Bad Mergentheim

Naturschutzbund „Dialogforum Landwirtschaft und Naturschutz“ besuchte Ecoland-Betrieb im Main-Tauber-Kreis / Abnehmende Zahl an Feld- und Wiesenvögeln

Erfolgreicher Artenschutz geht nur mit den Landwirten

Archivartikel

Wachbach.Auf den Weiden, Äckern und Wiesen von Anton Scheidel gibt es eine Vielfalt, die selten geworden ist. Der Ecoland-Landwirt baut mit seiner Familie verschiedene Kulturen an, darunter Dinkel, Emmer, Einkorn, Erbsen, Linsen, Grünkern, Leinsamen und Esparsette. Dazwischen haben Wildkräuter wie Adonisröschen oder Ackerrittersporn ihren Platz.

Wie wertvoll diese vielfältige Feldflur für ihre tierischen Bewohner ist, erfuhren die Teilnehmer des Naturschutzbund-Projekts „Dialogforum Landwirtschaft und Naturschutz“ vor kurzem in Wachbach. Die Exkursion zum Betrieb Scheidel zeigte laut Nabu-Pressemitteilung: Die reich strukturierte Landschaft in Kombination mit einer schonenden Bewirtschaftung ergibt einen wertvollen Lebensraum – etwa für die Wiesenweihe.

In diesem Jahr wurden in den Landkreisen Main-Tauber und Schwäbisch Hall 15 Brutpaare des bedrohten Greifvogels gezählt, berichtete Wolfgang Dornberger. Der Vogelexperte engagiert sich für den Nabu und für den Landesnaturschutzverband in der Region, und ist Mitglied der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Main-Tauber-Kreis. „Wir verbringen in der Brutzeit Stunden damit, zu beobachten, wo sich das Wiesenweihen-Paar zur Nahrungsübergabe trifft. Nur so können wir herausfinden, wo das Nest liegt“, so Dornberger. „Dann besprechen wir, wann und wo gefahrlos geerntet werden kann. Die Mithilfe der Landwirte ist dabei das Wichtigste. Direkter und erfolgreicher geht Artenschutz nicht.“

Auch andere Vögel, frühere „Allerweltsarten“, sind dringend auf Unterstützung angewiesen. Die Feldlerche, Vogel des Jahres 2019, ist im Raum Niederstetten auf einer 200 Hektar großen Kontrollfläche mit rund 30 singenden Männchen vertreten, ergaben Untersuchungen von Wolfgang Dornberger. Beim Kiebitz gibt es noch höchstens fünf Brutpaare im Main-Tauber-Kreis. Das vom Aussterben bedrohte Rebhuhn brütet nur noch vereinzelt, ebenso wie die Wachtel. Dieser Abwärtstrend bestätigt einen aktuellen Bericht der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft. Darin heißt es, dass die Zahl der (stark) abnehmenden Feld- und Wiesenvögel in Deutschland von 55 Prozent auf 68 Prozent gestiegen. Für Wolfgang Dornberger ist klar: Mehr Vielfalt in der Landschaft bedeutet mehr Leben. Der Ornithologe nennt einige elementare Bestandteile für den Feldvogelschutz: „Blühstreifen, kleinere Feldgrößen, das Belassen von Feldrainen, Ackerrändern, Gras- und Erdwegen, späte und gestaffelte Mahd von Grünland und Randstreifen während der Brutzeit.“

Auch an der Nahrung darf es nicht mangeln, um Rebhuhn, Goldammer, Dorngrasmücke, Neuntöter und weitere Vogelarten zu unterstützen. „Blühstreifen erfüllen mit einer Vielzahl heimischer Wildkräuter den Nahrungsbedarf vieler Vogelarten – in Form von Samen, aber auch durch das Anlocken zahlreicher Insekten“, betonte Dominique Aichele, Leiterin des Nabu-Projekts „Dialogforum Landwirtschaft und Naturschutz“. Dass die extensive Beweidung ebenfalls den Feld- und Wiesenvögeln zugutekommt, sahen die 35 Gäste auf Anton Scheidels Weide. Während die Mutterkuhherde die letzten warmen Tage draußen verbrachte, waren die Kuhfladen Anziehungspunkt für unzählige Insekten – und damit Vogelfutter. Auf den schonend beweideten Flächen sind auch im Oktober noch Blüten zu sehen.

Mit Lorenz Flad, Geschäftsführer des Kommunalen Landschaftspflegeverbands Main-Tauber, sprachen sich die Teilnehmer für eine bessere Förderung von Naturschutzmaßnahmen in der Agrarlandschaft aus. Jochen Goedecke, Nabu-Landwirtschaftsreferent, verwies auf die Dringlichkeit, die Betriebe beim Schutz strukturreicher Landschaften zu unterstützen. Er betonte auch, dass sich der Nabu weiterhin politisch für eine bessere Finanzierung der Schutzbemühungen einsetzen werde. Für die Region hoffe er auf eine „Initialzündung“ durch das Dialogforum: „Ich würde mich freuen, wenn ein Runder Tisch entsteht, um den Feldvogelschutz hier im Kreis nachhaltig voranzubringen.“

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