Bad Mergentheim

Bürgerforum "Stadtbild" Serie "Mergentheim und das Wasser" (Folge 12) / Der frühere Badepark und die heutige "Solymar"-Therme

Finanzen gerieten gewaltig in Schieflage

Der Badepark "Solymar" steht im Mittelpunkt des zwölften Teils der Serie "Mergentheim und das Wasser"

Bad Mergentheim. Seit Mitte der 1960er Jahre setzte sich ein Förderverein für den Bau eines Hallenbades in Bad Mergentheim ein. Es war ihm ein wichtiges Anliegen, den Schwimmunterricht an den Schulen zu fördern.

Gleichzeitig überlegte die Kurverwaltung, ob sie ihren Gästen ein Mineralbad anbieten solle. Der damalige "Solymar"-Oberbauleiter Manfred Kuchenbecker, in städtischen Diensten, erinnert daran, wie man mit dem Konzept, Sport und Kur miteinander zu verbinden einen neuen Weg beschritt, der voll überzeugte.

Zur Vorgeschichte des "Solymar" gehört auch, dass Mergentheim bei der Kreisreform 1973 den Amtssitz des Landrats verloren hatte. Der neue Landkreis, so ist anzunehmen, zeigte sich deshalb zum Ausgleich besonders großzügig beim Bau des Freizeitbades.

Am 10. Oktober 1975 eröffnete der Finanzminister des Landes Baden-Württemberg Robert Gleichauf das Freizeitbad. Die Zeitungen sprachen von einem Jahrhundertbauwerk, Oberbürgermeister Mauch nannte die Eröffnung ein epochales Ereignis.

Die Einweihung lockte 25 000 Besucher nach Mergentheim. Landrat Bruno Rühl erschien nachdenklicher. Er habe es nicht leicht gehabt, in seinen Gremien zu überzeugen.

Als Grund nannte er die Pleitewelle beim Bau des "Solymars". Zunächst meldete der überregional tätige Generalübernehmer Systembau, er hatte auch die Planung beigesteuert, Konkurs an. Der Nachfolger, die Tauberbischofsheimer Baufirma Jana, musste kurz vor Fertigstellung ebenfalls Insolvenz anmelden. Rühl ging in seiner Eröffnungsrede "von der Erwartung aus, dass die Mergentheimer mit diesem Bad nicht nochmals 'baden gehen' und sich stets über Wasser halten können".

Professor Dr. Wolfgang Reinhart (MdL), der Aufsichtsratsvorsitzende der Kurverwaltung, gab 2008 bekannt, dass das in die Jahre gekommene "Solymar" nunmehr eine "Attraktivierung" notwendig hat. Ein europaweiter "wettbewerblicher Dialog" wurde eingeleitet.

Das Verfahren fand unter strikter Geheimhaltung statt. Den Zuschlag erhielt die Gesellschaft g1.

Ob den geheim Tagenden die Zuordnung dieser Gesellschaft zum Firmengeflecht der Familie Steinhart bekannt war? Sicher hätte die Öffentlichkeit bei einem transparenten Vergabeverfahren schnell die Verbindung zu dem "Bäderkönig" hergestellt. Für ihn interessierte sich mehrfach die Staatsanwaltschaft. Die Fränkischen Nachrichten vom 3. Juli 2012 berichten außerdem, dass er 37 Monate in Stuttgart Stammheim einsaß.

Vor diesem Firmenhintergrund ist es, so das Bürgerforum "Stadtbild" heute, kaum überraschend, dass g1 im Sommer 2012 Insolvenz angemeldete. Für die Stadt Bad Mergentheim, mittlerweile Alleineigentümer, wurde die Baustelle in vielerlei Hinsicht eine riesige Herausforderung. Der Finanzhaushalt geriet gewaltig in Schieflage. Die Sache ist auch noch nicht ausgestanden.

Im Herbst 2014 konnte das Freizeitbad nach dreijähriger Umbaupause wieder eröffnet werden. wk