurelian legte am 12. September 1951 die Zeitlichen, am 20. September 1954 die Feierlichen Gelübde ab. Erzbischof Josef Schneider von Bamberg weihte ihn am 1. Juli 1956 zum Priester.

Nach seiner Priesterweihe war Pater Aurelian Korrektor in der Druckerei und für die Ausbildung des Klosternachwuchses eingesetzt.

Ab 1972 prägte er mit gutem Religionsunterricht die Kursteilnehmer der Landvolkshochschule „Klaus v. d. Flüe“ in Münsterschwarzach. Dazu kam 15 Jahre lang die Seelsorge als Kaplan für die Orte Stadtschwarzach, Schwarzenau, Gerlachshausen, Atzhausen und Dimbach. Viele Jahre war er auch Kuratus der Pfadfinder im Schwarzacher Becken.

1989 wurde Pater Aurelian Pfarrer von Sommerach und Nordheim. Bei der Verabschiedung aus dieser Aufgabe meinte ein Bürgermeister: „Sie haben einfach zu uns gepasst.“ Alle Welt konnte sehen, wie sehr das stimmte. So ist es ein schönes Zeichen, dass ein Weinstockstecken, den Pater Aurelian bei seinen immer flotten Ausgängen dabei hatte, mit im Sarg liegt. Er war wirklich ein „Winzerpfarrer“. Er war ein ganz menschennaher Arbeiter im Weinberg des Herrn. Die Kirche, die er darstellte, war lebensnah, Glauben in den Vorgängen des Alltages. Die Geschicke von Alt und Jung, der Kinder, der Eltern und Alleinstehenden waren seine Herzensanliegen. Seine Liebe und Zuwendung war berührend und spürbar.

2003, als Pfarrer im Ruhestand, lebte P. Aurelian für drei Jahre in der Abtei, betraut mit viel Einzelseelsorge, die das Gästehaus mit sich bringt.

2006 forderte eine neue Bestimmung nochmals alle Kräfte. Nach außen war nicht viel spürbar, aber die privaten Aufzeichnungen erzählen, wie schwer ihm der Schritt so weit weg vom heimatlichen Unterfranken fiel. Da aber das Priorat St. Benedikt/Damme auch wieder ein Ort der Begegnung war, hat die Menschen- und Gottesliebe ihn neu erweckt. So bleibt P. Aurelian im Umfeld des ehemaligen Klosters im Oldenburger Land ein Name, an den sich viele dankbar erinnern.

2015 wurde der alte Baum wieder zurück gepflanzt. Das Alter brauchte Zuwendung und Pflege. Die letzten Jahre lebte P. Aurelian gut umsorgt in der Krankenabteilung. Soweit ihm möglich, gestaltete er von da aus Fürsorge und Kontakte. In seine wesentlichste Beziehung, seine sehnlichste Nähe ist er jetzt aufgenommen bei Gott. Das Requiem und die Beerdigung fand im Kreis der Klostergemeinschaft und der Familienangehörigen statt. Abt Michael

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