Bad Mergentheim

Leserbrief Zum Leserbrief „Unattraktiver gemacht“ (FN 3. Januar)

Es wäre falsch, alles nur schlecht zu reden

Wolfgang Mohr hat Recht. Der Bad Mergentheimer Stadtbusverkehr ist seit Jahresbeginn weniger geworden. Statt drei fahren jetzt nur noch zwei Fahrzeuge durch die Kernstadt, nach Löffelstelzen, Neunkirchen und Igersheim. Althausen wird vom Stadtbus nicht mehr bedient. Die Busse fahren größere Schleifen, was die Fahrzeit für die Fahrgäste verlängert.

An etlichen Haltestellen gibt es nur noch einen Stunden- statt des bisherigen Halbstundentakts. Das Ruftaxi, das Herr Mohr meint, wenn er vom Rufbus spricht, wurde ganz abgeschafft. Schuld daran sind aber nicht die Planer, die ich gegen Vorwürfe in Schutz nehmen möchte, sondern die Gemeinderäte. Sie haben diese Angebotskürzungen mehrheitlich beschlossen.

Während der Landkreis das Angebot im öffentlichen Nahverkehr deutlich ausbaut, verhält sich die Stadt Bad Mergentheim genau umgekehrt und kürzt es. Gleichzeitig hat der Gemeinderat aber kein Problem damit, das Autofahren zu subventionieren, indem man in den städtischen Parkhäusern kostenloses Parken ermöglicht oder Parkplätze in den Innenstadtstraßen aufwendig schafft und teuer pflastert statt sie nur zu asphaltieren. Verkehrsstaus im Berufsverkehr, Feinstaub- und Stickoxid-Belastung der Luft, all diese Probleme verstärkt die Gemeinderatsmehrheit mit diesen Entscheidungen.

Wir Grüne haben uns im Gemeinderat für drei Stadtbusse und für das Ruftaxi eingesetzt – leider erfolglos. Es wäre aber völlig falsch, das jetzige Angebot nun schlecht zu reden. Die neuen Fahrzeuge bieten nämlich auch neuen Komfort. Es gibt darin kostenloses WLAN.

Der Einstieg ist dank ausklappbarer Rampen auch für Rollstuhlfahrer und mit Kinderwagen oder Rollatoren bequem möglich. Die jeweils nächsten Haltestellen werden auf einem Bildschirm angezeigt und automatisch durchgesagt, was Sehbehinderte schätzen werden.

Inhaber der Gästekurkarte fahren kostenlos mit. Es gibt also Grund genug, weiter mit dem Stadtbus zu fahren oder ihn neu für sich zu entdecken. Je besser er angenommen wird, umso größer sind die Chancen, dass das Angebot auch wieder ausgeweitet wird. Außerdem kann man bei der nächsten Gemeinderatswahl Menschen wählen, die Mobilität für alle statt nur für Autofahrende möglich machen.