Bad Mergentheim

Im „Willinger Tal“ Pachtvertrag der Traditionellen Bogenschützen läuft aus / Neuer Parcours soll auf dem „Schneckenberg“ entstehen

Ende Gelände: Schützen müssen weichen

Der Bogensport-Parcours im „Willinger Tal“ zieht Sportler aus nah und fern an. Jetzt heißt es bald: „Ende Gelände“.

Bad Mergentheim. Die weißen Kugelfänger aus Beton bilden eine Flucht. Unter ihnen lugen Uhu, Hase und Wiesel aus dem hohen Gras hervor. Noch interessanter ist das Drumherum der Schießanlage. Dort, im Wald, verstecken sich Bären, Bisons und sogar Tiger im Schutz der Bäume. Viel Herzblut floss in den 3D-Parcours der Traditionellen Bogenschützen Tauberfranken (TBT) im Willinger Tal.

Doch diese Zeit endet nun. 2020 laufe der Pachtvertrag zwischen dem Verein und dem DRK-Ortsverband aus, erzählt TBT-Vize Heinz Drost bei einem Treffen auf der ehemaligen Schießanlage der Bundeswehr. Gemeinsam mit dem frischgebackenen Vorsitzender Edgar Dreyer hielt er einen Rück- und Vorausblick.

Bereits seit einer Weile, so Drost, habe man die einen oder anderen neuen Konditionen in Kauf nehmen müssen. Ein Beispiel sei das Hundeverbot. Das habe den Verein einige Mitglieder gekostet, die auf einmal nicht mehr mit ihrem Vierbeiner zum Sport kommen durften.

Auch teurer sei die Anlage geworden. Habe man ursprünglich etwa 1200 Euro für die circa 40 000 Quadratmeter im Jahr bezahlt, müsse man 2020 bereits das Doppelte aufwenden. Die Bogenschützen, so Drost, wären trotzdem gerne geblieben.

Nachvollziehbarerweise, wirft man einen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Parcours und wie viel Arbeitseifer mit ihr verbunden war (siehe weiterer Artikel).

Wie ein Selbstläufer

Und genau auf den Schweiß, der geflossen ist, und die naturnahe Philosophie, mit der man den Parcours errichtete, ist der Erfolg des Vereins zurückzuführen. Denn als alles stand, entwickelte sich der Rest wie ein Selbstläufer. „Ich weiß noch, dass wir am Anfang sagten: ’Wenn wir irgendwann mal 20 Leute haben, können wir uns schon von und zu schreiben’“, lacht Drost. Zwei Jahre später habe man bereits das 50. Mitglied begrüßt. Heute bewege man sich knapp unter der 100-Mitglieder-Marke.

Auch die Turniere erfreuten sich wachsender Beliebtheit. In der Tat sei es bald sogar so gewesen, dass man die Teilnehmerzahl begrenzen hatte müssen. „Irgendwann ging es so weit, dass Leute, die nicht mitmachen konnten, unten am Tor darauf warteten, ob nicht doch noch jemand abspringt“, erinnert sich der TBT-Vize. „Wir haben circa 30 Stationen mit insgesamt 50 Motiven, die teilweise auch in Gruppen stehen“, erklärt TBT-Vorsitzender Edgar Dreyer beim Gang über das Gelände. Die Turnierregeln seien einfach. Beim Schießen auf die Motive komme es darauf an, die so genannte Kielzone zu treffen.

Tödlicher Treffer

Die sitzt bei jedem der lebensgroßen Kunststofffiguren wo anders. Immer jedoch dort, wo man einen schnellen, tödlichen Treffer erzielen würde. Gelingt einem dieser, gibt es mehr Punkte als bei einem Treffer in die anderen Körperstellen.

So, erklärt Dreyer, sei man in Vierer- oder Fünfer-Gruppen von Station zu Station unterwegs. Einmal sei man auf der Höhe des Tiers. Ein anderes mal müsse man aus niedrigerer oder erhöhter Lage schießen. Und das wieder andere Mal, könne es sein, dass man die Figur durch die Baumstämme hindurch treffen muss. Damit wolle man möglichst realistische Bedingungen schaffen. Ab und zu verändere man die Stationen auch, um ein wenig Abwechslung zu schaffen. Immer gleich blieben aber die Sicherungsvorkehrungen, sagt Heinz Drost, während Dreyer bei dem Stichwort beginnt, etwas auf dem Handy zu suchen.

Gefunden: Er streckt das Smartphone entgegen. Darauf ist ein Bild von einer Hand, in der unzählige Splitter eines Pfeils steckten. „Das kann passieren, wenn man den Pfeil nicht auf Risse untersucht“, erklärt Dreyer. Er nimmt eines der Projektile und lässt den Kunststoffschaft auf seiner Hand dopsen. Fielen dabei ungewöhnliche Töne – etwa ein Scheppern – auf, gelte es, den Pfeil penibel zu überprüfen.

Der Parcours selbst sei bereits so angelegt, dass man sich auf keinen Fall in die Quere komme. „Wie eine Einbahnstraße“, betont Drost. Neulinge dürften erst mal nur in Begleitung schießen, um sie in das Gelände einzuweisen.

Nun heiße es bald „Ende Gelände“. Im wahrsten Sinne des Wortes veranstalte man unter dem Motto im Oktober noch einmal ein letztes Turnier. Doch nur für Mitglieder und Freunde der Traditionellen Bogenschützen. Im August 2020 will man dann auf das neue Gelände am „Schneckenberg“ umziehen. Es erhebt sich gegenüber des Katzenbergs im Osten sowie des Drillbergs im Westen. Bis es dort so richtig losgehen kann, gilt es aber noch einige Arbeit zu verrichten. So wie damals im „Willinger Tal“ beginnt man auf dem „Schneckenberg“ erst einmal bei Null. Doch stecken die Bogenschützen in dieses Vorhaben genauso viel Liebe und Elan, wird es dort bestimmt mindestens genauso schön wie im „Willinger Tal“.

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