Bad Mergentheim

Straßennamen (Teil 6) Milchlingstraße erinnert an den wohl bekanntesten Hoch- und Deutschmeister Mergentheims / Wolfgang Schutzbar ließ das Rathaus erbauen

Er gehört zu den Wahrzeichen der Stadt

Zwei der beliebtesten Bad Mergentheimer Fotomotive sind eng mit dem Hoch- und Deutschmeister Wolfgang Schutzbar verknüpft: Das alte Rathaus und der Milchlingsbrunnen.

Bad Mergentheim. Es war im Dezember des Jahres 1565, als Wolfgang von Schutzbar, genannt Milchling, hochbetagt und schwer krank, auf den 10. Februar nächsten Jahres ein Generalkapitel des Deutschen Ritterordens nach Mergentheim einberief. Die meisten Gebietiger, wie führende Köpfe der Organisation betitelt wurden, versammelten sich in der Stadt an der Tauber, in welcher der Orden nicht nur residierte, sondern auch die Herrschaft inne hatte. Sie trafen auf einen schwachen, sterbenskranken Hoch- und Deutschmeister, der die Versammlung nicht mehr eröffnen konnte und am 11. Februar 1566 starb. In der Ordenskirche wurde er beigesetzt.

Wenn man die Stufen hinab zur Gruft der Schlosskirche steigt, dann erscheinen in diesem überraschend hellen Raum Grabdenkmäler von Hoch- und Deutschmeistern, Komturen und Ordensrittern wie aus einer Welt, die längst vergangen, ja untergegangen ist. Auf dem steinernen Grabmonument des Wolfgang Schutzbar, der 23 Jahre lang an der Spitze des Ordens stand, sieht man den Hochmeister vor einem Kreuz in Andacht und Demut knien. Wer Schutzbar (gemeint ist Schutzspeer) in Wirklichkeit war, das weiß man nicht. Aber seine historischen Hinterlassenschaften in Mergentheim sind bekannt.

Schutzbar lebte in einer unsicheren Zeit. Also ließ er 1544, ein Jahr nach seinem Regierungsantritt, die Befestigung der Stadt verstärken und die Stadtmauer erhöhen. Er verbesserte die Wasserversorgung, indem er, und das war neu in Mergentheim, eine Wasserleitung vom Eisenberg in die Stadt legen ließ. Zudem wurden anstelle von Zieh- und Pumpbrunnen Röhrenbrunnen errichtet, so dass sich die Bevölkerung aus heute noch bestehenden Springbrunnen versorgen konnte.

Auch der eindrucksvolle Rathausbau (1564), nur einen Steinwurf vom Milchlingsbrunnen entfernt, hat die Stadt Wolfgang Schutzbar zu verdanken. Hier ist allerdings anzumerken, dass nicht die Bürger das Rathaus errichteten, sondern der Deutsche Orden als Bauherr auftrat, die Räumlichkeiten an die Stadt vermietete und in allen wichtigen städtischen Angelegenheiten weiterhin das Sagen hatte.

Zeichen des Dankes

Der Legende nach soll die Stadt als sichtbares Zeichen des Dankes Wolfgang Schutzbar zu Ehren den Brunnen vor dem Rathaus mit der Statue des Hochmeisters errichtet haben. Ob es sich bei der Skulptur auf dem Milchlingsbrunnen tatsächlich um den Hoch- und Deutschmeister handelt oder, was wahrscheinlicher ist, nur um eine allgemeine Ritterfigur mit dem Wappenschild des Hochmeisters, wird in der Literatur unterschiedlich dargestellt.

Jahrzehntelang standen sich der Deutsche Orden und der Johanniterorden feindselig in Mergentheim gegenüber. 1554 gelang es Wolfgang Schutzbar, den Besitz des Johanniterordens, vor allem den Johanniterhof mit allen Gütern und Rechten, zu erwerben und damit den Nebenbuhler in Mergentheim auszuschalten. Bis dahin war der Deutsche Orden zwar Stadtherr gewesen, doch die Pfarre befand sich in der Hand der Johanniter, die sich immer mehr dem Luthertum zuwandten. Mit der Übernahme des Patronatsrechts über die Stadtkirche durch den Deutschorden war somit auch die Frage der Konfessionszugehörigkeit der Bevölkerung zugunsten des Katholizismus’ entschieden.

Dass der katholische Orden mit seiner Regierung in Mergentheim residierte und zugleich ein verlässlicher Gefolgsmann des Kaisers war, wurde der Stadt im Schmalkaldischen Krieg zum Verhängnis. Diesen Krieg bezeichnete der Ordensarchivar Anton Breitenbach in seiner im 19. Jahrhundert erschienenen Chronik als „Nachgeburt des Religionskrieges, welchen die protestantischen Fürsten wider Kaiser Karl V. und die katholischen Stände des deutschen Reiches führten“.

Einwohner misshandelt

1552 versammelt sich eine riesige Heeresmacht vor den Toren Mergentheims und fordert die Stadt erfolglos auf, sich zu ergeben. Markelsheim und Igersheim werden daraufhin überfallen und ausgeplündert. Die Burg Neuhaus wird in Brand gesteckt. Dann ist Mergentheim an der Reihe. Neun Tage lang wird die Stadt beschossen, bis sie sich auf Gnade und Ungnade ergibt und erobert wird. Obwohl ihr die Zahlung einer Brandschatzung in Höhe von 40 000 Gulden auferlegt wird mit dem Versprechen, dass weder geplündert, noch Gebäude in Brand gesteckt werden, lassen die feindlichen Fürsten sogleich nach Empfang des Geldes „der Zügellosigkeit ihrer Soldaten freien Lauf, welche dann in die Stadt eindrangen und solche durch Plünderung und Mißhandlung der Einwohner hart mitnahmen“, schreibt Breitenbach.

Man sieht: Wolfgang Schutzbar und der Deutsche Orden hinterließen nicht nur, vor allem auf architektonischem Gebiet, positive Spuren. Sie zogen auch Feinde auf sich und brachten damit viel Leid über die Stadt und ihre Bewohner.

Die nächste Folge

In unserer nächsten Folge kehren wir in die Gemeinderatssitzung vom 18. Dezember 2014 zurück, als Straßennamen für das Bad Mergentheimer Neubaugebiet „Auenland II“ nahezu einhellig vergeben wurden. Als dann noch eine „Schwarzrieslingstraße“ für das Neubaugebiet „Fluräcker“ in Markelsheim vergeben werden sollte, wurde es „haarig“.

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