Bad Mergentheim

Leserbrief Zu „Wertvolles Erbe erhalten“ (FN, 1. September)

„Ehemaliger Hofgarten hat eine Aschenputtelrolle“

Archivartikel

Am Freitag, 11. September, wird Staatssekretärin Katrin Schütz den Bad Mergentheimer Kurpark besuchen. Schade, dass sie nicht auch dem Schlosspark die notwendige Aufmerksamkeit und Wertschätzung schenkt. Leider führt auch bei diesem Besuch der ehemalige Hofgarten eine Aschenputtelrolle.

Dies ist leider kein Einzelfall. Während in der Broschüre „Frankens Paradiese“ etwa der Weikersheimer Park und der Kurpark gewürdigt werden, fehlt der Mergentheimer Schlosspark, weil in der Vergangenheit niemand „seinen Ruhm verkündigte“ und sich verantwortlich fühlte. Schon 1946 schreibt Emil Raupp in seiner Dissertation über „Die Bautätigkeit des Deutschen Ordens in Mergentheim“. Zitat: „Zur Vermeidung weiterer Unterhaltskosten bricht man 1823 die Sala terrena (Gartensaal, baugeschichtlich wertvoll) ab, nachdem sie zuvor schon zu Beginn des Jahrhunderts ähnlich wie das Komödienhaus (oder alter Gartensaal) als Requisitionsmagazin dienen mußte! Überhaupt scheint die neue Herrschaft (Württemberg) eine gewisse Systematik in der Vernichtung aller an das alte Regime (Deutscher Orden) gemahnenden Bauwerke verfolgt zu haben; denn vier Jahre später fällt auch das Hoftheater, nachdem es zuvor der unwürdigen Verwendung als Pferdestall zugeführt worden war.“

Leider harrt auch der ehemals eindrucksvolle Entensee seiner Wiederherstellung und es ist anscheinend nicht genügend Geld vorhanden, um zeitnah die immer wieder vorkommenden Zerstörungen an den wertvollen Staffagebauten Chinahaus und Halbmondhaus reparieren zu können. Auch wird der Gast, der den Park besucht, nicht durch etwaige Schautafeln über den einmaligen Landschaftsgarten informiert. Dabei bildet der Schlossgarten ein Denkmalensemble von erheblicher kulturhistorischer sowie stadt- und landschaftsgeschichtlicher Bedeutung. In Veitshöchheim sollte einst ein Teil des Parks der Eisenbahn dienen, dies verhinderte der damalige bayrische König. In Mergentheim wurde der Bahn und dem Verkehrsübungsplatz ein Teil des ehemaligen Hofgartens geopfert. So weit die unerfreuliche Historie des Mergentheimer Hofgartens unter der Zielsetzung der Denkmalreise „Wertvolles Erbe erhalten“.

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