Bad Mergentheim

Bürgerforum „Stadtbild“ Neue Serie „Mergentheimer Hausfassaden“ (Folge 2) / Das Haus Burger am Marktplatz

Ein herausragendes Denkmal mitten in der Kurstadt verfällt

Bad Mergentheim.Es ist das von den Touristen meist bestaunteste Haus in Mergentheim berichtet ein Marktplatzbewohner. Kommt bei Einheimischen die Rede aufs Stadtbild so ist die häufigste Frage: „Was wird eigentlich mit dem Burger-Haus?“ Im Jahr 2003 wurde es teilweise leergeräumt und eine historische Bauforschung gemacht.

Markus Numberger schreibt in der historischen Ortsanalyse, dass 2010 ein Bauantrag gestellt wurde. Getan hat sich leider nichts. Das prächtige Gebäude in prominentester Lage steht leer.

Eine dendrochronologische Untersuchung ergab, dass der Dachstuhl im Jahr 1433 abgezimmert wurde. Bei dieser Methode wird die Anordnung der Jahresringe im Holz mit einem Kalender verglichen. Der Giebel ist zum Marktplatz hin angeordnet. Es erhebt sich stattlich über drei Geschosse plus zwei Geschosse im Dach. Das Dach ist mit 60 Grad Neigung sehr steil. Die Steilheit kann darauf hindeuten, dass es ursprünglich mit Stroh gedeckt war. „Wir kennen Stadtansichten mit strohgedeckten Häusern von Bildern aus der Dürerzeit“, so das Bürgerforum „Stadtbild“ in seinen Ausführungen zum Haus.

Das Burger-Haus ist ein Fachwerkhaus, das mit einem Putz versehen wurde. Das verraten die hölzernen Fensterlaibungen. In einem steinernen Haus wären die Laibungen selbstverständlich aus Stein. Ein weiterer Hinweis sind Risse, die sich dort abzeichnen, wo Fachwerkbalken darunter liegen.

Vor rund 200 Jahren

Vor ungefähr 200 Jahren erhielt die Fassade ihr heutiges Erscheinungsbild. Die Festlegung ist möglich, weil die Handwerker, oder besser Künstler, die dort am Werk waren in der zeittypischen Formensprache gestaltet haben.

Die beiden Eckpilaster entstanden zweifellos im Klassizismus und das in herausragender Qualität. Die Farbe und die Goldfassungen blättern ab. Der genaue Blick lohnt sich. Blumenmotive zieren die Kapitelle. Sogar die Adern der Blätter kann man erkennen.

Darunter ist jeweils ein Medaillon mit einem Männerkopf im Profil zu sehen. Handelt es sich um antike Philosophen oder Herrscher? Beides beliebte Motive im Klassizismus, genauso wie die geschwungenen Lorbeerkränze, die man ebenfalls an den Pilastern findet. Die idyllische Schäfermalerei auf der Fassade ist die jüngste Zutat. Sie stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Eine einschneidende Veränderung musste das Haus um 1960 erfahren. Die Schaufensterpassage des Spielwarengeschäftes, eine Attraktion für die Kinder, wurde eingebaut. Für das Stadtbild war es nachteilig. Mit der durchgehenden gläsernen Schaufensterfront schwebt das Gebäude optisch über dem Erdgeschoss.

Der Fußboden des Ladengeschäftes wurde etwas abgesenkt. Dazu musste der Scheitel des darunter liegenden Gewölbekellers gekappt werden.

Die Sorgen, die sich viele Bürger um das Burger-Haus machen sind berechtigt, erklärt das Bürgerforum „Stadtbild“. Wird es nicht bald wieder genutzt, so werden die Schäden zunehmen. Es wird nicht mehr richtig überwacht und es bleibt lange unentdeckt, wenn Wasser in das Dach eindringt. Es ist zu hoffen, dass sich möglichst bald ein verantwortungsvoller Besitzer dieses herausragenden Denkmals annimmt. bfs

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