Bad Mergentheim

Modelleisenbahn-Club Bad Mergentheim „Eingemottete“ Anlage wird fahrtüchtig gemacht / Clubräume sind Baustelle

Endlich wieder eine Lok aufs Gleis setzen

Wer der Faszination Eisenbahn einmal verfallen ist, den lässt sie nicht mehr los. Das gilt auch für die Modelleisenbahnen. Der Bad Mergentheimer Modelleisenbahn-Club ist zurzeit viel beschäftigt.

Bad Mergentheim. Es ist ein alter Witz, doch er hat einen wahren Kern: „Warum schenken so viele Väter ihren Kindern eine Eisenbahn? Damit sie selbst was zum Spielen haben!“ Das Kind im Manne will also raus aus der engen Welt von Beruf und diversen Pflichten, und dabei braucht es gar nicht kindlich zuzugehen, und bei der Modelleisenbahn bietet sich ein weites Feld.

Wer gar in einem Club oder Verein tätig ist, kann auch eine große Anlage aufbauen, pflegen und im Fahrbetrieb genießen. „Wenn man kann“, sagt Hans-Karl Kunhäuser. „Fahren können“ können er und seine 24 Club-Kollegen nämlich schon fast zwei Jahre nicht mehr, denn die Räume des Clubs im Keller der Bad Mergentheimer Berufsschule waren nicht zugänglich; der Keller ist nämlich eine Baustelle. „Wir mussten unsere Anlage einmotten, also vor Staub und Farbklecksen und vor herabfallenden Kleinteilen schützen.“ An einen Fahrbetrieb war folglich nicht zu denken. Jetzt aber „können wir uns endlich wieder mit unserer Anlage beschäftigen“.

Zwar ist das Kellergeschoss nach wie vor Baustelle, doch die Modelleisenbahnler haben wieder Zutritt und richten ihre Räume her. Da wird aufgeräumt, gegipst, gemalert und natürlich auch die große Modelleisenbahn wieder freigelegt. Millimeterdick hat sich der Staub auf die Plastikfolien gelegt; beim Auspacken müssen die Club-Mitglieder darauf achten. Schließlich soll der ganze „Segen“ nicht auf die Anlage rieseln.

Martin Kunhäuser ist der Vorsitzende des Clubs, und mit ihm sind an diesem Abend weitere Mitglieder gekommen. Etwa Hans-Karl Kunhäuser, Messerschmied-Meister und Eisenbahn-Fan „durch und durch“, der sogar einen Dampflok-Führerschein hat und regelmäßig ein Dampfross fährt. Die Modelleisenbahn ist dann „das Sahnehäubchen obendrauf“.

Jürgen Schulz, der sonst als Chefkoch und Hotelier wirkt, hat Gips angerührt und verputzt einen Türrahmen. Viel Arbeit an den regelmäßigen Club-Abenden – die Treffen sind immer Mittwochs ab 19.30 Uhr – hat auch Kassier Paul Bumm, denn als Ingenieur hat er das Know-how für Elektrik und Elektronik. Oliver Maurer ist der zweite Vorstand, aktuell aber vor allem als „Mann fürs Grobe“ für den Club tätig – die Renovierung der Club-Räume braucht jede helfende Hand. Und auch Niklas Hof-stetter, der jüngste im Bunde an diesem Abend, langt überall hin, wo es nötig ist. Die Männer haben ein großes gemeinsames Ziel, und das ist die Wiederinbetriebnahme ihrer Modelleisenbahn.

Diese Anlage ist wahrhaft kein „Bähnle“, sondern hat stattliche Abmessungen. Etwa 50 Quadratmeter Landschaft, Gleise und Bahnanlagen sind zu sehen, und im „Untergeschoss“, das sich dem Betrachter nur durch einige Sichtfenster erschließt, sind die „Schattenbahnhöfe“ – hier werden Züge geparkt, die dann abwechselnd auf die Reise geschickt werden. Die Landschaft ist abwechslungsreich: Ein bisschen Voralpenland, aber auch viel „Hohenlohe-Taubertal“, wie Kunhäuser sagt. Und natürlich ist alles selbst ausgedacht und umgesetzt, denn „Modelleisenbahn heißt immer auch ein bisschen Modellbau“, sagt der Vorsitzende.

Wer genau hinschaut, entdeckt die Zuckerrübenverladerampe eines Lagerhauses ganz in der Nähe. „Selbst angefertigt, Fertigbausätze, aber auch abgewandelt und neu zusammengesetzt“, erläutert Hofstetter. Der ist ganz gerührt, als er ein Schaltpult auspackt – „ja, alles sauber, die Drehregler gehen“, freut er sich. Ob sie wirklich gehen, ob der Strom auch fließt, das muss sich aber erst noch zeigen. Den Ingenieur juckt es da schon in den Fingern, aber „wir müssen auch noch die Beleuchtung neu machen“, sagt Bumm. Ohnehin ist bei der Modellbahn viel Feinarbeit nötig, denn ein bisschen Staub hat den Weg durch die Verpackung gefunden und muss sorgfältig entfernt werden – von den Gebäuden, den Brücken, Straßen, Fahrzeugen, Gleisen, den Signalen, aber auch von der Landschaft und dem Fluss sowie den Menschen, die an Bahnhöfen und Straßen stehen. Da sind ruhige Hände gefordert, „und Geduld braucht’s auch“, sagt Maurer.

Die Anlage ist eine „H0“, also im Maßstab 1:87. „Wir fahren zweigleisig und können gleichzeitig 18 bis 20 Züge fahren lassen“, verdeutlicht Martin Kunhäuser die Dimensionen und die „Fahrdienstleiter“-Herausforderungen. „Wenn die Anlage voll läuft, sind zwei bis vier Mann gefordert.“ Doch das ist Zukunftsmusik, zunächst muss noch viel getan werden, damit die Modellbahn endlich wieder vollständig ausgepackt und gereinigt werden kann. „Und dann müssen wir sehen, ob alles noch so funktioniert, wie wir es in Erinnerung haben.“

Eine Modelleisenbahn ist immer ein sinnliches Erlebnis, und so „richtig fertig ist eine solche Anlage nie; es gibt immer etwas zu verbessern oder zu ändern“, weiß auch Schulz. Das schöne am Clubleben sei halt, „dass man sich immer austauschen kann“. Wie macht man was, was gilt es zu beachten, wo bekommt man bestimmte Teile her? Das sind dabei die klassischen Fragen. Aber auch das gemeinsame Werkeln und der Fahrbetrieb „machen viel Freude“, sagt Maurer. Wenn die Räume renoviert sind und die Züge fahren können, kann der Club auch wieder eine Ausstellung organisieren. „Viele Bekannte haben mich schon gefragt, ob es uns noch gibt“, sagt Hans-Karl Kunhäuser. Verständlich, dass die Mergentheimer Modelleisenbahner so schnell wie möglich das Signal auf „Abfahrt“ stellen wollen.

Zum Thema