Bad Mergentheim

Historisches Schützen-Corps Herzog-Paul-Abend im katholischen Gemeindehaus mit Ehrengästen und Abordnungen aus ganz Baden-Württemberg

Erinnerung an einen Ehrenbürger der Kurstadt

Archivartikel

Bad Mergentheim.Er war Sammler, Schirmherr des freiwilligen Schützen-Corps, Ehrenbürger und ein rastlosender Reisender: Herzog Paul war wohl die schillerndste Figur des Hauses Württemberg im 19. Jahrhundert. 1827 erhielt Herzog Paul Wilhelm von Württemberg anlässlich seiner Vermählung mit Prinzessin Sophie Dorothee Caroline von Thurn und Taxis das Mergentheimer Schloss von als Wohnsitz zugesprochen und brachte somit wieder höfischen Glanz in die Stadt. Am 7. September 1831 wurde ihm das Ehrenbürgerrecht der damaligen Oberamtsstadt Mergentheim verliehen. Herzog Paul, ein Vetter König Wilhelms, bewohnte das Mergentheimer Schloss, in dem er auch seine berühmte Naturaliensammlung aufbewahrte, von 1827 bis zu seinem Tod am 25. November 1860. Er wurde zwar als Chef des Schützen-Corps’ bezeichnet, war aber wohl mehr ein Freund und Gönner.

Ihm zu Ehren feiert das Historische Schützen-Corps alljährlich Mitte September den Herzog-Paul-Abend, in diesem Jahr jedoch nicht wie üblich in der Wandelhalle, sondern im Katholischen Gemeindehaus. Zu Gast war in diesem Jahr der Historiker Sascha Kimmelmann, der über „Die Urbansbruderschaft in Mergentheim“ referierte.

Der Abend begann mit dem Salut zu Ehren Herzog Pauls vor dem Gemeindehaus, ehe der historische Festabend begann, der musikalisch vom Hornistenzug des Historischen Schützen-Corps und einem Quartett der Stadtkapelle Bad Mergentheim aufs Vorzüglichste gestaltet wurde.

Die Begrüßung der Gäste und der zahlreichen Abordnungen, darunter der Große Siedershof aus Schwäbisch Hall, die Bürgergarde Ellwangen, Kameraden der Historischen Deutschorden-Compagnie, die Bürgergarde Hüttlingen und die Deutschmeister Schützengilde, übernahm Hauptmann Andreas Schweitzer. Das Grußwort der Ehrengäste sprach Oberbürgermeister Udo Glatthaar, der lobende Worte für die Verdienste des Corps um die Geschichte der Stadt fand.

Der offizielle Teil begann mit einem kleinen Konzert des Hornistenzugs. Die Musiker brachten mit Signalhörnern und Trommeln Märsche aus der Mitte des 19. Jahrhundert zu Gehör. Dazwischen erläuterte Hauptmann Andreas Schweitzer die Geschichte der Naturhörner und der damaligen Musik. Als Höhepunkt des Abends wurde die Verlesung der Herzog Paul’schen Ehrenbürgerurkunde historisch nachgestellt und anschließend erfreute ein Quartett der Stadtkapelle Bad Mergentheim das Publikum mit schönsten Melodien.

Vor allem der „König-Karl-Marsch“, der im Jahre 1891 zu Ehren des Königs Karl I. von Württemberg entstand, sowie der Deutschmeister Regimentsmarsch“ begeisterte die Zuhörer.

Mit einem geziemenden „Furchtlos und treu“, dem Wahlspruch des Corps, wurden vier Kameraden für langjährige Treue zum Verein ausgezeichnet: Matthias Kraus für 20 Jahre mit der silbernen Verdienst-Medaille des Landesverbands, Engelbert Löhr, Manfred Bucherer und Hubert Herschlein für jeweils 40 Jahre mit dem Verdienst-Kreuz in Silber des Landesverbands und mit dem St. Sebastianskreuz in Silber des Historischen Schützen-Corps Bad Mergentheim.

Höhepunkt des Abends war jedoch der Vortrag des Historikers Sascha Kimmelmann, der über die „Urbansbruderschaft in Mergentheim“ referierte. Diese Bruderschaft, so Kimmelmann, die offensichtlich seit 1681 bestand, sei nah den Weingärtnerzünften verwandt gewesen, rücke jedoch durch die Verbindung zum Heiligen Urban und das Fehlen einer Genossenschaft mehr in die Nähe der Heiligenbruderschaft. Die Mitglieder der Bruderschaft entstammten überwiegend aus den wenig begüterten Bevölkerungskreisen, was aufgrund der niedrigen Beiträge ersichtlich sei. Die Bruderschaft garantierte den Absatz der Produkte, Beschaffung der Rohstoffe, einheitliche Preise und überwachte die Qualität der Erzeugnisse. Sascha Kimmelmann: „Für Witwen und Töchter wurde von zünftigen Netzwerken materielle Unterstützung bewährt“.

Weinbau sei in Franken bereits seit dem 8. Jahrhundert belegt, Mitte des 16. Jahrhunderts, so Sascha Kimmelmann weiter, war der Taubergrund und Franken mit 40 000 Hektar das größte zusammenhängende Weinbaugebiet in Europa. Noch 1813 besaß das Taubertal etwa 900 Hektar Rebfläche, 1819 gab es 807 Morgen Weinberge in Mergentheim. 1830 hatte Mergentheim 2 359 Einwohner, von denen die meisten neben der Landwirtschaft auch Weinbau betrieben und somit in der Urbansbruderschaft organisiert waren. Doch auch diese Bruderschaft konnten den Verfall des Weinbaus in Mergentheim nicht aufhalten. Sie selbst ging genossenschaftliche Institutionen als Vorläufer der Weingärtnergenossenschaften über, so Kimmelmann weiter. 1906 habe es noch 83 Hektar Weinberg in Mergentheim gegeben, vor allem am Ketterberg und im Schorren. Sascha Kimmelmann: „Im Mai 1906 schrieb die Häckerzunft in ihr Prokokoll ’Der hiesige Häcker-Weingärtner-Verein hat im Jahre 1859 von der aufgelösten Weingärtnerzunft dahier ein Kapital von 600 Gulden, eine Fahne mit Bildnis des Papstes Urbaunus erhalten’.“

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