Bad Mergentheim

Flüchtlinge „Kommunale Anschlussunterbringung“ bleibt Daueraufgabe / Zusammenarbeit von städtischen und kirchlichen Einrichtungen

„Die Vermieter können aussuchen“

Vermieter und Mieter zusammenzubringen, dieses hochgesteckte Ziel wurde im katholischen Gemeindehaus nicht erreicht. Dennoch haben die Organisatoren den Stein ins Rollen gebracht.

Bad Mergentheim. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist, gelinde gesagt, angespannt. Vor allem bezahlbare Wohnungen sind Mangelware. Betroffen davon sind nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund. Doch gerade die Wohnungssuche für Flüchtlinge stellt ein besonderes Problem dar – für die Stadt, die für die „kommunale Anschlussunterbringung“ zuständig ist, aber auch für die in der Flüchtlingsbetreuung aktiven Initiativen wie die Liebenzeller Gemeinschaft, die Ökumenische Fachstelle für Flüchtlingshilfe oder auch den ehrenamtlich wirkenden Asyl-Helferkreis.

Grund genug für die Stadt und die Flüchtlingshelfer, sich nach einer Möglichkeit umzusehen, potenziellen Mietern und Vermietern ein Podium zu bieten. Das katholische Gemeindehaus sollte hierbei als Treffpunkt dienen.

Dass dann bei der Veranstaltung zwar rund 15 Migranten – allesamt Flüchtlinge aus Eritrea, Somalia und Afghanistan – sowie ein gutes Dutzend Vertreter der Helferinitiativen und der Stadt vor Ort waren, jedoch kein einziger Vermieter, sollte laut Andreas Baumann vom Ordnungsamt nicht als schlechter Start betrachtet werden. „Vermieter müssen ja zur Zeit nicht initiativ werden, die Nachfrage ist groß, das Angebot knapp“, machte er deutlich. Gleichwohl habe am Freitagabend eine öffentliche Diskussion begonnen. „Wir haben etwas angestoßen“, ergänzte der städtische Integrationsbeauftragte Michael Schnitzler.

111 Personen zugewiesen

Schnitzler stellte zunächst die aktuelle Situation dar: „Von Januar bis November dieses Jahres wurden 111 Personen der kommunalen Anschlussunterbringung zugewiesen. Davon fanden 68 Platz in den Containeranlagen. Zusätzliche vier Personen kamen in Stuppach in der Grünewaldstraße unter und 39 fanden eine Unterkunft auf dem freien Wohnungsmarkt.“ Dazu kämen weitere Menschen, die im Rahmen des Familiennachzuges nach Bad Mergentheim kamen. Bis einschließlich November seien das 15 Personen gewesen, wovon bisher zwölf als Familiennachzügler angerechnet wurden. Drei davon seien in Containern untergebracht, fünf in städtischen Wohnungen in Stuppach und sieben fanden eine Bleibe auf dem freien Wohnungsmarkt.

Die Container seien nur eine temporäre Lösung, machte Schnitzler deutlich. Besser für alle Beteiligten wäre ein ganz normale Wohnung, denn der Platz in den Containern sei knapp, zudem lebten sehr viele Menschen auf engem Raum. Und deshalb habe man unter dem Motto „Perspektiven entwickeln …?“ zu der Veranstaltung geladen.

Was es für Flüchtlinge so schwierig macht, eine Wohnung zu finden, wurde in der Diskussion deutlich. Eine Frau verwies auf die schwierigen Lebensumstände in der Containersiedlung, doch als Flüchtling habe man es schwer, einen Vermieter zu überzeugen. Fehlendes Geld sei da nur ein Punkt.

„Ja, es gibt bisweilen Vorbehalte wegen der Hautfarbe und der Art der Kleidung“, machte ein Sprecher des Asyl-Helferkreises deutlich. Aber, auch darauf verwies der Sprecher: „Nicht alle Vermieter sind so.“ Vielmehr herrsche aktuell eine große Nachfrage nach Wohnungen, das Angebot sei aber äußerst knapp, und zwar ganz besonders bei bezahlbaren Wohnungen. Die Folge davon sei: „Vermieter können aussuchen.“ Somit sei es hilfreich, Vermieter zu überzeugen, etwa, indem man sie einlade in den Container. „In der Max-Planck-Straße (dem aktuellen Wohnort der Frau) ist es ja sehr sauber“, betonte der Helfer. Das könne sicherlich die Entscheidung eines Vermieters positiv beeinflussen.

„Vermieter zu finden, ist immer schwierig“, machte eine Vertreterin der Jugendhilfe Creglingen deutlich. „Egal ob für von uns betreute Jugendliche oder Flüchtlinge, es ist nicht einfach.“ Auch deshalb seien Plattformen, wo sich beide Seiten treffen und austauschen können, sinnvoll. Zwei junge Männer, Flüchtlinge aus Afghanistan, berichteten von ihren Erfahrungen bei der Wohnungssuche. Es sei nicht einfach gewesen, doch trotz vieler Absagen haben die beiden nicht aufgegeben und schließlich Erfolg gehabt. Ein ganz wichtiger Punkt sei die Frage gewesen, ob sie denn die Wohnung auch sauber halten würden, merken Gholamrera und Adnan an. Natürlich sei das auch ihnen wichtig. „Wir wollen doch dort leben.“