Bad Mergentheim

Gemeinderat Auszeichnung erstmals übergeben / Kleiner Festakt / In der Brauchtumspflege, Kulturarbeit, im Sozialen und in der Völkerverständigung eingebracht und starke Akzente gesetzt

Ehrennadel sieben verdienten Bürgern verliehen

Die ersten Träger der neuen „Bürgerehrennadel“ der Stadt Bad Mergentheim stehen fest. Drei Frauen und vier Männer wurden am Donnerstag in der Gemeinderatssitzung gewürdigt.

Bad Mergentheim. „Es sind Menschen – so steht es in den Richtlinien, die wir uns 2017 gegeben haben – die sich über einen längeren Zeitraum hinweg ehrenamtlich für das Gemeinwohl in der Stadt Bad Mergentheim oder in einem der Stadtteile engagiert haben. Das klingt relativ nüchtern, doch dahinter verbirgt sich eine große Leidenschaft für diese Stadt, ein großer Dienst für die Menschen, die hier leben oder hierherkommen“, leitete Oberbürgermeister Udo Glatthaar den Festakt am vergangenen Donnerstagabend ein. Zu Beginn der Gemeinderatssitzung wurden die ersten „Bürgerehrennadeln“ der Kurstadt unter großem Applaus verliehen. An: Heidi Deeg, Alois Haas, Luzia Knödler, Uwe Kurz, Gerhard „Gerd“ Landkammer, Andreas Schweizer und Christa Zechlin.

„Die Bürgerehrennadel soll den Dank und die Anerkennung der Stadt zum Ausdruck bringen und damit eine Ergänzung zur sehr selten verliehenen ’Bürgermedaille’ sein, die man bereits kennt“, erläuterte der Rathaus-Chef und sagte weiter: „Die neue Ehrennadel kann pro Kalenderjahr an bis zu fünf Personen verliehen werden. Heute sind es für die Jahre 2018 und 2019 zusammen sieben Personen. – Ich bin sehr dankbar für dieses neue Symbol der Wertschätzung. Es handelt sich um eine vergoldete Anstecknadel, die das Stadtwappen trägt und zusammen mit einer Urkunde überreicht wird.“

Glatthaar rief den Geehrten zu: „Wir wollen Ihr Tun, von dem die ganze Stadt unendlich profitiert, sichtbar machen. Denn das große ehrenamtliche Engagement ist ein riesiger Schatz und Reichtum, den man niemals als selbstverständlich hinnehmen darf.“

In einer kurzen Laudatio stellte OB Glatthaar schließlich die zu ehrenden Bürger einzeln vor:

Heidi Deeg: „Seit über 40 Jahren ist sie für den Museumsverein als Museumsbeauftragte tätig. Sie hat die Dauerausstellung ’Vor 4500 Jahren – im Taubertal zu Hause’ gemeinsam mit ihrem Mann ausgearbeitet, war bis 2015 insgesamt 40 Jahre lang Konzertbeauftragte des Vereins (Museumskonzerte) und sie ist für ihre Stadt-Themenführungen als Dichter Mörikes Schwester Klara oder als Turmwärterin Franziska Dermühl bekannt. 2009 hat sie den Super-Oma/Super-Opa-Service mit aus der Taufe gehoben und sie war zwischendurch auch noch für fünf Jahre FDP-Stadträtin (2004 bis 2009). Heidi Deeg lebt für die große und reichhaltige Geschichte dieser Stadt, hält sie so lebendig und begeistert andere dafür - sie ist eine echte Botschafterin!“

Alois Haas: „Er hat zwei große Bildungsinstitutionen dieser Stadt geleitet: erst die Volkshochschule und später mehr als 20 Jahre lang das Deutschorden-Gymnasium. Er ermöglichte außergewöhnliche Vorträge und Studienreisen in eher unbekannte Regionen Europas. Er holte die prominentesten Redner nach Bad Mergentheim, um damit auch den Ruf unserer Stadt zu fördern, unter anderem den Sohn von Thomas Mann, die weltberühmte Sportfliegerin Elly Beinhorn oder den Raketentechniker Prof. Hermann Oberth. 1962 initiierte er erstmals eine deutsch-französische Woche mit Aktionen in der ganzen Stadt. Er hat sich als Organisator und Leiter von Reisen verdient gemacht, fuhr bereits 1959 nach Paris und Südnorwegen, 1962 in entlegene Gegenden Spaniens und flog 1964 nach Griechenland. Alois Haas ist ein echter Völkerverständiger und hat auch sonst viele Menschen mit ihren Geschichten zusammengebracht; er hat wesentlich dazu beigetragen, der Stadt Bad Mergentheim ein weltoffenes Gesicht zu geben!“

Luzia Knödler: „Sie ist Vorsitzende des ehrenamtlichen Helferkreises des Pflegeheims Carolinum und engagiert sich seit mehr als 35 Jahren für das Wohl der Senioren. Jede Woche mittwochs wirkt sie mit beim Singen und Lesen; samstags hilft sie im Wechsel mit anderen in der Cafeteria. Sie ist bei Festen wie Fastnacht, Muttertag, Ostern, Adventsbasar, Weihnachten oder beim Sommerfest im Einsatz. Sie begleitet die Gottesdienste und das Austeilen der Kommunion auf den Stationen. Sie ist Vorsitzende im Heimbeirat des Carolinums und Ansprechpartner für Bewohner und Angehörige. Die Seniorennachmittage im Frühjahr und Herbst unterstützt sie und bereitet diese vor und auch an den Marktgottesdiensten des Frauenbundes ist sie beteiligt. Luzia Knödler lebt ihren starken christlichen Glauben und ist den Menschen von Herzen zugewandt – ein unermüdlicher Einsatz im Dienste der Nächstenliebe!“

