Bad Mergentheim

Straßennamen (Teil 3) Lorenz Fries wird als größter fränkischer Geschichtsschreiber des 16. Jahrhunderts gefeiert / Archivar und Geheimer Sekretär in Würzburg

Er war der Vertraute mächtiger Bischöfe

Archivartikel

Die Lorenz-Fries-Straße erinnert an einen bedeutenden Sohn Bad Mergentheims. Er stand Jahrzehnte lang im Zentrum der Macht Würzburger Bischöfe.

Bad Mergentheim. Am 400. Jahrestag seines „Heimgangs“ gedachte die Würzburger Gesellschaft der Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte des „größten fränkischen Geschichtsschreibers des 16. Jahrhunderts“. Bei der Morgenfeier am 3. Dezember 1950 wurde die tiefe Verbundenheit der Diözese Würzburg mit dem fürstbischöflichen Vertrauten, Rat, Archivar, Diplomaten und Humanisten Lorenz Fries zum Ausdruck gebracht.

Der „viel genannte und in Wirklichkeit so wenig gekannte“ Magister, der am 24. Juni 1491 in Mergentheim das Licht der Welt erblickte und am 5. Dezember 1550 in Würzburg starb, sei „den bedeutendsten Köpfen seiner Zeit“ nahe gestanden und habe sich „der Wertschätzung aller erlauchten Geister seines Jahrhunderts“ erfreut. Seine „Hohe Registratur“ leite den Forscher sicher durch die Archivbestände seiner Zeit.

Neben der „Geschichte des Bauernkrieges“ stehe sein eigentliches Lebenswerk, die vielgerühmte „Bischofs-Chronik“, würdigte Domkapitular Dr. Theodor Kramer das Wirken von Lorenz Fries.

Er fand im Kreuzgang des Würzburger Doms seine letzte Ruhestätte, die allerdings durch die „Ungunst der Zeitläufte aus dem Gedächtnis der Menschen getilgt“ worden sei.

Armer Student

Lorenz Fries wuchs in Mergentheim offensichtlich in bescheidenen Verhältnissen auf, denn als er nach dem Besuch der Lateinschule als „Laurencius Frise de Mergental“ an der Leipziger Universität immatrikuliert wurde, wurde er als „Armer“ (pauper) registriert und von den Gebühren befreit.

Nach weiteren Studien an der Uni Wien, der Hochburg des deutschen Humanismus, kehrte Fries als Magister der freien Künste ins Frankenland nach Würzburg zurück, wo er, nach Hauslehrertätigkeit und einem Kurzstudium im lutherisch brodelnden Wittenberg, eine bedeutende Laufbahn einschlug.

Auch als Diplomat unterwegs

Von 1520 bis 1550, also 30 Jahre lang, „gehörten das fleißige Leben und das unermüdliche Schaffen des Lorenz Fries seinen bischöflichen Herren und ihrem Staate, dem Hochstift Würzburg“, brachte Prof. Dr. Dr. Wilhelm Engel in seiner damaligen Festrede vor den Freunden der Mainfränkischen Kunst und Geschichte die Karriere von Lorenz Fries auf einen Nenner. Er stieg zum Geheimen Sekretär, Rat und Mitarbeiter (nicht Vorstand, wie immer wieder behauptet wird) der bischöflichen Kanzlei auf, wo „die politischen Fäden dieser so erregten und spannungsreichen Jahre für Bistum und Hochstift“ zusammenliefen und ihn auch als Diplomat im außenpolitischen Dienst forderten.

Den Bauernkrieg erlebt

Seine jahrelange Archivarbeit machte Fries für die Verwaltung des Bistums und des Hochstifts zu einem „lebendigen Nachschlagewerk“. Neben all diesen Tätigkeiten fand er noch Zeit, seinen historischen Neigungen Raum zu geben. Etwa ab 1530 begann er, die „Geschichte des Bauernkriegs in Ostfranken“, deren Zeitgenosse er ja gewesen war, niederzuschreiben, wobei er unter anderem zahlreiche Schriftstücke, solche der Aufständischen und solche der vom Aufstand Bedrohten, verwendet hat. Er tritt zwar als Geschichtsschreiber hinter den Fakten des Geschehens zurück, lässt aber keinen Zweifel daran, dass er auf der Seite des Bischofs und der alten Ordnung steht.

Lorenz Fries, der zweimal verheiratet war und zweimal den Tod seiner Ehefrau beklagen musste, ging einsam und wohl auch selbst vom Tod gezeichnet an sein Testament, dessen Wortlaut nicht mehr bekannt ist. Einwandfrei überliefert sei dagegen, so Wilhelm Engel, „daß er, der in einem tätigen und bewegten Leben zu einigem Wohlstand gekommen war, sich bei der Vorbereitung auf die letzte Stunde seiner eigenen Armut in der Mergentheimer Jugendzeit erinnert hat“.

Und so stiftete er dem Rat seiner Vaterstadt, die 1986 auch eine Schule nach ihm benannt hat, die stattliche Summe von 100 Gulden, wobei 80 Gulden für zinslose mehrjährige Darlehen zugunsten von jungen, unvermögenden Paaren und Arme bereit gestellt werden sollten. Die restlichen zwanzig Gulden sollten von den Ratsherren verliehen und der jährliche Zinsertrag für ein Ratsherrenessen auf dem Rathaus verwendet werden, um dabei des verstorbenen Magisters Lorenz Fries „im besten“ zu gedenken.

Eine entsprechende Empfangsbestätigung des „Laurenzigulden“ mit einer Verpflichtungserklärung des Stadtrates wurde überliefert und befindet sich im Bad Mergentheimer Stadtarchiv.

Die nächste Folge

Im nächsten Teil unserer Serie wollen wir den „Fall Petra Kelly“ aufrollen.

Zum Thema