Bad Mergentheim

Stadtgeschichte Kunsthandwerklich liebevoll gearbeitete Szene mit Schäfer Gehrig und Schafen aus den 1930er Jahren entdeckt / Hinweise auf den Standort gesucht

Ein Wegweiser, der viele Fragen aufwirft

Bei einem Antiquitätenhändler wurde ein Wegweiser entdeckt, der auf einen Schäfer-Gehrig-Weg hinwies. Unklar ist, wann und wo er aufgestellt wurde.

Bad Mergentheim. Sonja und Rainer Götzelmann haben bei einem Antiquitätenhändler in der Umgebung einen Wegweiser entdeckt, der aller Wahrscheinlichkeit nach in Bad Mergentheim aufgestellt worden war. Der Eichenstamm ist 2,70 Meter hoch und wird auf dem Querbalken von einer kunsthandwerklich liebevoll gestalteten figürlichen Szene aus Lindenholz gekrönt. Der Bildhauer hat auf dem Querbalken den Schriftzug „Schäfer Gehrig Weg“ schön herausgearbeitet und darüber den Schäfer mit drei seiner Schafe platziert. Während Franz Gehrig, mit einer Schippe in der Hand sitzend, seinen Rücken an einen Schäferkarren lehnt, leckt das vordere Schaf an der aus der Erde tretenden Heilquelle, die 1826 entdeckt wurde.

Als die Götzelmanns diesen Wegweiser mit seinem besonderen Bezug zu Bad Mergentheim entdeckt hatten, gab es kein Zögern, das gute Stück zu erwerben, um es für die Kurstadt zu erhalten, zumal schon viel zu viel „an kleinen Dingen“ aus dem Stadtbild verschwunden sind, wie Sonja Götzelmann bedauert. So ist zum Beispiel auch ein Wegweiser mit einem Deutschordens-Ritter einfach abgesägt und abtransportiert worden.

Natürlich tauchte die Frage auf, wer denn der Bildschnitzer war und wann der Wegweiser aufgestellt wurde? Und: Wo hat der Wegweiser Einheimische und Gäste auf einen Schäfer-Gehrig-Weg hingewiesen? Am heutigen Gehrig-Weg im Kurpark stand er jedenfalls nicht, erinnert sich Sonja Götzelmann noch bis in ihre Kindheit zurück.

Schätzungen von Fachleuten zufolge, könnte es sich bei dem Wegweiser um eine handwerklich kunstvolle Arbeit aus den 1930er Jahren handeln. In diesem Fall könnte ein Stadtplan aus der damaligen Zeit vielleicht weiterhelfen.

Zeitlich würde es passen

Und in der Tat. Ein solcher Plan aus der Zeit des „Dritten Reichs“ mit Straßennamen, die Nazi-Größen verewigen sollten, wurde ausfindig gemacht.

Siehe da: Zwischen den Bahnschienen, hinter denen sich die Wandelhalle befindet, und der Tauber ist auf der Karte ein Schäfer-Gehrig-Weg verzeichnet, den es heute nicht mehr gibt (der Weg wurde um einige Meter weiter hin zum Fluss verlegt und ist namenslos). Zeitlich gesehen würde da unser Wegweiser gut hinpassen.

Vielleicht kann sich ja noch jemand erinnern, wer den Wegweiser hergestellt oder in Auftrag gegeben hat, wann und wo er aufgestellt worden war und wann er abhanden gekommen ist? Sonja Götzelmann würde sich über entsprechende Hinweise freuen (Telefon 07931 / 561196). Vielleicht gibt es ja auch noch ein altes Foto, auf dem der Wegweiser zufällig mit abgelichtet wurde?