Uwe Kurz: „Er hatte bis 2017 das Amt des Vorstandsvorsitzenden der Stadtkapelle Bad Mergentheim inne. Er hat damit ein echtes Aushängeschild unserer Stadt nicht nur geprägt, sondern zu dem gefragten Top-Ensemble gemacht, das wir heute haben und auf das wir stolz sind. Als Vorsitzender hat er die Kapelle mit ihren bis zu 80 (!) Auftritten im Jahr quasi gemanagt und organisiert. Einer der Höhepunkte mit großer Außenwirkung war im Rahmen der Heimattage etwa die musikalische Eröffnung des großen Landesfestumzuges. Eine herausragende Aktion war zudem die Reise des Blechbläserquartetts Anfang Juni 2012 mit der Delegation der Stadt nach Digne-les-Bains inklusive Auftritt vom eigentlich gesperrten Kirchturm in Digne. Bis 2014 war er 27 Jahre lang als Solotrompeter das prägende Gesicht beim ’Turmblasen’. Neben der Mitwirkung in der Stadtkapelle ist er Mitglied im Bläserquartett, das über das Jahr eine Vielzahl von Auftritten bestreitet. Uwe Kurz ist ein Vollblutmusiker, dem die Stadtkapelle Bad Mergentheim immer ein Herzensanliegen war – er hat damit buchstäblich zum ’guten Ton’ in unserem Stadtleben beigetragen und unzählige Veranstaltungen bereichert!“

Gerhard „Gerd“ Landkammer: „Er ist Gründungsmitglied des Musikvereins Markelsheim im Jahr 1964 und somit seit 55 Jahren Mitglied. Seit 1975 war er der Dirigent der Musikkapelle – gerade erst hat er den Taktstock endgültig abgegeben. Er hat in den fast 45 Jahren seiner Verantwortung Beachtliches erreicht: etwa Plattenaufnahmen der Mergentheimer Kapellen, Rundfunk- und Filmaufnahmen. Bei der Teilnahme am internationalen Wettbewerb ’Prager Winter’ in Brünn bekam die Kapelle einen Sonderpreis von den Wertungsrichtern zuerkannt. Große Bedeutung hat für ihn schon immer die Nachwuchsarbeit, er erteilt seit 1986, also seit 33 Jahren, Einzel- und Gruppenunterricht für Kinder und Jugendliche und leitet seit 2013 zudem das Jugendorchester. Gerhard Landkammer hat dem Markelsheimer Musikverein, dessen Kapelle und damit auch dem gesamten herrlichen Weinort beständig Glanz und Erfolg gebracht – auch er ist ein echter Musik-Begeisterter, der andere Menschen mitnimmt in diese faszinierende Welt!“

Andreas Schweizer: „Er ist seit über 20 Jahren in der Vorstandschaft des Historischen Schützen-Corps tätig und seit 2002 dessen Vorsitzender. Als Hauptmann ist er der oberste Repräsentant dieser historischen Garde. Was wäre für unsere Gäste und Bürger das historische Bad-Mergentheim-Erlebnis ohne den Historischen Wachaufzug? Auch der große Herzog-Paul-Abend in der Wandelhalle, die Begrüßungs-Schüsse für das neue Jahr oder das Spalier beim Neujahrsempfang – all das gehört zum geschichtsbewusst-charmanten Antlitz dieser Stadt und wird dank des Engagements von Menschen wie ihnen möglich. Bei den Mergentheimern bekannt ist er zudem als Sitzungspräsident der Narrengilde ’Lustige Gesellen’ der Kolpingsfamilie Bad Mergentheim bekannt. Seit 2001 führt er durch die närrischen Sitzungen. Er ist auch Mitglied des Präsidiums. Andreas Schweizer steht als Person für die liebevoll-unverkrampfte Pflege von Tradition und Brauchtum in dieser Stadt!“

Christa Zechlin: „Sie ist seit 37 Jahren prägendes Mitglied der Bad Mergentheimer Gruppe von Amnesty International. Schon bald nach ihrem Eintritt 1982 hat sie die Leitung der ai-Gruppe übernommen, die sie fast 30 Jahre lang innehatte, bis Ende 2016. Sie engagierte sich mit Petitionen, Informationskampagnen, Ausstellungen und Aktionen wie den ’Briefen gegen das Vergessen’ für die Freilassung politischer Gefangener und die Einhaltung der Menschenrechte. Zum 60-Jahr-Jubiläum der ’Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte’ 2008 hat die Amnesty-Gruppe ein nachhaltiges Projekt, den 1,5 Kilometer langen Menschenrechtspfad initiiert, der vom Kurpark aus hoch über das Taubertal führt. Weitere Aktionen waren eine ’Klagemauer’ gegen Folter, der ’Gerümpelberg’ gegen Zwangsräumungen und die ’Lichtaktion’ gegen die Todesstrafe mit Verwandlung des Deutschordensschlosses in eine große Protestleinwand (2013).

2017 durfte ich als Oberbürgermeister mit ihr gemeinsam eine Dokumentations-Ausstellung zur 40-jährigen Arbeit von Amnesty in Bad Mergentheim im Neuen Rathaus eröffnen. Eine begehbare Buchskulptur auf dem Marktplatz erinnerte zudem an das 70-Jahr-Jubiläum der UN-Menschenrechts-Charta (2018). Christa Zechlin ist eine echte Kämpferin für die Menschenrechte; sie hat mit großer Ausdauer dafür gesorgt, dass diese wichtigen Themen nicht den Bühnen der großen Politik überlassen werden, sondern hier vor Ort präsent sind und bleiben!“

Gerührt und dankbar nahmen die Geehrten die Auszeichnung samt Urkunde, Blumen für die Damen und das Weinpräsent entgegen.