Bad Mergentheim

Waldbegehung Markelsheimer Wald benötigt weiterhin viel Aufmerksamkeit / Klimawandel und Trockenheit beschäftigen Staat, Stadt und private Eigentümer

Ein Krankenbesuch der besonderen Art

Archivartikel

Über 600 Hektar Wald stehen auf Gemarkung Markelsheim – 510 Hektar Staats-, 80 Hektar Stadt- und zehn Hektar Privatwald. Regelmäßig bittet die Ortschaftsverwaltung zum Waldrundgang.

Markelsheim. Es war ein Jubuläum, doch das stand im Hintergrund bei der Waldbegehung am Freitag-nachmittag. Geladen hatte die Ortschaftsverwaltung, gekommen waren neben Forstvertretern die Ortschafts- und Gemeinderäte, Mitarbeiter der Ortschaftsverwaltung und des Bauhofes, Stadtkämmerer Artur Wirtz und seine Vorgänger Dieter Brümmer und Norbert-Dietmar Dziallas sowie die ehemaligen Ortsvorsteher Josef Gerlinger und Michael Halbmann. Und auch der ehemalige Forstamtsleiter Uwe Ceglarek nutzte die Gelegenheit, dem Markelsheimer Wald zusammen mit seinem Amtsnachfolger Karlheinz Mechler und den Förstern Eugen Blank und Klemens Aubele einen Besuch abzustatten.

Ortsvorsteherin Claudia Kemmer sprach von einem „Krankenbesuch“, denn der Wald – egal, wem er gehört – bereite große Sorgen, ja Kummer. Klimawandel und Trockenheit zeigen ihre Auswirkungen, und Lösungen für die vielen damit verbundenen Probleme und Fragen gibt es nur in Ansätzen.

Es fehlen, darauf machten dann auch Forstdirektor Karlheinz Mechler sowie Revierförster Eugen Blank im Laufe der Begehung immer wieder aufmerksam, schlichtweg die Erfahrungen. Welche Baumarten auf hiesigen Standsorten wirklich klimatolerant sind, ist empirisch noch nicht nachgewiesen. Es gilt also, zu experimentieren.

Da der Wald kein Labor ist, müsse dies mit Bedacht geschehen, also alte zusammen mit neuen Arten anzupflanzen und zu sehen, wie sich die Bäume und damit die Bestände entwickeln. Und schließlich, auch darauf machten die Förster aufmerksam, solle sich in einem absehbaren Zeitraum zumindest die Möglichkeit eröffnen, einerseits einen vielfältigen und artenreichen Wald zu erhalten und andererseits auch wieder einen Ertrag zu erwirtschaften. Das sei „machbar“, wird aber Anstrengungen und damit Geld kosten.

Zunächst stand ein Rundweg am Osterberg auf dem Programm, und da wurde schon deutlich, was die Trockenheit angerichtet hat: Von „gravierenden Schäden“ an den Buchen sprachen Mechler und Blank, konnten aber auch auf eine einsetzende Eichen-Naturverjüngung verweisen. Ob die Buche auf flachgründigen Standorten bei anhaltenden beziehungsweise wiederkehrenden Extremwetterlagen langfristig überleben kann, sei aus heutiger Sicht unklar – und auch die Rundgangs-Teilnehmer diskutierten diese Frage. Was ebenfalls deutlich wurde: Die Eiche vertrage die Klimakapriolen relativ gut, und der Speierling ist ein „Zukunftsbaum“. Bei diesem gelte es, gezielt „nachzuhelfen“, um diese Art weiter zu verbreiten und sie so auch interessant zu machen für die Kunden – die Möbelindustrie und die großen Sägewerke.

Große Schwammspinnergelege

Ein weiteres Problem ist nicht nur im Markelsheimer Wald vielfach sichtbar: Auf große Schwammspinnergelege konnten die Förster hinweisen. „Da kommt im Frühjahr was auf uns zu“, sagte Mechler. Die Laubfresser schädigen die ohnehin geschwächten Bäume zusätzlich. Die Bekämpfung dieser Insekten ist äußerst schwierig; der Chemieeinsatz im Wald zudem politisch höchst umstritten.

Nach einer Kaffeepause ging es dann zum Sailberg, und hier war das Käferholz (Fichten) das große Thema. Geradezu „niederschmetternd“ stellt sich die Lage bei der Fichte dar – die ist eigentlich ein Gebirgsbaum, und auf Wassermangel ist sie nicht eingerichtet. Gleichwohl sicherte sie über Jahrzehnte hinweg Erträge, doch der Klimawandel und die zumeist flachgründigen Böden in der Region fordern nun ihren Tribut. Kommen zur Trockenheit dann auch noch Hitzeperioden, schwächt das die Bäume extrem, und so werden sie ideale Opfer von Buchdrucker und Co. Die vollenden dann, was Wind und Sturm nicht schafften.

„Seit August haben wir verstärkt käferbefallene Bäume“, schilderte Blank die Lage – hinter sich einen regelrechten Wall gefällter Fichten, allesamt Käferholz. Das müsste eigentlich schnellstmöglich aus dem Wald, doch die Spediteure kommen kaum nach. Da ist es gut, dass die Käfer „Winterpause“ machen und so den Waldbesitzern einen Aufschub geben. Zudem ist beim gegenwärtigen Holzpreis ohnehin nichts zu holen.

Die Forstverwaltung empfiehlt, Fichten in „guten“ Zeiten gezielt zu ernten und eine Neubestockung mit klimatoleranten Arten anzugehen – eine geeignete Baumart ist die aus Nordamerika stammende, in Europa aber mittlerweile etablierte Douglasie. Andere Arten wie etwa die Libanon-Zeder müsse man andenken und auf geeignet erscheinenden Standorten ausprobieren – gefordert seien Baumarten, die sowohl Hitze und Trockenheit als auch Kälteperioden aushalten, betonten Blank und Mechler. Nötig und gefragt sei die „richtige Mischung“ als alten und neuen Laub- und Nadelhölzern. Und so kam dann auch, „man muss es ausprobieren“, als Aufforderung der Teilnehmer an die Forstleute zurück.

Leid und Zuversicht

Die Waldbegehung machte deutlich, dass die Markelsheimer mit ihren Wald leiden, aber eben auch eine Zukunft für ihn sehen und bereit sind, die dafür nötigen Schritte mitzugehen. So gesehen sieht es um den Markelsheimer Wald dann gar nicht mehr so schlecht aus.

Beim gemütlichen Ausklang in der Konrad-Pickel-Hütte erläuterte Forstdirektor Karlheinz Mechler die neue Struktur der Forstverwaltung. Die Beförsterung in Markelsheim wie im gesamten Südkreis werde sich nicht verändern, die landesweite Holzvermarktung werde allerdings einer neuen Gesellschaft übertragen.

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