Bad Mergentheim

Natur und Umweltschutz Dank Anton Herz wird am Trillberg das wertvolle Streuobstbiotop erhalten

Ein Paradies für Insekten und Vögel

Einen Traum und einen „Herz“enswunsch haben sich Anton Herz und seine Ehefrau Eva Bartosch-Herz 2019 mit ihrem neuen Brennereigebäude, einer Schau- und Erlebnisbrennerei, erfüllt.

Bad Mergentheim. Im Wolfental hat Anton Herz mit 700 Obstbäumen, darunter 525 Hochobststämmen, ein Paradies für Insekten, Vögel und Wiesenblumen geschaffen, welches er teilweise dem Hecken- und Ödland mit viel Schweiß und Muskelkraft abgerungen hat. Die Ernteprodukte werden schon bisher zu edlen Destillaten, die mit Goldmedaillen ausgezeichnet wurden. Aber es ist auch ein Mergentheimer Gin entstanden und unter anderem sollen die Besitzer von Hochstämmen erfahren, wie sie ihre bisher unterschätzten Ernteprodukte verwerten können.

Die Tauberhüpfer haben vor einigen Jahren am Trillberg unter Anleitung des Ehepaars Herz verschiedene Kartoffelsorten angebaut und nach der Ernte die Früchte ihrer vielseitigen Arbeit vom Legen der Erdäpfel bis zur Ernte mit dem Schleuderroder genossen.

Das Gebiet rund um den Trillberg hat in der Vergangenheit sein Bild wiederholt verändert. Vor 100 Jahren weideten dort Schafe, heute ist der Wald vorherrschend. Jedoch war dort der Streuobstanbau vor zwei Generationen prägend. Mächtige Birnbäume und schmale Zwetschgenbäume zwischen Hecken und Waldbäumen zeugen von dieser Vergangenheit. Wacholderbüsche berichten von der früheren Schafnutzung. Anton Herz pflegt alte Obstbäume und pflanzte neue, jedoch von alten und robusten Sorten.

Sie nennen sich Gestreifter Kardinal, Roter Schüpfer oder Goldrenette Freiher von Berlepsch. Es sind die Namen von alten Apfelsorten. Der säuerliche Boskoop ist seit 1856 bekannt. Von den 1600 in unseren Breitengraden angebauten Apfelsorten sind nur die gängigsten geläufig. Diese alten Apfelsorten wuchsen auf alten Streuobstwiesen, die wegen des hohen Arbeitsaufwandes immer unwirtschaftlicher wurden. So kommen heute die allermeisten Äpfel aus Apfelplantagen, wo ohne Pflanzenschutz nichts läuft. Die Verbraucher möchten, wie das Volksbegehren Artenschutz zeigt, sogar das generelle Verbot von Pflanzenschutzmaßnahmen in Landschaftsschutzgebieten, aber gleichzeitig Äpfel ohne Schorfflecken oder vernarbte Fraßstellen. Das passt nicht zusammen. Äpfel mit Sippe bleiben liegen, obwohl sie gut schmecken. Hier ist noch viel Umdenken beim Verbraucher notwendig.

Der Streuobstanbau hatte im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine große Bedeutung und prägt heute noch am Trillberg die Kulturlandschaft. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft sowie durch das Bau- und Siedlungswesen wurden jedoch Streuobstwiesen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in großem Umfang gerodet. Heute gehören sie zu den am stärksten gefährdeten Biotopen, dort finden 2000 bis 3000 Tierarten bisher ihre Heimat. Rotkehlchen und Gartenrotschwanz leben von den zahlreichen Insekten und sind für Anton Herz „gewerkschaftsfreie Mitarbeiter“. Er unterstützt sie durch künstliche Nisthilfen und hohle Bäume und fördert behaarte Nützlinge mit Reisighaufen und Eidechsen mit Trockenmauern. Auf seinen Streuobstwiesen herrscht sowohl bei den Bäumen als auch auf der Wiese eine große Vielfalt.

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